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Albert II. dankt ab: Reaktionen aus Luxemburg und Belgien
International 3 Min. 04.07.2013 Aus unserem online-Archiv

Albert II. dankt ab: Reaktionen aus Luxemburg und Belgien

Prinz Philippe wurde in der Vergangenheit oft kritisiert und muss jetzt beweisen, dass er das Zeug zum König hat.

Albert II. dankt ab: Reaktionen aus Luxemburg und Belgien

Prinz Philippe wurde in der Vergangenheit oft kritisiert und muss jetzt beweisen, dass er das Zeug zum König hat.
Foto: AP
International 3 Min. 04.07.2013 Aus unserem online-Archiv

Albert II. dankt ab: Reaktionen aus Luxemburg und Belgien

Am 21. Juli wird König Albert II. sein Amt an seinen Sohn Prinz Philippe übergeben. Hier die Reaktionen von Jean-Claude Juncker und verschiedener belgischer Zeitungen.

(mk/dpa) - Belgien bereitet sich auf den Thronwechsel vor. Am 21. Juli, dem belgischen Nationalfeiertag, wird König Albert II. sein Amt an seinen Sohn Prinz Philippe (53) übergeben. Überraschend hatte der 79-jährige Monarch am Mittwochabend in einer Fernsehansprache angekündigt, den Thron aus gesundheitlichen Gründen und wegen seines Alters aufzugeben.

Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker adressierte am Donnerstagmorgen ein Schreiben an den scheidenden König in dem er diesem unter anderem für sein europäisches Engagement dankt. Die Herrschaft von Albert II. sei ein Moment des Glücks für Belgien und darüber hinaus für die Beziehungen beider Länder gewesen.

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Belgiens Premierminister Elio Di Rupo sagte nach der Ankündigung, die Regierung werde sich ab Donnerstag an die Planung für den Thronwechsel machen. Der aus Belgien stammende EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Anerkennung und Respekt für das, was der König für unser Land geleistet hat.

"Eine starke, mutige und herzliche Herrschaft"

In ihren Reaktionen hatten die französischsprachigen Zeitungen Belgiens viel Lob für die Regierungszeit von Albert II. übrig. So findet die „Libre Belgique“, der belgische König habe „über die Krisenmomente hinaus, in denen er seine Rolle perfekt gespielt habe, eine starke, mutige und herzliche Herrschaft geführt“. Im Hinblick auf den oft kritisierten Nachfolger Prinz Philippe meinte der Leitartikler Vincent Slits, der König habe eine klare Botschaft abgegeben als er sagte: „Mein Nachfolger ist bereit, jetzt kommt die Stunde von Philippe.“

Indem er sich in seiner Rede mit einem „Ihr“ an die Menschen gewandt habe, scheine Albert II. nicht nur die Fackel an seinen einzigen Nachfolger weiterzureichen, sieht es „L'Avenir“. Der König habe diese auch an seine Mitbürger übergeben, die einzigen Inhaber der Souveränität. Das „Ihr“ würde auch um Nachsicht für einem Prinzen fragen, der nunmehr Köng wird und einige Vorurteile und Ängste ihm gegenüber eliminieren müsse.

Mehr Mensch als Herrscher

„La Dernière Heure“ wendet sich mit einem „Danke Sire“ an den König. Albert II. sei kein König wie alle anderen, sondern mehr Mensch als Herrscher gewesen. Prinz Philippe müsse achtsam sein, denn hinter dem Berg würden sich Wölfe verstecken.

„Le Soir“ spricht von einem „historsichen“ Moment und einer „Entscheidung von großer Modernität“. Albert II. habe seinem Sohn eine klare Botschaft mit auf den Weg gegeben: Die Monarchie sei nicht da, um fortzubestehen, sondern um sich im Dienst ihres Landes zu modernisieren“. Albert II. habe die Nationalisten, Republikaner und Monarchisten noch einmal daran erinnert, dass die Verantwortung bezüglich der Monarchie und Belgiens alleine in den Händen der belgischen Bevölkerung liege. Er habe den Ball des schwarz-gelb-roten Matches wieder dorthin gelegt, wo er gespielt wird – nicht in das Feld von Philippe I., sondern das der Belgier.

Reine Protokollfunktion

Auch in der flämischsprachigen Presse wird Albert II. als moderner, gewissenhafter und heiterer König beschrieben, der sich nur selten in die Politik eingemischt oder sich neutral verhalten habe. In „Het Laatste Nieuws“ heißt es: „Jeder Herrscher muss seinen Weg gehen, auch Pilippe. Die Funktion erschafft den König.“ Kenner sehen die Machtübergabe als Gelegenheit, die Rolle des Königs auf eine reine Protokollfunktion zu reduzieren. Dies sei „die einzige Art der vererbbaren Monarchie, die in einer modernen Gesellschaft und einem komplizierten Land wie Belgien intellektuell fortbesteht“, sieht es „De Standaard“.

Zum Thronwechsel in Belgien meint die niederländische Zeitung „De Telegraaf“ am Donnerstag: „König Albert, der scherzhaft „der letzte echte Belgier“ genannt wurde, hat es verstanden, sein Land zusammenzuhalten und wurde schließlich auf beiden Seiten des Sprachengrabens geschätzt. ... Jetzt, da Belgien ähnlich wie die Niederlande gegen die Wirtschaftskrise kämpft, scheint der Streit zwischen Wallonen und Flamen in den Hintergrund zu rücken. Aber der Schein trügt, wie sich im kommenden Jahr bei den Wahlen zeigen wird. Philippe wird König eines gespaltenen Landes.“


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