Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"Amazonas-Pakt" soll Regenwald retten
International 3 Min. 07.09.2019 Aus unserem online-Archiv

"Amazonas-Pakt" soll Regenwald retten

Der weltweit beachtete "Pakt von Leticia" ist ein bemerkenswerter Schritt in die richtige Richtung.

"Amazonas-Pakt" soll Regenwald retten

Der weltweit beachtete "Pakt von Leticia" ist ein bemerkenswerter Schritt in die richtige Richtung.
Foto: AFP
International 3 Min. 07.09.2019 Aus unserem online-Archiv

"Amazonas-Pakt" soll Regenwald retten

Dieser Pakt ist laut des kolumbianischen Präsidenten Ivan Duque "entscheidend für das Überleben unseres Planeten": Kolumbien, Peru, Brasilien, Ecuador, Bolivien, Suriname und Guyana wollen den Amazonas durch bessere Zusammenarbeit retten. Ein entsprechender Pakt soll es möglich machen.

KNA - In der kolumbianischen Stadt Leticia haben sich die Amazonas-Länder auf verpflichtende Maßnahmen zum Schutz des Ökosystems verständigt. Rund 2,5 Millionen Hektar Wald sollen durch die jüngsten Brände vernichtet worden sein.


Damit nicht noch mehr Natur im Amazonasgebiet verbrennt, soll nun das Militär in den betroffenen Gebieten beim Löschen der Flammen helfen.
Soldaten bekämpfen Flammen im brasilianischen Regenwald
Lange hat er gezaudert, jetzt schickt Präsident Bolsonaro das Militär in die Schlacht gegen die Feuersbrunst.

Bislang ist es erst mal nur ein Stück Papier, das die Regierungschefs von insgesamt sieben Ländern in der kolumbianischen Amazonas-Stadt Leticia unterzeichnet haben. Und doch ist der weltweit beachtete "Pakt von Leticia" ein bemerkenswerter Schritt in die richtige Richtung.

Netzwerk für mehr Austausch 

In einer gemeinsamen Abschlusserklärung kündigten die Länder den Aufbau eines Kooperationsnetzwerks an, über das unter anderem Wetterdaten sowie Informationen über illegale Abholzungen und illegale Minen ausgetauscht werden sollen. Unterzeichnet wurde das Abkommen von Kolumbien und Peru als Ko-Organisatoren des Gipfeltreffens sowie Brasilien, Ecuador, Bolivien, Suriname und Guyana. Venezuela wurde nicht eingeladen. Das Land ist wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen derzeit international isoliert.


TOPSHOT - View of a burnt area after a fire in the Amazon rainforest near Novo Progresso, Para state, Brazil, on August 25, 2019 - Brazil on Sunday deployed two C-130 Hercules aircraft to douse fires devouring parts of the Amazon rainforest, as hundreds of new blazes were ignited and a growing global outcry over the blazes sparks protests and threatens a huge trade deal. (Photo by Joao Laet / AFP)
Brände in Brasilien: Bolsonaro empört über Hilfsangebot der G7
Die reichen Industriestaaten wollen mit Soforthilfen in Millionenhöhe den Kampf gegen die Feuer im Amazonasgebiet unterstützen. Für den brasilianischen Präsidenten ist das ein Affront.

Gastgeber Ivan Duque hatte zuvor einen stärkeren Schutz des Amazonas-Regenwaldes gefordert; dies sei "entscheidend für das Überleben unseres Planeten", so der kolumbianische Präsident. Auf seine Initiative hin hatten sich die Länder in Leticia getroffen. Auslöser waren die verheerenden, mutmaßlich menschengemachten Waldbrände in der Region, die Medienberichten zufolge bereits rund 2,5 Millionen Hektar Regenwald vernichtet haben.

Besonders betroffen sind Brasilien und Bolivien, deren Präsidenten Jair Bolsonaro und Evo Morales für ihre agrarindustriefreundliche Politik international scharf kritisiert wurden. Morales hat erst vor wenigen Wochen per Dekret Brandrodung in zwei Amazonas-Provinzen ausdrücklich erlaubt. Und Bolsonaro stellte sich in den vergangenen Monaten stets hinter eine Expansion der Agrarindustrie.

In Sorge vereint

Bolsonaro fehlte bei dem Treffen, da er an diesem Sonntag nochmals wegen Spätfolgen eines Messerattentats vor einem Jahr operiert werden soll. "Wir müssen eine starke Position einnehmen und unsere Souveränität verteidigen, so dass jedes Land die beste Politik für die Amazonas-Region entwickeln kann. Wir dürfen das nicht in die Hände anderer Länder geben", forderte Bolsonaro. Die Kritik der vergangenen Wochen an seiner Amazonas-Politik verurteilte er als "internationale Einmischung in innere Angelegenheiten" Brasiliens.

Kolumbiens Präsident Duque sagte, der Pakt diene dazu, für gemeine Ziele zusammenzuarbeiten und diese Arbeiten zu koordinieren. Alle Länder vereine die Sorge um den Regenwald. Es gelte, die Vorbeugung zu verbessern und Risiken wie Waldbrände zu minimieren. Als die größten Bedrohungen für den Regenwald nannte Duque illegalen Bergbau, illegalen Drogenanbau sowie illegale Rodungen.


27.08.2019, Brasilien, ---: Feuer breitet sich in einem Waldstück aus. In Südamerika wüten derzeit schwere Waldbrände. Durch Brandrodung und Abholzung vernichtet der Mensch seit Jahrtausenden die Waldbestände - nicht zuletzt in Europa. In vielen Erdregionen toben die Brände derzeit besonders heftig. Vor allem Brasilien, Venezuela, Bolivien und Kolumbien sind von den Feuern betroffen. Foto: Xinhua/NOTIMEX/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Doppelmoral
Die EU und die Menschheit braucht von den Amazonas-Regionen kein Fleisch und kein Soja, sondern Sauerstoff und CO2-Speicherung.

Neben Duque waren auch die Präsidenten Martin Vizcarra (Peru), Morales (Bolivien) und Lenin Moreno (Ecuador) gekommen. Brasilien schickte Außenminster Ernesto Araujo, Surinam Vizepräsident Michael Ashwin Adhin. Aus Guayana kam Umweltminister Raphael Trotman nach Leticia.

Proteste von Indigenen

Am Rande des Treffens der sieben Staaten gab es auch Proteste. Indigene demonstrierten in Leticia und berichteten über einen besorgniserregenden Wassermangel: "Es gibt zur Zeit kein Wasser", sagte Beto Hanayari vom Volk der Uitoto zu Journalisten. "Es regnet weniger. Die Erde wird trockener. Wenn Sie die Wildnis jetzt sehen, dann ist alles trocken. Die Tiere sterben in den Bergen; um Wasser zu finden, müssen sie Kilometer wandern." Der Klimawandel sei eine Folge der Abholzung.


TOPSHOT - Aerial view of burnt areas of the Amazon rainforest, near Boca do Acre, Amazonas state, Brazil, in the Amazon basin, on August 24, 2019. - President Jair Bolsonaro authorized Friday the deployment of Brazil's armed forces to help combat fires raging in the Amazon rainforest, as a growing global outcry over the blazes sparks protests and threatens a huge trade deal. (Photo by Lula SAMPAIO / AFP)
Walduntergang
In Brasilien brennt der Amazonas, in Sibirien die Taiga. Dabei wird auch Weltkulturgut zugrunde gerichtet.

Nach Angaben des Brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (INPE) brannten am 24. August allein im brasilianischen Amazonasgebiet 41.000 Feuer. Seit Jahresbeginn registrierte die INPE mehr als 72.000 Brände. Die Europäische Weltraumagentur ESA bestätigte diese Einschätzung.

Daten des Copernicus-Satelliten hätten ergeben, dass im August die Zahl der Feuer etwa viermal so hoch war wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt sollen die verheerenden Brände in Südamerika rund 2,5 Millionen Hektar Wald vernichtet haben, berichteten lateinamerikanische Medien zuletzt. Nur in Bolivien wurden 700.000 Hektar Trockenwald und eine Million Hektar Weidefläche zerstört.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Walduntergang
In Brasilien brennt der Amazonas, in Sibirien die Taiga. Dabei wird auch Weltkulturgut zugrunde gerichtet.
TOPSHOT - Aerial view of burnt areas of the Amazon rainforest, near Boca do Acre, Amazonas state, Brazil, in the Amazon basin, on August 24, 2019. - President Jair Bolsonaro authorized Friday the deployment of Brazil's armed forces to help combat fires raging in the Amazon rainforest, as a growing global outcry over the blazes sparks protests and threatens a huge trade deal. (Photo by Lula SAMPAIO / AFP)
Walduntergang
In Brasilien brennt der Amazonas, in Sibirien die Taiga. Dabei wird auch Weltkulturgut zugrunde gerichtet.
TOPSHOT - Aerial view of burnt areas of the Amazon rainforest, near Boca do Acre, Amazonas state, Brazil, in the Amazon basin, on August 24, 2019. - President Jair Bolsonaro authorized Friday the deployment of Brazil's armed forces to help combat fires raging in the Amazon rainforest, as a growing global outcry over the blazes sparks protests and threatens a huge trade deal. (Photo by Lula SAMPAIO / AFP)
Doppelmoral
Die EU und die Menschheit braucht von den Amazonas-Regionen kein Fleisch und kein Soja, sondern Sauerstoff und CO2-Speicherung.
27.08.2019, Brasilien, ---: Feuer breitet sich in einem Waldstück aus. In Südamerika wüten derzeit schwere Waldbrände. Durch Brandrodung und Abholzung vernichtet der Mensch seit Jahrtausenden die Waldbestände - nicht zuletzt in Europa. In vielen Erdregionen toben die Brände derzeit besonders heftig. Vor allem Brasilien, Venezuela, Bolivien und Kolumbien sind von den Feuern betroffen. Foto: Xinhua/NOTIMEX/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Feuerkontinent Afrika
Amazonien, die Lunge der Welt, brennt. Doch wer in diesen Tagen einen Blick auf Satellitenbilder wirft, stellt oft staunend fest: viel mehr Brände lodern derzeit in Afrika.
Dialog und Druck
In puncto Amazonas sollte die Weltgemeinschaft zuerst mit Brasilien den Dialog suchen, bevor sie die Daumenschrauben anlegt.
Der Amazonas, die "grüne Lunge" des Globus, brennt. Die Weltgemeinschaft muss eine Lösung im Interesse aller finden.