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70 Jahre Israel
International 5 Min. 14.05.2018 Aus unserem online-Archiv

70 Jahre Israel

In diesem Haus in Tel Aviv verkündet David Ben-Gurion vor 70 Jahren die Unabhängigkeit des Staates Israel. Heute befindet sich ein Museum in dem Gebäude.

70 Jahre Israel

In diesem Haus in Tel Aviv verkündet David Ben-Gurion vor 70 Jahren die Unabhängigkeit des Staates Israel. Heute befindet sich ein Museum in dem Gebäude.
AFP
International 5 Min. 14.05.2018 Aus unserem online-Archiv

70 Jahre Israel

Am 14. Mai 1948 rief Israel seine Unabhängigkeit aus. 70 Jahre später machen mehrere Religionen, verschiedene Völker und Einwanderer von allen Kontinenten den einzigartigen ethnisch-religiös-kulturellen Mix des jungen Staates aus. Statt jedoch einen Schmelztiegel der Kulturen herauszubilden, zerfällt die Gesellschaft 70 Jahre nach der Staatsgründung in immer kleinere Gruppen.

(KNA/ham) - Europäisch gegen orientalisch, religiös gegen säkular, links gegen rechts: Dem Traum Theodor Herzls und der zionistischen Bewegung vom "neuen Hebräer" und einer einheitlichen jüdischen Nation steht heute ein extrem heterogenes Israel gegenüber. Die Christen etwa genießen demokratischen Schutz, ihre Minderheitenrolle bedeutet zugleich eine Herausforderungen.


Israel's Prime Minister Benjamin Netanyahu addresses the plenum at Israel's parliament in Jerusalem May 4, 2015. Israeli Foreign Minister Avigdor Lieberman said on Monday he would not join the new coalition government being formed by Netanyahu, citing disputes over legislation. REUTERS/Ronen Zvulun
Netanjahu ruft alle Länder zur Botschaftsverlegung auf
Vor der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem hat der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu alle Länder dazu aufgerufen, ihre Vertretungen ebenfalls zu verlegen.

Sowohl Integration als auch Abgrenzung, sind in gewisser Weise bereits in der Entstehung des Staates angelegt: Explizit definiert die Unabhängigkeitserklärung von 1948 Israel als jüdischen Staat. Vor der Staatsgründung auf dem Gebiet lebende Muslime, Christen, Drusen und Bahai wurden eingegliedert. Als Staatsbürger mit gleichen Rechten gehören sie einerseits dazu. Andererseits bleiben sie als nichtjüdische Minderheiten im jüdisch geprägten Establishment außen vor, das zunehmend religiös-nationale Züge trägt. Von seiner ersten Minute an hatte der neue Staat den Anspruch, Heimstätte für Juden aus aller Welt zu sein.

Lebten bei Staatsgründung 650 000 Juden im Land, verdoppelte sich ihre Zahl durch Einwanderung bereits in den ersten drei Jahren. Inzwischen ist sie auf 6,5 Millionen gestiegen - rund dreiviertel der Staatsbürger. Von diesen wiederum sind die meisten im Land geborene Israelis.

Wie entstand der Staat Israel?

Ende des 19. Jahrhunderts entstand als Reaktion auf den wachsenden Antisemitismus in Europa die zionistische Bewegung. Ziel war die Schaffung eines jüdischen Staates. In ersten Einwanderungswellen nach Palästina gekommene europäischer Juden wirkten am Aufbau der Kibbutz-Bewegung im Land mit.

In der Balfour-Erklärung von 1917 sicherten die Briten den Juden eine "nationale Heimstätte" in Palästina zu, das nach dem Ersten Weltkrieg unter britische Verwaltung kam. Im November 1947 suchten die UN mit der Resolution 181 den sich verschärfenden Streit um Palästina zu beenden. Das britische Mandat sollte beendet, je ein jüdischer und ein arabischer Staat geschaffen und Jerusalem unter internationale Kontrolle gestellt werden. Nach dem Rückzug der Briten verlas David Ben Gurion am 14. Mai 1948 die israelische Unabhängigkeitserklärung. Darauf erklärten mehrere arabische Länder Israel den Krieg - in dem sich der junge Staat behaupten konnte.

Stolz zeigt Tourguide Samantha Ben Avraham eine Kopie der Unabhängigkeitserklärung. Das unter dem strengen Blick Theodor Herzls, dem Vordenker und Begründer des politischen Zionismus.
Stolz zeigt Tourguide Samantha Ben Avraham eine Kopie der Unabhängigkeitserklärung. Das unter dem strengen Blick Theodor Herzls, dem Vordenker und Begründer des politischen Zionismus.
AFP

Welche Rolle spielt das Judentum?

Die Unabhängigkeitserklärung definiert Israel als "jüdischen Staat im Lande Israel" mit dem Anspruch, Juden aus aller Welt offenzustehen. 1950 verabschiedete Israel das sogenannte Rückkehrgesetz, das jedem Juden das Recht auf Einwanderung und Staatsbürgerschaft einräumt.


Das künftige Botschaftsgebäude wird strengstens bewacht.
US-Delegation vor Botschaftseröffnung in Jerusalem eingetroffen
Am Tag vor der feierlichen Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem ist am Sonntag eine große Delegation aus den Vereinigten Staaten in Israel eingetroffen.

Israel entwickelte sich daraufhin zum größten jüdischen Siedlungsraum vor den USA. Von weltweit rund 15 Millionen Juden leben nach israelischen Angaben knapp 6,5 Millionen in Israel. Sie stellen damit rund 75 Prozent der Einwohner des Staates.

Eine Verfassung hat das Land bis heute nicht. Gesetze definieren den Staat als jüdisch und demokratisch und garantieren Religionsfreiheit. Neben dem Judentum sind Christen, Muslime, Drusen und Bahai als Religionsgruppen anerkannt. Derzeit berät das Parlament über das umstrittene "Nationalitätengesetz", das Israel als jüdischen Nationalstaat stärken soll. Es sieht vor, das jüdische Religionsrecht zur Inspirationsquelle für Gesetzgebung und Rechtsprechung zu machen sowie das Recht auf nationale Selbstbestimmung auf jüdische Israelis zu beschränken. In den Augen der Kritiker stellt der Entwurf den jüdischen Charakter des Staates über die Demokratie und diskriminiert Nichtjuden.

Das Design der Flagge stammt von David Wolfsohn, der es 1891 für die zionistische Bewegung schuf. Das blaue Emblem in der Mitte der Flagge ist der Davidstern (Magen David), der bereits über Jahrhunderte hinweg in jüdischen Flaggen enthalten war und historisch bereits lange vor der Gründung des Staates bestand. Die Farben Blau und Weiß sollen an den jüdischen Gebetsmantel bzw. Schal erinnern.
Das Design der Flagge stammt von David Wolfsohn, der es 1891 für die zionistische Bewegung schuf. Das blaue Emblem in der Mitte der Flagge ist der Davidstern (Magen David), der bereits über Jahrhunderte hinweg in jüdischen Flaggen enthalten war und historisch bereits lange vor der Gründung des Staates bestand. Die Farben Blau und Weiß sollen an den jüdischen Gebetsmantel bzw. Schal erinnern.
Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

Welche Rolle spielt die arabische Minderheit?

Mit rund 1,8 Millionen stellen arabische Bürger rund ein Fünftel der Bevölkerung. Die überwältigende Mehrheit von ihnen sind Muslime; rund 2 Prozent Christen, rund 1,6 Prozent Drusen. Ein Sonderfall sind die rund 280 000 arabischen Bewohner Ostjerusalems, die einen Status als "ständige Einwohner" haben, der nicht der Staatsbürgerschaft entspricht.

Ihre Minderheitenrolle und der palästinensisch-israelische Konflikt verstärken bei vielen arabischen Israelis das Gefühl einer doppelten Identität: Politisch und rechtlich Bürger Israels, fühlen sie sich kulturell und national als Palästinenser. Dem Gesetz nach sind arabische Israelis gleichberechtigte Staatsbürger. Im Parlament stellen sie gegenwärtig mit der drittstärksten Fraktion der "Vereinten Liste" 13 von 120 Abgeordneten.

Viele arabische Israelis sehen sich als Bürger zweiter Klasse. So hat sich etwa der Anteil von arabischem Landbesitz erheblich verringert, unter anderem durch staatliche Enteignungen, aber auch durch Schwierigkeiten für arabische Bürger, israelisches Land zu erwerben. Gleichzeitig hat sich in anderen Bereichen der Graben zwischen jüdischen und arabischen Israelis verringert. Die arabische Geburtenrate liegt inzwischen unter der jüdischen, die Zahl berufstätiger arabischer Frauen nimmt zu und auch der Bildungsstand hat sich erhöht.

Worum geht es im Konflikt Israels mit den Palästinensern?

Es geht um Land und territoriale Autonomie, das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge sowie den Status von Jerusalem. Die Nutzung und Verwaltung von Ressourcen wie Wasser ist ein weiterer Aspekt. International gilt eine Zweistaatenlösung mit der Errichtung eines souveränen palästinensischen Staates als einzige Lösung. Dessen Grenzen sollen sich bei möglichen Gebietstauschen an der sogenannten grünen Linie von 1967 orientieren.


12.05.2018, Lissabon, Portugal: Die Sängerin Netta aus Israel freut sich beim Finale des 63. Eurovision Song Contest über ihren Sieg und hält dabei die ESC-Trophäe in den Händen. Sie trat mit dem Lied «Toy» an. Foto: Jörg Carstensen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Israel gewinnt den Eurovision Song Contest
Die Siegerin Netta (25) aus Israel erhielt 529 Punkte. Ihr Lied „Toy“, das Korea-Pop, Hip-Hop und orientalische Elemente mit Stimmeffekten und Gacker-Klängen verbindet, ist durchaus politisch in Zeiten der #MeToo-Debatte.

Der anhaltende israelische Siedlungsbau führt jedoch zu einer territorialen Zerstückelung eines künftigen palästinensischen Staates. Ungelöst ist auch die Jerusalem-Frage. Während Israel die Stadt als "ewige und ungeteilte Hauptstadt" beansprucht, reklamieren die Palästinenser den Ostteil der Stadt als ihre Hauptstadt. Völkerrechtlich ist der Status ungeklärt. Die meisten Staaten sowie die Vereinten Nationen erkennen die israelische Souveränität über den Osten der Stadt nicht an. Die im vergangenen Dezember von US-Präsident Donald Trump ausgesprochene Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt sorgte für scharfe Kritik.

Wie geht es weiter?

Der Friedensprozess gilt als festgefahren. Konkrete Bemühungen um eine Wiederaufnahme der Gespräche zeichnen sich nicht ab. Die Jerusalem-Politik von Präsident Donald Trump hat die USA in den Augen der palästinensischen Führung als Vermittler diskreditiert. Der Rückhalt für eine Zweistaatenlösung scheint sowohl auf israelischer wie palästinensischer Seite zu schwinden. Auf palästinensischer Seite erschwert die anhaltende Spaltung zwischen der Hamas im Gazastreifen und der das Westjordanland regierenden Autonomiebehörde den Friedensprozess zusätzlich.


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