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Acht Jahre nach Fukushima, was nun?
Arbeiter versuchen, die Unglücksreaktoren abzusichern - oftmals unter Lebensgefahr.

Acht Jahre nach Fukushima, was nun?

AFP
Arbeiter versuchen, die Unglücksreaktoren abzusichern - oftmals unter Lebensgefahr.
International 3 3 Min. 11.03.2019

Acht Jahre nach Fukushima, was nun?

Am 11. März 2011 verursachten ein Erdbeben und ein Tsunami einen Super-Gau im Atomkraftwerk Fukushima. Heute versucht der Staat, den Wiederaufbau zu betonen.

(dpa) - Wer von Fukushima hört, dieser einst idyllischen Kornkammer Japans, denkt heute meist nur an eines: Radioaktivität. Acht Jahre sind vergangen, seit am 11. März 2011 ein schweres Erdbeben und ein gewaltiger Tsunami den Nordosten des Inselreiches heimsuchten. Mehr als 20 000 Menschen starben in Folge dieser beispiellosen Katastrophe. Zum Sinnbild von „3/11“ aber wurde in aller Welt der Super-Gau im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, auch wenn dadurch niemand direkt ums Leben kam. Acht Jahre danach versucht der Staat alles, um den Eindruck von Normalität zu vermitteln.

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ARCHIV - 11.03.2011, Japan, Fukushima: HANDOUT - Die Luftaufnahme des Betreibers Tepco zeigt das japanische Atomkraftwerk in Fukushima am 11.03.2011. (zu dpa "Japans Atomaufsicht gibt grünes Licht für jahrzehntealten Reaktor" vom 26.09.2018) Foto: The Tokyo Electric Power Company/EPA/TEPCO/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Japan fährt jahrzehntealten Reaktor wieder hoch
Siebeneinhalb Jahre nach dem GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi hat Japans Atomaufsicht das Wiederanfahren eines fast 40 Jahre alten Reaktors nahe Tokio erlaubt.

Der Wiederaufbau komme voran, die Lage in der Atomruine sei unter Kontrolle, Lebensmittel aus Fukushima sicher. Man erlaubt Bewohnern einstiger Sperrzonen die Rückkehr in ihre Häuser, lockt ausländische Touristen an und wirbt kräftig für die Olympischen Spiele 2020, die die Erholung der Region zur Schau stellen sollen. „Reconstruction Olympics“ lautet der vollmundige Slogan. Sicher, das Leben geht auch für die Menschen in der Unglücksregion weiter. Und doch ist nichts mehr so, wie es einmal war. Bei allen Fortschritten, allen Bemühungen, aller Hoffnung, sind viele doch weiter mit Sorge und Zweifel erfüllt.

"Absichtliche Falschinformation"

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In ihren Berichten an die Vereinten Nationen stelle die japanische Regierung das Ausmaß, die Komplexität und die Strahlungsrisiken in Gebieten von Fukushima sowie die Arbeitsbedingungen für Arbeiter „absichtlich falsch dar“, beklagt Kazue Suzuki von Greenpeace Japan. Zudem missachte der Staat die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern. „Die Regierung sollte sich schämen“, meint Suzuki und fordert die Regierung in Tokio auf, ihre Politik radikal zu ändern.

Nach einer neuen Untersuchung der Umweltschutzorganisation stellen Strahlenwerte sowohl in der Sperrzone um die Atomruine als auch in Gebieten der Gemeinden Namie und Iitate, wo die Evakuierungsbefehle aufgehoben wurden, ein „signifikantes Risiko für die Öffentlichkeit, einschließlich Kindern dar“. Das Strahlenniveau liege um das Fünf- bis mehr als 100-fache über dem international empfohlenen Maximum. 

Ein verheerender Tsunami hatte die Katastrophe ausgelöst. Sehen Sie hier einige Bilder der Naturkatastrophe:

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160.000 Menschen evakuiert

Nur 23 Prozent der Bewohner von neun Gemeinden der Provinz Fukushima, die einst nach der Katastrophe zur Gefahrenzone erklärt worden waren, sind bislang dem Aufruf des Staats zur Rückkehr gefolgt. Rund 160 000 Menschen wurden damals in Sicherheit gebracht.


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Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima. Zahlen und Fakten zur Dreifachkatastrophe.

Acht Jahre danach leben mehr als 32 000 von ihnen in anderen Provinzen Japans. Hinzu kommen die sogenannten Jishu Hinansha, jene Japaner, die außerhalb der Evakuierungszone lebten, aber trotzdem aus Sorge um Strahlung flohen. Viele dieser Geflüchteten sind Mütter mit Kindern.

Wer von ihnen bislang in Wohnungen für öffentliche Angestellte unterkam, muss bis Ende dieses Monats dort ausziehen. Andere erhielten Wohngeld, auch das soll bald wegfallen. Hinzu kommt, dass sie häufig Opfer von Mobbing sind. Sie seien hysterisch, lebten auf Kosten der Steuerzahler. Dabei haben Mütter mit kleinen Kindern nach Meinung kritischer Fachleute durchaus weiterhin Grund zur Sorge.

Deutlich erhöhtes Krebsrisiko

Nach einem Bericht der Ärzteorganisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) anlässlich des achten Jahrestages der Atomkatastrophe haben Japaner, die in der Präfektur Fukushima Kinder waren, als sich der Super-Gau ereignete, ein mindestens 15-fach höheres Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Laut der Datenbank des japanischen Krebsregisters beträgt die Neuerkrankungsrate von kindlichem Schilddrüsenkrebs in Japan vor der Atomkatastrophe rund 0,35 pro 100 000 Kinder pro Jahr. Bei einer Bevölkerung von rund 360 000 Kindern wäre in Fukushima somit etwa eine einzige Neuerkrankung pro Jahr zu erwarten gewesen, also etwa acht Neuerkrankungen seit Beginn der Atomkatastrophe. Tatsächlich seien seitdem bei 205 Kindern in der Feinnadelbiopsie Krebszellen gefunden worden. 167 dieser Kinder mussten demnach aufgrund eines rasanten Tumorwachstums, einer ausgeprägten Metastasierung oder einer Gefährdung lebenswichtiger Organe mittlerweile operiert werden.

Verletzung von Menschenrechten


Erstmals seit der Katastrophe in Fukushima vor gut 15 Monaten produziert Japan wieder Atomstrom.
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Die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima war ein schwerwiegendes, von Menschenhand verursachtes Desaster . Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsausschuss des japanischen Parlaments.

„Die Bewohner von Fukushima und die Menschen in Japan haben ein unveräußerliches Recht auf Gesundheit und auf ein Leben in einer gesunden Umwelt. Die korrekte Fortführung und wissenschaftliche Begleitung der Schilddrüsenuntersuchungen liegen im öffentlichen Interesse und dürfen nicht durch politische oder wirtschaftliche Beweggründe konterkariert werden“, erklärt Rosen. Greenpeace wirft dem Staat eine Verletzung internationaler Menschenrechtskonventionen insbesondere in Bezug auf Dekontaminierungsarbeiter und Kinder vor.

Die Mehrheit der Japaner fordere einen Übergang zu erneuerbaren Energien. Doch stattdessen wolle der Staat die nach Fukushima abgeschalteten Atomreaktoren wieder anfahren und zugleich die Zahl der Kohlekraftwerke im Land dramatisch erhöhen, beklagt Greenpeace.


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