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Abdeslam soll in Frankreich vor Gericht kommen
International 2 Min. 19.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Mutmaßlicher Drahtzieher der Pariser Attentate

Abdeslam soll in Frankreich vor Gericht kommen

Mutmaßlicher Drahtzieher der Pariser Attentate

Abdeslam soll in Frankreich vor Gericht kommen

AFP
International 2 Min. 19.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Mutmaßlicher Drahtzieher der Pariser Attentate

Abdeslam soll in Frankreich vor Gericht kommen

Mit der Festnahme des mutmaßlichen Paris-Attentäters Abdeslam landen Belgiens Fahnder einen Erfolg. Er wäre der erste Terrorverdächtige, der wegen der Pariser Anschläge in Frankreich vor Gericht kommmt. Präsident Hollande sieht die Terrorgefahr aber nicht gebannt.

(dpa) - Nach der Festnahme des mutmaßlichen Terroristen Salah Abdeslam geht die Suche nach weiteren Beteiligten der Anschläge von Paris weiter. „Wir sind mit extrem großen Netzwerken konfrontiert“, sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Freitagabend. Die Zahl derjenigen, die sich an der Vorbereitung der November-Anschläge mit 130 Toten in verschiedener Form beteiligt hätten, sei größer als zunächst angenommen. Aufgabe der Ermittler sei es, alle zu identifizieren, sagte Hollande.

Belgiens Premierminister Charles Michel (l.) und Frankreichs Präsident François Hollande gaben am Freitagabend die Festnahme von Salah Abdeslam bekannt.
Belgiens Premierminister Charles Michel (l.) und Frankreichs Präsident François Hollande gaben am Freitagabend die Festnahme von Salah Abdeslam bekannt.
Foto: Reuters

Der französische Verteidigungsrat und der belgische Sicherheitsrat kommen an diesem Samstagmorgen jeweils zusammen, um über die aktuelle Lage zu beraten. Abdeslam soll so schnell wie möglich nach Frankreich ausgeliefert werden. Dies sei lediglich eine Formalie, sagte der belgische Justizminister Koen Geens. Abdeslam wäre der erste Terrorverdächtige, dem wegen der Pariser Anschläge in Frankreich der Prozess gemacht wird.

26-Jähriger wuchs in Islamistenhochburg Molenbeek auf

Salah Abdeslam war seit den Terroranschlägen vom 13. November auf der Flucht.
Salah Abdeslam war seit den Terroranschlägen vom 13. November auf der Flucht.
Foto: AFP

Der 26 Jahre alte Franzose wurde am späten Freitagnachmittag von Anti-Terror-Fahndern in der als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Gemeinde Molenbeek festgenommen, wo er einst aufwuchs. Bei dem Zugriff von Spezialkräften wurde er leicht am Bein verletzt, danach in eine nahe gelegene Klinik gebracht. Insgesamt nahmen die Ermittler nach eigenen Angaben fünf Verdächtige fest - darunter offenbar eine Familie, die Abdeslam Zuflucht gewährte.

Das Krankenhaus Saint-Pierre wird nach der Einlieferung des beim Einsatz der belgischen Spezialeinheiten verletzten Abdeslam bewacht.
Das Krankenhaus Saint-Pierre wird nach der Einlieferung des beim Einsatz der belgischen Spezialeinheiten verletzten Abdeslam bewacht.
Foto: Reuters

Mit Abdeslam scheint nun der einzige Überlebende einer beispiellosen Terrorserie gefasst. Die anderen bisher bekannten Beteiligten der Anschläge auf den Musikklub „Bataclan“ sowie mehrere Bars und Restaurants und am Stade de France sind tot. In Abdeslam sehen die französischen Behörden das noch fehlende Glied in der Terrorkette.

Hollande sagte, ein Mitwirken Abdeslams an den Attentaten stehe außer Zweifel. „Er war in Paris an diesem schrecklichen Abend des 13. November. Es ist sicher, das er in der ein oder anderen Art und Weise an den Anschlägen beteiligt war.“

Opfervereinigung „13. November“ reagierte erleichtert

Die Opfervereinigung „13. November“ reagierte erleichtert auf die Festnahme Abdeslams. Ihr Präsident George Salines, dessen Tochter im „Bataclan“ getötet worden war, sagte dem Sender BFMTV: „Ich bin überrascht, erleichtert und empfinde Genugtuung, dass es einen echten Prozess gegen jemanden geben wird, der sehr direkt in die Attentate verwickelt war.“

Eine Hausdurchsuchung am Dienstag hatte Fahnder auf die Spur Abdeslams gebracht. Während des Einsatzes wurde aus einer Wohnung heraus auf Polizisten geschossen, bei dem anschließenden Zugriff wurde ein Verdächtiger getötet. Zwei Verdächtige konnten fliehen, ein dritter wurde von einem Scharfschützen getötet. Ob auch Abdeslam zu den Entkommenen gehörte, war zunächst unklar. Ermittler konnten aber seine Fingerabdrücke in der Brüsseler Wohnung nachweisen.

Abdeslam ist der Bruder eines der Pariser Selbstmordattentäter, die europäische Polizeibehörde Europol führte ihn auf ihrer Liste der meistgesuchten Personen. Der Franzose nordafrikanischer Herkunft war nach den Anschlägen von Paris nach Belgien entkommen, auf dem Weg dorthin passierte er unbehelligt eine Polizeikontrolle. In Belgien fanden Ermittler dann im Dezember ein mögliches Versteck. Danach verlor sich seine Spur.

Die Ermittler gehen davon aus, dass er zu einem der drei Killerkommandos vom 13. November gehörte. Seine genaue Rolle im Zusammenhang mit den Anschlägen ist bislang nicht bekannt.


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