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Alex Bodry zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: "Das ist Malus Erfolg"
Von Dreyer lernen: LSAP-Fraktionschef Alex Bodry zu Gast bei den Wahlsiegern der Schwesterpartei.

Alex Bodry zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: "Das ist Malus Erfolg"

Foto: Marcus Stölb
Von Dreyer lernen: LSAP-Fraktionschef Alex Bodry zu Gast bei den Wahlsiegern der Schwesterpartei.
International 3 Min. 14.03.2016

Alex Bodry zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: "Das ist Malus Erfolg"

Marc SCHLAMMES
Marc SCHLAMMES
Der Abstecher nach Trier hat sich gelohnt. Musste Alex Bodry zuletzt mit seiner LSAP eine Reihe von Wahlniederlagen wegstecken, durfte der LSAP-Fraktionschef am Sonntag mit der rheinland-pfälzischen SPD den Sieg von Malu Dreyer feiern.

Von Marcus Stölb (Trier)

"Wahnsinn“, sagt Alex Bodry und sendet via Twitter eine Kurznachricht in die Welt: "#CSV de marc Spautz haett sollen vun Tréier an der CDU eweg bleiwen. D'SPD och zu Tréier mat Abstand déi stärksten Partei. ;)", lässt er am Sonntagabend seiner Freude freien Lauf.

Mit deutschen Genossen feiert der LSAP-Fraktionspräsident in einer Trierer Gaststätte den Wahlsieg der SPD. Was denn seine Partei von den rheinland-pfälzischen Sozialdemokraten lernen könne? „Nichts“, kontert der Fraktionspräsident und schiebt lachend hinterher: „Das ist Malus Erfolg.“

Dreyers Triumph hat alle überrascht, zumal in dieser Höhe. Dass die SPD die CDU um mehr als vier Prozentpunkte hinter sich ließ, ist ja auch deshalb so bemerkenswert, weil die Union noch bis vor wenigen Wochen scheinbar uneinholbar vorne lag - bis es zu einem Endspurt kam, wie ihn Deutschland selten erlebt hat.

Parallelen zu 2005

Parallelen mit der Bundestagswahl 2005 drängen sich auf: Damals gelang SPD-Kanzler Gerhard Schröder beinahe die Sensation, indem er Angela Merkel fast um den sicher geglaubten Wahlsieg brachte. Der Unterschied: Anders als vor elf Jahren lag die SPD dieses Mal tatsächlich vorne. Das Ergebnis ist ein persönlicher Erfolg Dreyers, der es im Wahlkampf fulminant gelang, mit einer klaren Haltung und ihrer authentischen Art den Unterschied zur Herausforderin deutlich zu machen.

Zupass kam der 55-Jährigen dabei, dass sich während des gesamten Wahlkampfs keine Wechselstimmung einstellen wollte. Dabei hatte die seit 1991 in wechselnden Koalitionen und fünf Jahre allein regierende SPD der Opposition etliche Steilvorlagen geliefert: Millionengräber wie die Flughäfen Hahn und Zweibrücken, die Rennstrecke am Nürburgring oder das Verwirrspiel um Kostensteigerungen beim „Hochmoselübergang“, bei dem der Vorwurf im Raum steht, die Landesregierung habe Expertenwarnungen in den Wind geschlagen. An Angriffsflächen mangelte es also nicht, zumal viele der Probleme hausgemacht und auch das Ergebnis machtpolitischer Überheblichkeit sind.

Mag der Erfolg viele Väter haben – der Triumph der SPD in Rheinland-Pfalz hat allen voran zwei „Mütter“: Dreyer und Klöckner. Die CDU-Kandidatin verspielte ihren Vorsprung in den Umfragen, weil sie im Endspurt nicht nur die falschen Themen setzte, sondern diese Themen auch noch falsch besetzte. Ihr Versuch, sich mit einem „Plan A2“ von der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin abzusetzen, brachte nicht etwa Angela Merkel in die Bredouille, sondern Klöckner. Die in schlechtestem PR-Sprech gewählte Formulierung „Plan A2“ sorgte bis weit in die eigenen Reihen dafür, Zweifel an Klöckners inhaltlicher Substanz zu wecken.

Klöckner nicht authentisch

Hinzu kam ihr allzu durchsichtiger Versuch, schon mal die Rolle der künftigen Landesmutter zu mimen. Als Klöckner am Ende des TV-Duells mit Malu Dreyer erklärte, ein jeder benötige „eine Hand, die ihn hält“, dürften selbst etliche Konservative den Daumen gesenkt haben. Klöckner wirkte nicht mehr authentisch, was sich sogleich in ihren Beliebtheitswerten niederschlug.

Malu Dreyers Triumph katapultiert die Ministerpräsidentin nun in die erste Liga der deutschen Politik – was nicht heißt, dass die Triererin bundespolitische Ambitionen hegt oder gar aufs Berliner Parkett strebt. Für den Vizekanzler und SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel ist der Mainzer Wahlsieg ein Menetekel, zeigt er doch, dass seine Partei gewinnen kann – mit überzeugenden Persönlichkeiten an der Spitze, die Haltung und Substanz verkörpern.

Für die CDU, deren rheinland-pfälzischer Landesverband einst Politiker wie Helmut Kohl, Heiner Geißler, Bernhard Vogel und Richard von Weizsäcker hervorbrachte, ist der 13. März ein verheerendes Datum. Dreyers Sieg entzaubert Klöckner und macht aus der von manchen bereits zur potenziellen Merkel-Nachfolgerin erklärten Nachwuchshoffnung der CDU eine Landespolitikerin mit ungewisser Perspektive.

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