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„Amerikanischer Taliban“ nach 17 Jahren aus US-Haft entlassen
International 3 Min. 23.05.2019 Aus unserem online-Archiv

„Amerikanischer Taliban“ nach 17 Jahren aus US-Haft entlassen

Lindh im Januar 2002 nach seiner Gefangenname.

„Amerikanischer Taliban“ nach 17 Jahren aus US-Haft entlassen

Lindh im Januar 2002 nach seiner Gefangenname.
Foto: AFP
International 3 Min. 23.05.2019 Aus unserem online-Archiv

„Amerikanischer Taliban“ nach 17 Jahren aus US-Haft entlassen

John Walker Lindh wurde Ende 2001 in Afghanistan gefasst und als „amerikanischer Taliban“ bekannt. Nun wurde er unter strengen Auflagen aus einem US-Gefängnis freigelassen. Hat er der radikalislamischen Ideologie in 17 Jahren Haft abgeschworen?

(dpa) - Der frühere amerikanische Taliban-Kämpfer John Walker Lindh ist nach 17 Jahren Haft vorzeitig aus einem Gefängnis in den USA entlassen worden. Das berichteten der Sender CNN und andere US-Medien am Donnerstag übereinstimmend unter Berufung auf Lindhs Anwalt Bill Cummings. Lindh - der als „amerikanischer Taliban“ bekannt wurde - seien wegen guter Führung drei Jahre seiner Strafe erlassen worden. Für ihn gälten nun aber strenge Auflagen.

Der Konvertit war Ende 2001 beim US-geführten Einmarsch in Afghanistan gefasst worden. Im Oktober 2002 hatte ihn ein Gericht in den USA zu 20 Jahren Haft verurteilt. Der heute 38-Jährige war zuletzt in einem Gefängnis in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana inhaftiert gewesen. Lindh war der erste US-Amerikaner, der in dem von den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufenen „Krieg gegen den Terror“ gefangen genommen wurde.

Unmittelbar vor Lindhs Haftentlassung nannte US-Außenminister Mike Pompeo den Schritt „unerklärlich und gewissenlos“. Pompeo sagte dem Sender Fox News am Donnerstag: „Daran ist etwas zutiefst Beunruhigendes und Falsches.“

Nach meinem Verständnis bedroht er weiterhin die Vereinigten Staaten von Amerika und ist weiterhin demselben Dschihad verschrieben, in dem er sich engagiert hat.  

Lindh war nach seiner Festnahme 2001 gemeinsam mit anderen Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern in der Festung Kala-i-Dschangi bei Masar-i-Scharif in Nordafghanistan inhaftiert gewesen, als es dort zu einem Gefangenenaufstand kam. Bei dem Aufstand wurde ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA, der Amerikaner Mike Spann, getötet. Lindh wurde deswegen allerdings nicht verurteilt.

Spanns Tochter Alison Spann hatte sich vor der Haftentlassung in einem offenen Brief an US-Präsident Donald Trump gewandt. Darin forderte sie den Präsidenten auf, Lindhs Freilassung zu verhindern. Alison Spann sprach von einem „Schlag ins Gesicht“ und nannte Lindh einen „Verräter“. Sie warf Lindh vor, ihren Vater bei seinem Verhör nicht vor dem bevorstehenden Aufstand gewarnt zu haben.


HANDOUT - 29.04.2019, ---: Der Screenshot eines undatierten Videos, das am 29.04.2019 über Al-Furkan, einen Medienkanal der IS, verbreitet wurde, zeigt den Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Bagdadi. Foto: ---/Al-Furkan  /dpa +++ dpa-Bildfunk +++
IS-Anführer erstmals seit fünf Jahren in Video zu sehen
IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi gehört zu den meist gesuchten Terroristen der Welt. Nach dem militärischen Sieg über die Terrormiliz wird gerätselt, wo er sich aufhält. Jetzt gibt er ein Lebenszeichen.

Lindh hatte sich vor Gericht „von jeder Art von Terrorismus“ distanziert und sich des Sprengstoffbesitzes und der Unterstützung des Taliban-Regimes schuldig bekannt. Im Gegenzug hatte die Bundesanwaltschaft einen schwerer wiegenden dritten Anklagepunkt - Verschwörung zur Ermordung von Amerikanern - fallen gelassen.

Pompeo - der die CIA von 2017 bis 2018 leitete - beschuldigte Lindh am Donnerstag, der radikalislamischen Ideologie nicht abgeschworen zu haben. „Nach meinem Verständnis bedroht er weiterhin die Vereinigten Staaten von Amerika und ist weiterhin demselben Dschihad verschrieben, in dem er sich engagiert hat.“

Der Sender NBC Los Angeles berichtete am Mittwoch, Lindh habe sich in handgeschriebenen Briefen aus dem Gefängnis an einen Mitarbeiter des Senders unter anderem lobend über die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geäußert. So habe er im Februar 2015 geschrieben, der IS mache „eine eindrucksvolle Arbeit“. Das US-Magazin „Foreign Policy“ hatte im Juni 2017 aus einem Bericht des Nationalen Terrorabwehrzentrums (NCTC) zitiert, wonach Lindh weiterhin für den globalen Dschihad werbe und extremistische Texte schreibe und übersetze.

Die „Washington Post“ berichtete, bis zum Ablauf der 20-jährigen Strafe müsse Lindh sich an strenge Auflagen halten. Unter anderem dürfe er keinen Reisepass besitzen, das Internet nicht ohne Aufsicht benutzen und online nicht ohne vorherige Zustimmung mit anderen Personen auf einer anderen Sprache als Englisch kommunizieren. Er müsse sich außerdem einer psychologischen Behandlung unterziehen.


A Sri Lankan soldier stands guard at a barricade near St. Anthony's Shrine in Colombo on April 28, 2019, a week after a series of bomb blasts targeting churches and luxury hotels on Easter Sunday in Sri Lanka. - Sri Lanka's Roman Catholic leader on April 28 condemned the Easter attacks as "an insult to humanity" as the country marked a week since suicide bombers hit three churches and three luxury hotels. (Photo by Jewel SAMAD / AFP)
IS bekennt sich zu tödlichem Zwischenfall an Sri Lankas Ostküste
Im Osten des Landes hatten Terroristen Sicherheitskräfte in einen Hinterhalt gelockt und sich dann mit Sprengstoffwesten in die Luft gesprengt.

Der Sender NPR berichtete, Lindh sei in der US-Hauptstadt Washington zur Welt gekommen, wo sein Vater für das Justizministerium gearbeitet habe. Die Familie sei dann in die Gegend von San Francisco gezogen, als Lindh zehn Jahre alt gewesen sei. Der Katholik sei im Alter von 16 Jahren zum Islam konvertiert. Mit Einverständnis seiner Eltern sei er in den Jemen gereist, um den Islam und die arabische Sprache zu studieren. Er sei dann über Pakistan nach Afghanistan gereist, um sich freiwillig den radikalislamischen Taliban anzuschließen.


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