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Ärztin: Kremlkritiker Nawalny könnte vergiftet worden sein
International 2 Min. 29.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Ärztin: Kremlkritiker Nawalny könnte vergiftet worden sein

Alexej Nawalny bei einem Gerichtstermin im vergangenen Juni in Moskau.

Ärztin: Kremlkritiker Nawalny könnte vergiftet worden sein

Alexej Nawalny bei einem Gerichtstermin im vergangenen Juni in Moskau.
Foto: AFP/Vasily Maximov
International 2 Min. 29.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Ärztin: Kremlkritiker Nawalny könnte vergiftet worden sein

Er gehört zu den schärfsten Kritikern des Kremls – Alexej Nawalny kam im Zuge neuer Proteste in Haft. Dann musste er ins Krankenhaus. Es gibt eine Diagnose, doch Nawalnys Ärztin hat Zweifel daran.

(dpa) - Kremlkritiker Alexej Nawalny ist nach einem angeblichen Allergieschock aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er werde wieder ins Gefängnis gebracht, sagte Nawalnys persönliche Ärztin Anastassija Wassiljewa am Montag in Moskau vor Reportern. Sie hatte zuvor eine Vergiftung als Ursache für die Erkrankung nicht ausgeschlossen. Auch in einem Video war zu sehen, wie Nawalny die Klinik in Richtung Ausgang verlässt. Der Oppositionelle hatte zu Protesten aufgerufen, weshalb ihn ein Gericht am vergangenen Mittwoch zu 30 Tagen Haft verurteilt hatte.

Die Sicherheitskräfte in Moskau gehen seit Tagen verstärkt gegen Oppositionelle vor. Hintergrund sind anhaltende Proteste gegen Entscheidungen der Behörden, Oppositionelle und unabhängige Kandidaten nicht zu den Regionalwahlen in sechs Wochen zuzulassen. Bei einer nicht genehmigten Kundgebung am Samstag rund um das Rathaus der Hauptstadt waren fast 1400 Menschen festgenommen worden.

Am Montag fielen die ersten Urteile. Gerichte hätten in mehreren Fällen mehrtägige Haftstrafen oder Geldbußen von umgerechnet bis zu 140 Euro verhängt, wie mehrere russische Medien unter Berufung auf Anwälte berichteten. Offiziell wurde das zunächst nicht bestätigt.

Alexej hat keine Allergien.

Der prominente Kremlkritiker Ilja Jaschin twitterte ein Foto von sich vor Beginn seiner Verhandlung. Er wurde wenig später nach eigenen Angaben zu zehn Tagen Haft verurteilt. Die Polizei hatte den Oppositionellen am Samstag festgenommen.

Die Nachricht von der Erkrankung Nawalnys folgte einen Tag nach dem Protest mit den Massenfestnahmen. Seine Sprecherin gab als Grund eine akute allergische Reaktion an. Die Hintergründe dafür waren zunächst unklar. Eine Schwellung im Gesicht und andere Symptome könnten auf giftige Chemikalien zurückzuführen sein, schrieb Wassiljewa bei Facebook. „Alexej hat keine Allergien.“

Nawalnys Anwältin Olga Michailowa schrieb auf dem sozialen Netzwerk, es sei komisch, dass ein Mensch in 43 Lebensjahren noch keine allergischen Reaktionen gezeigt habe und sie dann plötzlich bekomme. Fünf Mitgefangene in der Zelle hätten die gleichen Lebensmittel wie Nawalny zu sich genommen. Ihnen gehe es jedoch gut.

Langes Register an Giftanschlägen

Sie forderte, die Hintergründe des Vorfalls müssten aufgeklärt werden. „Es gibt keine toxikologischen Testergebnisse“, sagte die Medizinerin. Sie hatte zudem davor gewarnt, den Kremlkritiker frühzeitig wieder in die Haftanstalt zu bringen.


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In Russland waren mutmaßliche Vergiftungen im politischen Milieu in der Vergangenheit immer wieder ein Thema. Zuletzt verdächtigte der Aktivist Pjotr Wersilow, Mitglied der russischen Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot, den russischen Geheimdienst, ihn 2018 in Moskau vergiftet zu haben. Pussy Riot ist mit spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption weltweit bekannt geworden.

International für Schlagzeilen sorgte der Giftangriff auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia im März 2018 im englischen Salisbury. Sie sollen mit dem Nervengift Nowitschok attackiert worden sein. Beide überlebten. Großbritannien macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Moskau hat eine Verantwortung stets zurückgewiesen. Auch der frühere ukrainische Präsident und Putin-Kritiker Viktor Juschtschenko wurde während des Präsidentschaftswahlkampfs 2004 mit Dioxin vergiftet und dadurch lebensgefährlich verletzt. Bis heute ist Juschtschenkos Gesicht gezeichnet von dem Giftanschlag. Der Urheber des Attentats ist unbekannt.



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