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Äthiopiens Regierung: Militär hat Hauptstadt Tigrays eingenommen
International 28.11.2020

Äthiopiens Regierung: Militär hat Hauptstadt Tigrays eingenommen

Rund 120 Teilnehmer demonstrieren am Samstag in Hamburg gegen den sich entwickelnden Bürgerkrieg in Äthiopien.

Äthiopiens Regierung: Militär hat Hauptstadt Tigrays eingenommen

Rund 120 Teilnehmer demonstrieren am Samstag in Hamburg gegen den sich entwickelnden Bürgerkrieg in Äthiopien.
Foto: Dpa
International 28.11.2020

Äthiopiens Regierung: Militär hat Hauptstadt Tigrays eingenommen

Die Volksbefreiungsfront TPLF dominierte Äthiopien mehr als 25 Jahre lang. Nun drängt Regierungschef Abiy Ahmed sie hinaus.

(dpa) - Im Äthiopienkonflikt haben die Streitkräfte des Landes laut Regierungschef Abiy Ahmed die Hauptstadt der Region Tigray eingenommen. Die Zentralregierung habe nun volle Kontrolle über Mekelle, teilte Abiy am Samstag mit. Der Flughafen und andere wichtige Standorte seien eingenommen worden. Zudem wurden nach seinen Worten Tausende Soldaten befreit, die die Volksbefreiungsfront TPLF gefangen genommen hatte.

Die TPLF ist bisher in der nördlichen Provinz an der Macht gewesen. Äthiopiens Regierung hatte vor mehr als drei Wochen eine militärische Offensive gegen sie begonnen, um sie zu stürzen. Abiy sagte, nun sei die letzte Phase der Offensive beendet. Zuvor hatte der mit der Regionalregierung verbundene Fernsehsender Tigray TV berichtet, dass Mekelle mit schwerer Artillerie bombardiert worden sei.

Abiy Ahmed ist Ministerpräsident von Äthiopien.
Abiy Ahmed ist Ministerpräsident von Äthiopien.
Foto: Dpa

Die für den Tigray-Konflikt von der Zentralregierung gegründete Taskforce hatte erklärt, die äthiopischen Streitkräfte zielten nur auf militärische Ziele und Waffendepots der TPLF. Zivileinrichtungen wie Schulen oder Wohngebiete würden nicht angegriffen.

Mehr als 43.000 Menschen geflohen

Über die Lage vor Ort ist wenig bekannt, da Internet, Telefonverbindungen und Strom weitgehend gekappt sind. Bislang sind laut UNHCR mehr als 43.000 Menschen in das Nachbarland Sudan geflohen und Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe in Tigray. Etliche Stimmen der internationalen Gemeinschaft haben zu einer Waffenruhe aufgerufen, darunter auch jüngst das EU-Parlament.


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Hintergrund des Konflikts sind immer größere Spannungen zwischen Tigray und der Zentralregierung. Die TPLF dominierte Äthiopien mehr als 25 Jahre lang, bis Abiy 2018 an die Macht kam und die TPLF hinausdrängte. Viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und fordern mehr Autonomie. Im Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern gibt es etliche ethnische Spannungen, die unter Abiy gestiegen sind.


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