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450 Flüchtlinge an Bord: „Geisterschiff“ erreicht italienischen Hafen
International 2 Min. 03.01.2015 Aus unserem online-Archiv

450 Flüchtlinge an Bord: „Geisterschiff“ erreicht italienischen Hafen

Rund 450 Menschen, vor allem Flüchtlinge aus Syrien, befanden sich auf dem Frachtschiff.

450 Flüchtlinge an Bord: „Geisterschiff“ erreicht italienischen Hafen

Rund 450 Menschen, vor allem Flüchtlinge aus Syrien, befanden sich auf dem Frachtschiff.
AFP
International 2 Min. 03.01.2015 Aus unserem online-Archiv

450 Flüchtlinge an Bord: „Geisterschiff“ erreicht italienischen Hafen

Ein Frachter mit 360 Flüchtlingen an Bord ist in der Nacht auf Samstag in Italien angekommen. Die Schleuser hatten das Schiff und seine Passagiere auf offenem Meer ihrem Schicksal überlassen.

(dpa) - Rund 360 Flüchtlinge haben an Bord des führerlosen Frachters „Ezadeen“ den sicheren Hafen der süditalienischen Stadt Corigiliano Calabro erreicht. Es ist der zweite Vorfall dieser Art innerhalb weniger Tage. Die Menschenschmuggler hatten die überwiegend aus Syrien stammenden Menschen zuvor auf offener See ihrem Schicksal überlassen. Viele der Flüchtlinge an Bord des fast 50 Jahre alten, unter der Flagge Sierra Leones fahrenden Frachters für Viehtransporte litten unter Unterkühlung. Die Menschen wurden medizinisch betreut und danach in Aufnahmelager gebracht, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Das Phänomen, Flüchtlinge auf führerlosen Schiffen im Mittelmeer zurückzulassen, stellt allem Anschein nach eine neue Methode der Schleuserbanden dar. Bereits am Mittwoch hatten die italienischen Behörden den Frachter „Blue Sky M“ mit knapp 800 Menschen an Bord auf hoher See gestoppt und an Land begleitet. Von der Besatzung fehlte ebenfalls jede Spur.

Nach Ansicht der EU-Grenzschutzagentur Frontex belegen die „Geisterschiffe“ im Mittelmeer einen „neuen Grad der Grausamkeit“. Der Schmuggel von Flüchtlingen sei ein „Multimillionengeschäft“, sagte Pressesprecherin Ewa Moncure in Warschau. Giovanni Pettorino von der italienischen Küstenwache sagte der Nachrichtenagentur Adnkronos, die Menschenschmuggler hätten wegen der hohen Einnahmen durch die Fahrpreise keine Skrupel, das Schiff mit Autopilot zu programmieren und zu verlassen.

Nach ihrer Ankunft erhielten die Flüchtlinge medizinische Hilfe. Viele waren unterkühlt.
Nach ihrer Ankunft erhielten die Flüchtlinge medizinische Hilfe. Viele waren unterkühlt.
REUTERS

Flugzeug entdeckte Frachter

Die manövrierunfähige „Ezadeen“ war von einem Flugzeug entdeckt worden, das nach Angaben der Küstenwache Kontakt zur Besatzung des Frachters aufnehmen wollte, die jedoch nicht antwortete. Gemeldet hatte sich via Funk schließlich eine Passagierin, die erklärte, dass die Besatzung das Schiff verlassen habe.

Der 1966 gebaute Frachter sollte den französischen Mittelmeerhafen Sète ansteuern. Nach Angaben des Schiffsinformationsdienstes MarineTraffic war der letzte bekannte Hafen, in dem der Frachter Mitte Dezember angelegt hatte, Famagusta in der nur von der Türkei anerkannten Türkischen Republik Nordzypern.

Die EU-Kommission in Brüssel lobte die Anstrengungen der italienischen Behörden. Sie würden von der europäischen Grenzschutzmission „Triton“ unterstützt. „Die Rettung der „Blue Sky M“ vor zwei Tagen und der „Ezadeen“ zeigen, dass (Menschen-) Schmuggler neue Wege finden, um in das EU-Gebiet zu gelangen“, sagte eine EU-Sprecherin. Der Kampf gegen den Menschenschmuggel bleibe auch im neuen Jahr eine Priorität der Kommission.


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