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Afrikanische Union kritisiert Salvini

Afrikanische Union kritisiert Salvini

Barbara Gindl/APA/dpa
International 19.09.2018

Afrikanische Union kritisiert Salvini

"Merde alors" und kein Ende: Jetzt hat sich die Afrikanische Union in den Disput zwischen Matteo Salvini und Jean Asselborn eingeschaltet. Salvini hatte afrikanische Migranten als Sklaven bezeichnet.

(dpa) - Die Afrikanische Union (AU) hat Italiens Innenminister Matteo Salvini scharf kritisiert, weil er afrikanische Migranten mit „Sklaven“ gleichgesetzt hatte. „Es ist die Sicht der Afrikanischen Union, dass Beschimpfungen nicht die Herausforderungen lösen werden, mit denen Afrika und Europa konfrontiert sind“, teilte das Bündnis afrikanischer Staaten mit. Die AU rief den Rechtspolitiker am Dienstagabend auf, seine „abfällige Bemerkung“ zurückzuziehen. Salvini wies die Forderung zurück.


12.07.2018, Österreich, Innsbruck: Matteo Salvini, Innenminister von Italien, und Jean Asselborn, Innenminister von Luxemburg, nehmen an einer Pressekonferenz beim Treffen der Justiz- und Innenminister der EU teil. Der deutsche Innenminister Seehofer diskutiert erstmals im Kreise seiner EU-Kollegen über die europäische Asylpolitik. Am Rande des Treffens der EU-Innenminister in Innsbruck wird der CSU-Chef mit Ländern wie Griechenland außerdem die Möglichkeiten zur Rücknahme von Flüchtlingen ausloten. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
"Merde alors!" - Asselborn attackiert Salvini mit deutlichen Worten
So deutlich wird selbst Jean Asselborn selten: Bei einem EU-Treffen zur Flüchtlingspolitik griff der Luxemburger Außenminister seinen italienischen Kollegen Matteo Salvini an. Der hatte zuvor allerdings unter die Gürtellinie gezielt.

Während einer EU-Konferenz zur Migration in Wien hatte Salvini am Freitag den luxemburgischen Innenminister Jean Asselborn für den Vorschlag kritisiert, wegen der alternden Bevölkerung brauche Europa Migranten. Darauf sagte Salvini: „Vielleicht ist dies in Luxemburg nötig; in Italien haben wir das Bedürfnis, unseren Kindern zu helfen, weitere Kinder zu haben, nicht neue Sklaven zu haben, um die Kinder zu ersetzen, die nicht mehr geboren werden.“ Asselborn unterbrach den für seine scharfe Rhetorik gegen Migranten bekannten Salvini wütend und sagte am Ende: „Merde alors!“

"Italien hat von seiner Diaspora profitiert"

Die AU deutete an, dass Italien einen derartigen Standpunkt nicht vertreten könne und verwies dabei auf die Auswanderung etlicher Italiener im späten 19. und im 20. Jahrhundert. Es sei bewiesen, „dass Italien sehr von seiner Diaspora profitiert hat“. Die AU rief Europa auf, sich nicht nur auf die Migrationskrise zu fokussieren, sondern diese als Chance zu sehen, mit Afrika über eine breite Entwicklungskooperation zu sprechen. „Die Geschichte, Geopolitik und Zukunft Afrikas und Europas sind so verflochten, dass die zwei Kontinente sich nicht gegenseitig wegwünschen können“, hieß es.


12.07.2018, Österreich, Innsbruck: Matteo Salvini, Innenminister von Italien, und Jean Asselborn, Innenminister von Luxemburg, nehmen an einer Pressekonferenz beim Treffen der Justiz- und Innenminister der EU teil. Der deutsche Innenminister Seehofer diskutiert erstmals im Kreise seiner EU-Kollegen über die europäische Asylpolitik. Am Rande des Treffens der EU-Innenminister in Innsbruck wird der CSU-Chef mit Ländern wie Griechenland außerdem die Möglichkeiten zur Rücknahme von Flüchtlingen ausloten. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Merde alors – schon wieder Asselborn!
Jean Asselborns Ausbruch in Wien ist berechtigt. Denn die Grenzen des in der Politik Sagbaren haben sich bereits längst verschoben.

Salvini sagte, er habe sich für nichts zu entschuldigen. „Und ich dementiere jedwede Gleichsetzung von Migranten mit Sklaven, im Gegenteil, meine Erklärungen in Wien waren zur Verteidigung der Migranten, die manch einer als Sklaven benutzen will“, sagte der Minister am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Rom.


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