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Abzug der Rebellen scheitert: Wie geht es weiter in Syrien?
International 2 Min. 14.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Die Schlacht um Aleppo

Abzug der Rebellen scheitert: Wie geht es weiter in Syrien?

Die Busse blieben leer: Statt Zivilisten aus dem zerstörten Aleppo abzutransportieren, fuhren die Busse wieder ab.
Die Schlacht um Aleppo

Abzug der Rebellen scheitert: Wie geht es weiter in Syrien?

Die Busse blieben leer: Statt Zivilisten aus dem zerstörten Aleppo abzutransportieren, fuhren die Busse wieder ab.
AFP
International 2 Min. 14.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Die Schlacht um Aleppo

Abzug der Rebellen scheitert: Wie geht es weiter in Syrien?

Mit dem Rücken zur Wand gehen die Rebellen in Aleppo einen Deal mit dem syrischen Präsidenten ein. Doch die Abmachung scheitert und das Grauen geht weiter.

(dpa) - Am Mittwochmorgen sollten die Rebellen zusammen mit Zivilisten die letzten verbliebenen Rebellengebiete in Aleppo verlassen. Doch das syrische Regime beorderte die bereitgestellten Busse zurück - ohne irgendjemanden an Bord. Stattdessen kehrten die Kampfjets und das Artilleriefeuer zurück.

Woran scheiterte der Abzug der Rebellen aus Ost-Aleppo?

  • Die verschiedenen Seiten geben sich gegenseitig die Schuld an dem Scheitern der Abmachung.
  • Aus syrischen Regierungskreisen hieß es, dass die „Verzögerungen“ auf Unstimmigkeiten zwischen den Anführern der Rebellen zurückgingen.
  • Aus Russland hieß es, die Rebellen hätten versucht, die syrische Belagerung gewaltsam zu durchbrechen.
  • Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab an, Moskau sei mit der Einigung vorgeprescht - ohne Absprache mit Damaskus.
  • Die Opposition wirft den Regierungstruppen und ihren Verbündeten vor, die Rebellengebiete am Mittwochmorgen massiv bombardiert zu haben.

Klar wird, dass die Abmachung möglicherweise nicht mit all den verschiedenen Akteuren in all ihren Details abgesprochen war.

Ein syrischer Junge überlebte das Inferno von Aleppo.
Ein syrischer Junge überlebte das Inferno von Aleppo.
AFP

Wer sind die Rebellen, die abziehen sollen? 

Als erstes berichtete die in Ost-Aleppo mächtige Gruppe Nur al-Din al-Sinki davon, dass es eine Einigung mit der syrischen Führung gebe. Die Gruppe hatte sich lange gegen eine Aufgabe gewehrt, angesichts der dramatischen Lage für die Zivilbevölkerung erklärte sie sich jedoch zum Abzug bereit.

Unklar war zunächst, ob auch die Al-Kaida-nahe frühere Nusra-Front (heute: Fatah-al-Scham) Teil der Abmachung war und wie viele ihrer Kämpfer sich noch in den Rebellengebieten aufhalten.

Wieso ist Aleppo so wichtig für alle Seiten? 

Aleppo hat sich zu einem Symbol in dem mehr als fünf Jahre andauernden Krieg entwickelt.

Fast seit Beginn der Kämpfe war die Stadt geteilt: Das Regime kontrollierte die westlichen Stadtviertel, Rebellen den Osten. Aleppo ist die größte Stadt im Norden Syriens und war vor dem Krieg eine bedeutende Handelsmetropole.

Zudem kommt ihr auch eine wichtige strategische Bedeutung zu.

Welche strategische Bedeutung hat Aleppo?

Mit dem endgültigen Sieg über die Rebellen in Ost-Aleppo würde der Spielraum der syrischen Armee und ihrer Verbündeten enorm wachsen. Ein entscheidendes Schlachtfeld fiele weg, die Armee könnte sich dann auf die anderen Fronten im Land konzentrieren.

Der Kampf um Aleppo bindet viele Kräfte. Zudem würde das Regime nach dem Abzug der Rebellen wieder eine wichtige Achse von Nordsyrien Richtung Süden bis in die Hauptstadt Damaskus kontrollieren: Es sind die Gebiete Syriens, in denen die meisten Menschen leben.

Könnte der Fall Aleppos ein baldiges Ende des Bürgerkrieges bedeuten?

Zögen die Rebellen tatsächlich ab oder würden sie militärisch besiegt, wäre das sicherlich ein Wendepunkt in dem Krieg - dessen Ende bedeutet das aber noch lange nicht.

Die Terrormiliz IS kontrolliert weiter größere Gebiete in Zentral- und Ostsyrien. Verschiedene Rebellengruppen halten Gebiete in ländlicheren Regionen. Unter diesen Gruppen - von moderaten bis zu islamistischen Gruppierungen - könnten sich neue Bündnisse ergeben.

Zudem könnten einzelne Gruppen dazu übergehen, gezielt Anschläge zu verüben. Zu viele unterschiedliche Interessen und Gruppen spielen in Syrien mittlerweile eine Rolle. Das Ende einer Schlacht würde deshalb nicht das Ende des Krieges bedeuten.

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Zehntausende halten sich noch in den verbliebenen Rebellen-Vierteln Aleppos auf. Nun kündigen die Rebellen eine Feuerpause an. Der Abzug von Zivilisten und Verletzten soll am Donnerstag beginnen.
A wounded Syrian woman from the al-Sukari neighbourhood is helped onto the back of a truck as she flees during the ongoing government forces military operation to retake remaining rebel-held areas in the northern embattled city of Aleppo on December 14, 2016. 
Shelling and air strikes sent terrified residents running through the streets of Aleppo as a deal to evacuate rebel districts of the city was in danger of falling apart.

 / AFP PHOTO / George OURFALIAN
Nach der Eskalation in Syrien
Bis zum Schluss harrten zehntausende Zivilisten in den Rebellengebieten von Aleppo aus. Mehrere Monate waren die Viertel im Osten der Stadt von der Außenwelt abgeschnitten. Jetzt hat das syrische Regime wieder das Sagen.
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 / AFP PHOTO / AHMAD AL-RUBAYE
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Die Gefechte seien beendet, so der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin.
Die Niederlage der Rebellen in Ost-Aleppo scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die Zivilisten in der Stadt flehen um Hilfe. Ein Ende des Bürgerkrieges wäre aber auch mit dem Fall Aleppos noch lange nicht in Sicht.
Free Syrian Army fighters fire an anti-aircraft weapon in a rebel-held area of Aleppo, Syria December 12, 2016. REUTERS/Abdalrhman Ismail
Laut syrischen Staatsmedien
Die Lage der Zivilisten in der eingekesselten Stadt Aleppo ist verzweifelt. Helfen Fluchtkorridore den Menschen, oder sind sie ein syrisch-russischer Propagandatrick? Die Berichte sind zumindest widersprüchlich.
Nach Schätzungen der UN sind zwischen 250.000 und 300.000 Menschen in Aleppo eingeschlossen.