Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Algeriens Präsident Bouteflika kündigt Rücktritt an
International 01.04.2019

Algeriens Präsident Bouteflika kündigt Rücktritt an

Abdelaziz Bouteflika im April 1999.

Algeriens Präsident Bouteflika kündigt Rücktritt an

Abdelaziz Bouteflika im April 1999.
Foto: AFP
International 01.04.2019

Algeriens Präsident Bouteflika kündigt Rücktritt an

Nach anhaltenden Massenprotesten hat Algeriens altersschwacher Präsident Bouteflika seinen Rückzug bekanntgegeben. Zuletzt hatte sich auch das mächtige Militär von dem 82-Jährigen losgesagt. Allerdings ist es ein Abschied auf Raten.

(dpa) - Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika hat auf die andauernden Massenproteste reagiert und seinen Rücktritt angekündigt. Er werde vor dem Ende seiner Amtszeit am 28. April sein Amt aufgeben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur APS am Montag. Seit Wochen gibt es in Algerien Massenproteste gegen den gesundheitlich schwer angeschlagenen Präsidenten.

Erst am Sonntag hatte Bouteflika eine neue Regierung eingesetzt. Dem Schritt würden wichtige Entscheidungen folgen, um das weitere Funktionieren der staatlichen Institutionen sicherzustellen, heißt es in der offiziellen Erklärung. Ein genaues Datum oder weitere Details wurde nicht genannt. Nach Bouteflikas Rücktritt werde es aber eine Übergangsphase geben.


(FILES) In this file photo taken on April 10, 2016, Algerian President Abdelaziz Bouteflika meets with the French prime minister at his residence during an official visit in Zeralda, a suburb of the capital Algiers. - The confirmation on February 10, 2019 that Algeria's ailing President Bouteflika would contest a fifth term sparked a series of protests in the North African country. (Photo by Eric FEFERBERG / AFP)
Algerien: Bouteflika verzichtet auf Kandidatur
Abdelaziz Bouteflika ist seit 1999 in Algerien an der Macht. Nach wochenlangen Protesten gibt der 82-jährige Präsident klein bei – und nimmt Abstand von einer neuerlichen Kandidatur.

Bouteflika war 1999 als Wunschkandidat des algerischen Militärs zum Präsidenten gewählt worden. Seine aktuelle vierte Amtszeit endet offiziell am 28. April. Die Massenproteste gegen den Präsidenten hatten vor mehr als sechs Wochen begonnen. Damals hatte Bouteflika angekündigt, trotz seines Gesundheitszustands für eine fünfte Amtszeit zu kandidieren.

Nach einem blutigen Bürgerkrieg mit Islamisten in den 1990er Jahren mit schätzungsweise bis zu 200 000 Toten sollte Bouteflika das Land wieder versöhnen. Allerdings werfen ihm Kritiker vor, dass er es nicht geschafft habe, dringend notwendige Wirtschaftsreformen durchzusetzen. Zuletzt hatte sich mit Militärchef Ahmed Gaid Salah ein wichtiger Verbündeter des Präsidenten von ihm losgesagt und dessen Absetzung gefordert.

Seit Wochen kommt es in Algerien zu den größten Massenprotesten seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1962. Am Sonntag hatte Bouteflika noch eine neue Regierung ernannt. Ministerpräsident ist nun der 59 Jahre alte Noureddine Bedoui. Das Kabinett besteht aus 27 Ministern. Sechs von ihnen gehörten auch der alten Regierung an, die nach den Protesten in dem nordafrikanischen Land zurückgetreten war.


Demonstranten, die gegen den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika demonstrieren, bedecken ihre Gesichter zum Schutz vor Tränengas.
Algeriens Präsident heimgekehrt - Streik gegen Bouteflika
Mehr als zwei Wochen laufen die Proteste gegen Algeriens Staatschef Bouteflika schon. Ein Ende des Widerstands gegen seine erneute Kandidatur ist nicht zu erkennen. Doch die Armee bleibt ihm treu. Jetzt greifen seine Widersacher zu anderen Mitteln.

Die oppositionelle Arbeiterpartei beschrieb das neue Kabinett als neues Gesicht für eine alte Regierung. „Es ist nicht klar, auf welcher Basis die Minister ausgewählt worden sind“, hieß es in einer Erklärung der Partei. Auch am Montag gab es wieder Demonstrationen im Stadtzentrum von Algier gegen das neue Kabinett und die Staatsführung. Unklar ist derzeit noch, wie die in der offiziellen Erklärung angesprochene Übergangsphase aussehen könnte.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Algeriens Präsident heimgekehrt - Streik gegen Bouteflika
Mehr als zwei Wochen laufen die Proteste gegen Algeriens Staatschef Bouteflika schon. Ein Ende des Widerstands gegen seine erneute Kandidatur ist nicht zu erkennen. Doch die Armee bleibt ihm treu. Jetzt greifen seine Widersacher zu anderen Mitteln.
Demonstranten, die gegen den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika demonstrieren, bedecken ihre Gesichter zum Schutz vor Tränengas.
Algeriens Präsident will nicht weichen
Abdelaziz Bouteflika tritt trotz massiver Proteste gegen ihn bei der Präsidentschaftswahl an. Zwar verspricht er Reformen und eine verkürzte Amtszeit – aber kann er seine Gegner damit besänftigen?
ARCHIV - 28.04.2014, Algerien, Algier: Abdelaziz Bouteflika, Präsident von ALgerien, nachdem er zum vierten Mal wiedergewählt wurde. Algeriens amtierender Präsident Abdelaziz Bouteflika ist seit 1999 im Amt. Im Gegensatz zu vielen seiner Amtskollegen in der Arabischen Welt hat er die Proteste des sogenannten «Arabischen Frühlings» überstanden und sich im Amt gehalten. (zu dpa "Abdelaziz Bouteflika: Das Gespenst Algeriens" vom 02.03.2019) Foto: Mohamed Messara/EPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++