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Aktivisten am Abriss umstrittener Säule vor Reichstag gehindert
International 2 Min. 05.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Aktivisten am Abriss umstrittener Säule vor Reichstag gehindert

Der Autor Eliyah Havemann befestigt eine zuvor abmontierte Stahlplatte wieder auf der umstrittenen Stahlsäule des Künstlerkollektivs «Zentrum für politische Schönheit» (ZPS) gegenüber dem Reichstagsgebäude. Mehrere Aktivisten haben versucht, die umstrittene Stahlsäule abzubauen.

Aktivisten am Abriss umstrittener Säule vor Reichstag gehindert

Der Autor Eliyah Havemann befestigt eine zuvor abmontierte Stahlplatte wieder auf der umstrittenen Stahlsäule des Künstlerkollektivs «Zentrum für politische Schönheit» (ZPS) gegenüber dem Reichstagsgebäude. Mehrere Aktivisten haben versucht, die umstrittene Stahlsäule abzubauen.
Foto. dpa
International 2 Min. 05.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Aktivisten am Abriss umstrittener Säule vor Reichstag gehindert

Mit einem überraschenden Einsatz wollen Aktivisten die umstrittene Stahlsäule des Künstlerkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“ abreißen. Die Polizei stoppt die Demontage.

Berlin (dpa) - Aktivisten haben mit einer überraschenden Aktion in Berlin versucht, die umstrittene Stahlsäule des Künstlerkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) abzubauen. Eine Gruppe von etwa 20 Menschen, darunter auch jüdische Aktivisten, begann am Sonntagmittag, die gegenüber dem Reichstagsgebäude aufgestellte Säule zu demontieren. Die Polizei brach die Aktion ab.

Das für umstrittene Aktionen bekannte ZPS-Kollektiv hatte die Säule Anfang Dezember auf dem Gelände der früheren Krolloper gegenüber dem Reichstagsgebäude aufgestellt. Die Aktion war von Beginn an heftig umstritten, weil das Kollektiv behauptet hatte, die Stahlsäule enthalte Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis. Die Verwendung von Asche jüdischer Opfer wäre ein Verstoß gegen das jüdische Religionsgesetz der Totenruhe.

Eine Säule, die Asche von Holocaust-Opfern enthalten soll, steht vor dem Reichstag. Das Objekt war Teil eines Kunstwerkes der Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit.
Eine Säule, die Asche von Holocaust-Opfern enthalten soll, steht vor dem Reichstag. Das Objekt war Teil eines Kunstwerkes der Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit.
Foto: dpa

Die Asche hatte das ZPS nach den Protesten nach eigenen Angaben entfernt und an die Orthodoxe Rabbinerkonferenz übergeben, die sie demnach auf einem jüdischen Friedhof beisetzte.

Die Aktivisten, die sich als Aktionskünstler Komitee bezeichneten, wollten die Säule nach eigenen Angaben abbauen, „um sie anschließend an einen geheimen Ort zu bringen“. Zu der Gruppe gehörte auch der Autor Eliyah Havemann. „Mit Asche von Opfern des Holocaust sollte man keine Kunst und Politik machen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur zur Begründung. Zudem sei er persönlich betroffen. Es bestehe die theoretische Möglichkeit, dass Asche seines Großvaters darunter sei. Dagobert Biermann, Vater des Sängers Wolf Biermann und Großvater Havemanns, war im Konzentrationslager Auschwitz von den Nazis ermordet worden.

Die Aktivisten hatten eine Israel-Fahne dabei und dokumentierten den Abbau auf Twitter. „Wer Leid konsumierbar macht, ist Teil des Problems“, stand auf einem Banner mit Antifa-Logo. Nach dem gescheiterten Abrissversuch bleibt die Säule nun vorerst am ursprünglichen Ort stehen.

Das ZPS war nach eigenen Angaben nicht informiert und will gegen die Aktion vorgehen. „Wir werden das auf deren Kosten wieder instand setzen“, hieß es vom ZPS. Wegen Sachbeschädigung sei Anzeige erstattet worden, sagte ein Polizeisprecher. Zudem sei eine Demontage der Säule unterbunden worden. Zu beobachten war, dass der zuvor entfernte obere Teil der Stele wieder aufgebaut wurde. Teile eines Bauzauns, der um die Säule herum aufgestellt worden war, wurden wieder aufgestellt.


04.12.2019, Berlin: Das gläserne Kernstück der Säule, die vom Künstlerkollektiv «Zentrum für politische Schönheit» (ZPS) im Regierungsviertel aufgestellt wurde, ist mit schwarzem Klebeband blickdicht abgeklebt. Das für seine umstrittenen Aktionen bekannte Künstlerkollektiv «Zentrum für politische Schönheit» (ZPS) hat sich für sein jüngstes Projekt entschuldigt. Es hatte in Sichtweite des Reichstagsgebäudes am 02.12.2019 eine sogenannte Gedenkstätte errichtet - ein Teil davon ist eine Stahlsäule, die nach Angaben der Gruppe Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthält. Foto: Paul Zinken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Asche von Holocaust-Opfern vor dem Reichstag: Aktivisten entschuldigen sich
Nachdem das Künstlerkollektiv "Zentrum für Politische Schönheit" für die Aktion stark kritisiert wurde, ruderten die Aktivisten am Mittwochabend zurück und entschuldigten sich in einer Stellungnahme.

Die Stadtbezirksverwaltung hatte den Verantwortlichen nach eigener Angabe eine Frist zur Beseitigung der inzwischen einbetonierten Säule bis 20. Dezember gesetzt. Dagegen hat das ZPS Widerspruch eingelegt.