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90-minütiger Schlagabtausch vor Millionenpublikum
International 4 7 Min. 26.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Vor dem TV-Duell Clinton-Trump

90-minütiger Schlagabtausch vor Millionenpublikum

Das Duell soll 100 Millionen Zuschauer vor die Fernseher locken.
Vor dem TV-Duell Clinton-Trump

90-minütiger Schlagabtausch vor Millionenpublikum

Das Duell soll 100 Millionen Zuschauer vor die Fernseher locken.
Foto: AFP
International 4 7 Min. 26.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Vor dem TV-Duell Clinton-Trump

90-minütiger Schlagabtausch vor Millionenpublikum

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Bisher bekriegten sich Hillary Clinton und Donald Trump aus der Ferne. Am Montagabend kommt es zu ihrem ersten von drei direkten Fernsehduellen. Gewählt wird am 8. November.

(dpa) - Spannender könnte es nicht sein: Nach einer jüngsten Umfrage gehen die Demokratin Hillary Clinton und ihr republikanischer Konkurrent Donald Trump Kopf an Kopf in ihre erste von insgesamt drei Fernsehdebatten.

Die Präsidentschaftskandidaten werden am Montagabend in der Hofstra Universität in Hempstead (New York) aufeinander treffen - ihr erstes direktes Duell nach einem erbitterten Wahlkampf voller schwerer gegenseitiger Attacken.

Gerechnet wird mit mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauern - möglicherweise den höchsten Einschaltquoten in der Geschichte derartiger Fernsehdebatten.

Nach einer am Sonntag veröffentlichten «Washington Post»/ABC-Umfrage unter wahrscheinlichen Wählern würde Clinton auf 46 Prozent kommen, Trump auf 44 - ein statistisches Patt. Im August hatte die Ex-Außenministerin in Umfragen noch mit durchschnittlich neun Prozentpunkten Vorsprung geführt.

Clinton ist von den beiden Kandidaten die sachliche, intellektuelle.
Clinton ist von den beiden Kandidaten die sachliche, intellektuelle.
Foto: REUTERS


Experten formulierten es am Wochenende mit Blick auf die Debatte so: Clinton habe angesichts ihres geschmolzenen Vorsprunges am meisten zu verlieren, Trump am meisten zu gewinnen. So verbrachte die Demokratin ihr Wochenende denn auch weitgehend zurückgezogen mit Debattenvorbereitungen, Trump hielt eine Wahlkampfkundgebung in Virginia ab.

Für Clinton dürfte es vor allem darauf ankommen, ihre langjährige politische Erfahrung auszuspielen, ohne dabei als «Automat» oder zu intellektuell rüberzukommen. Viele halten sie zudem für geheimniskrämerisch, wenig vertrauenswürdig - Vorwürfe, die zuletzt durch den Umgang mit ihrer Lungenentzündung zusätzlich genährt wurden.

Trump wiederum muss unter Beweis stellen, dass er sowohl das Wissen als auch das Naturell hat, um Präsident zu werden. Bei den Plänen, die er bisher unterbreitet hat, ist er bisher meistens sehr vage geblieben.

Trump und Clinton werden 90 Minuten lang miteinander diskutieren. Es soll dabei unter anderem um die wirtschaftliche Lage, den Kampf gegen den Terrorismus sowie Amerikas Zukunft gehen.

Moderiert wird die Debatte von Lester Holt. Er ist das Gesicht der Nachrichtensendung NBC Nightly News und hat jahrzehntelange Erfahrung sowohl als Moderator als auch als Reporter von vielen Krisen- und Kriegsschauplätzen der Welt.

Clinton und Trump müssen sich vor einem Millionenpublikum beweisen.
Clinton und Trump müssen sich vor einem Millionenpublikum beweisen.
Foto: AFP

Lesen Sie hier die bisherige Chronologie des aktuellen  US-Wahlkampfs:

  • 18. Juli 2015: Trump findet, der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Vietnam-Veteran John McCain sei kein Kriegsheld. „Trump ist nach Beleidigung erledigt“, titelt die „New York Post“ daraufhin.
  • 06. August 2015: In der ersten TV-Debatte treten zehn der republikanischen Bewerber gegeneinander an. Trump beleidigt später die Moderatorin Megyn Kelly.
  • 14. Oktober 2015: Bernie Sanders, der für die Demokraten kandidieren will, nimmt seine Konkurrentin Clinton bei einer TV-Debatte in Schutz: „Das amerikanische Volk hat die Diskussion über ihre verdammten E-Mails satt.“
  • 22. Oktober 2015: Clinton muss elf Stunden lang in einem Ausschuss Fragen zum Anschlag von Bengasi beantworten.
Trump war mit seinen Aussagen immer wieder für einen Aufreger gut.
Trump war mit seinen Aussagen immer wieder für einen Aufreger gut.
Foto: AFP
  • 22. November 2015: Trump sagt, er würde Waterboarding - also vorgetäuschtes Ertränken - wieder als Verhörmethode einführen.
  • 07. Dezember 2015: Nach einem Terrorangriff in San Bernardino fordert Trump ein komplettes Einreiseverbot für Muslime.
  • 28. Januar 2016: Trump boykottiert eine TV-Debatte. Er tritt stattdessen anderswo auf, um Geld für Veteranen zu sammeln.
  • 01. Februar 2016: Beim Auftakt der Vorwahlen in Iowa gewinnt bei den Republikanern der texanische Senator Ted Cruz, Trump kommt nur auf den zweiten Platz. Clinton siegt sehr knapp vor Sanders.
  • 06. Februar 2016: Trump sagt, er wolle noch viel schlimmere Verhörmethoden als Waterboarding einsetzen.
  • 09. Februar 2016: Sanders und Trump gewinnen in New Hampshire.
  • 18. Februar 2016: Papst Franziskus sagt, Trump verhalte sich unchristlich. Trump sagt, Franziskus sei von Mexikos Regierung irregeleitet worden.
  • 01. März 2016: Trump und Clinton gehen als klare Sieger aus dem „Super Tuesday“ mit Vorwahlen in mehreren Bundesstaaten hervor.
  • 08. März 2016: Trump siegt in weiteren Staaten. Einige Republikaner reden über eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag. Clinton gewinnt auch, hat aber weiter Probleme. Es ist Halbzeit.
  • 21. März 2016: Trump sagt, er wolle weniger für die Nato zahlen.
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  • 29. März 2016: Trump meint, es wäre für Japan oder Südkorea besser, wenn sie Atomwaffen besäßen.
  • 31. März 2016: Trump sagt, Frauen müssten für Abtreibungen bestraft werden.
  • 10. April 2016: CNN freut sich über den ersten Samstag ohne Trump-Auftritt seit Ende November.
  • 03. Mai 2016: Trump gewinnt die Vorwahl in Indiana. Cruz und Kasich steigen aus dem Rennen aus. Clinton verliert gegen Sanders.
  • 26. Mai 2016: Trump hat genügend Delegierte für die Präsidentschaftskandidatur zusammen.
  • 6. Juni 2016: Clinton erreicht die notwendige Zahl an Delegierten.
  • 25. Juni 2016: Am Tag nach dem Brexit-Schock preist Trump in Schottland den Ausgang des Referendums.
  • 5. Juli 2016: Das FBI empfiehlt, in der E-Mail-Affäre keine Anklage gegen Clinton zu erheben.
  • 12. Juli 2016: Sanders erklärt seine Unterstützung für Clinton.
  • 15. Juli 2016: Trump macht den Gouverneur Mike Pence zu seinem Vizepräsidentenkandidaten.
  • 21. Juli 2016: Trump ist offiziell Präsidentschaftskandidat.
  • 22. Juli 2016: Clinton macht den ehemaligen Gouverneur Tim Kaine zu ihrem Vizepräsidentenkandidaten.
  • 23. Juli: Wikileaks veröffentlicht gehackte E-Mails der Demokraten. Einen Tag später tritt die Parteivorsitzende Debbie Wasserman Schultz zurück.
  • 29. Juli 2016: Clinton ist offiziell Präsidentschaftskandidatin.
  • 31. Juli 2016: Trump sorgt mit Äußerungen über die muslimischen Eltern eines getöteten US-Soldaten für eine Kontroverse.
  • 31. August: Trump trifft in Mexiko Staatschef Enrique Peña Nieto.
  • 11. September 2016: Clinton verlässt eine Gedenkfeier frühzeitig. Sie hat eine Lungenentzündung und muss pausieren.
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  • 16. September 2016: Trump erkennt erstmals an, dass Präsident Barack Obama in den USA geboren wurde - behauptet aber, Clintons Seite habe die Zweifel daran in die Welt gesetzt.

TV-Duelle haben den Wahlausgang in den USA schon des öfteren geprägt:

  • 1960: Demokrat John F. Kennedy gegen Republikaner Richard Nixon - die erste Präsidentschaftsdebatte, die live im Fernsehen übertragen wurde. Kennedy bestach durch Charme und ein sonnengebräuntes Äußeres. Nixon, der zuvor im Krankenhaus lag, wirkte dagegen unrasiert und so unsympathisch, dass er seine Chancen verspielte. Kennedy konnte die Wähler für sich gewinnen. Bis 1976 wagte sich kein Kandidat mehr an ein öffentliches Duell.
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  • 1976: Folgenreiches TV-Duell zwischen dem Demokraten Jimmy Carter und dem amtierenden Präsidenten Gerald Ford. Nach einer erfolgreichen ersten Debatte brachte sich Ford in eine unglücklich Lage. Er behauptete mitten in Zeiten des Kalten Krieges: „Es gibt keine Dominanz der Sowjetunion in Osteuropa, und unter einer Regierung Ford wird es auch keine geben.“ Ford verlor die Wahl.
  • 1980: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Jimmy Carter und dem Republikaner Ronald Reagan. Reagan, als erfahrener Schauspieler um einiges besser vor den Kameras, überzeugte die Zuschauer mit Witz und Charisma. Mit der Frage: „Geht es ihnen besser als vor vier Jahren?“, traf er vor allem mit Blick auf die Wirtschaftslage einen Nerv.
  • 1984: Präsident Reagan sticht wortgewandt den Demokraten Walter Mondale aus. Der damals 73-Jährige, im Duell auf sein hohes Alter angesprochen, sagt: „Ich werde Altersfragen in dieser Kampagne nicht thematisieren. Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Opponenten nicht politisch ausschlachten.“ Reagan wurde wiedergewählt. Rund 67 Millionen Zuschauer verfolgten das Duell.
  • 1988: Verhängnisvoll war eine Aussage des demokratischen Gouverneurs Michael Dukakis. Er sprach sich im TV-Duell gegen die Todesstrafe aus, selbst wenn seine Frau Opfer eines Gewaltverbrechens würde. Er verlor gegen den Republikaner George H. W. Bush.
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  • 1992: Erstmals war neben George H. W. Bush und dem Demokraten Bill Clinton auch ein dritter Kandidat dabei, Ross Perot. Präsident Bush wurde für seinen Auftritt kritisiert, da er ständig auf die Uhr schaute, während die anderen Kandidaten sprachen.
  • 1996: Zwischen dem amtierenden Präsidenten Clinton und dem ehemaligen Senator aus Kansas, dem Republikaner Bob Dole, gab es zwei TV-Debatten. Clinton überzeugte in der Debatte souverän und behauptete sich als Präsident.
  • 2000: Der demokratische Vizepräsident Al Gore konnte in den Debatten die Zuschauer nur wenig überzeugen. Er schüttelte den Kopf oder stöhnte hörbar auf, wenn George W. Bush zu Wort kam. Einige Medien kritisierten Gore als selbstgefällig.
  • 2004: Für John Kerry wurde das TV-Duell zum Verhängnis. Das Thema Irak förderte bei Kerry größere Wissenslücken zu Tage. George W. Bush entschied die Wahl erneut für sich.
  • 2008: Zwischen dem Republikaner John McCain und dem Demokraten Barack Obama gab es drei TV-Debatten. Obama wirkte souverän und kompetent.
  • 2012: Präsident Barack Obama und der frühere Gouverneur aus Massachusetts, Mitt Romney, standen sich in drei hitzigen Debatten gegenüber. Mitt Romney zeigte jedoch Lücken, etwa seine Unkenntnis über die geografische Lage von Syrien, Irak und Iran. Obama präsentierte sich selbstbewusst.

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Nach engagierter TV-Debatte
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Republican U.S. presidential nominee Donald Trump greets Democratic U.S. presidential nominee Hillary Clinton after their first presidential debate at Hofstra University in Hempstead, New York, U.S., September 26, 2016.   REUTERS/Brian Snyder
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 / AFP PHOTO / YURI CORTEZ
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WARREN, MI - AUGUST 11: Democratic presidential nominee Hillary Clinton delivers a speech on the U.S economy at Futuramic Tool & Engineering August 11, 2016 in Warren, Michigan. In her speech, Clinton contrasted her economic plan to that of Republican presidential nominee Donald Trump's.   Bill Pugliano/Getty Images/AFP
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