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310 Tote: Anschläge in Sri Lanka als "Vergeltung für Christchurch"
International 9 2 Min. 23.04.2019

310 Tote: Anschläge in Sri Lanka als "Vergeltung für Christchurch"

Trauernde Verwandte am Sarg eines Opfers.

310 Tote: Anschläge in Sri Lanka als "Vergeltung für Christchurch"

Trauernde Verwandte am Sarg eines Opfers.
AFP
International 9 2 Min. 23.04.2019

310 Tote: Anschläge in Sri Lanka als "Vergeltung für Christchurch"

Sri Lanka trauert um mehr als 300 Opfer der Selbstmordanschläge. Per Notstandserklärung bekommen die Sicherheitskräfte weitreichende Befugnisse.

(dpa) - Die Anschläge in Sri Lanka waren nach ersten Erkenntnissen der Regierung als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht. Das erklärte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Dienstag im Parlament des Inselstaates. 

Die Zahl der Toten stieg ihm zufolge inzwischen auf 311 - darunter 37 Ausländer. Mehr als 500 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt. 42 Menschen waren demnach in Gewahrsam. Darunter sei auch ein syrischer Staatsbürger. 


Sri Lankan woman looks into a container where bodies of bomb blast victims are kept at a hospital in Negombo on April 22, 2019, a day after a nearby church was hit in a series of explosions targeting churches and luxury hotels in Sri Lanka. - The death toll from bomb blasts that ripped through churches and luxury hotels in Sri Lanka rose dramatically April 22 to 290 -- including dozens of foreigners -- as police announced new arrests over the country's worst attacks for more than a decade. (Photo by ISHARA S. KODIKARA / AFP)
Islamistengruppe verantwortlich für Terroranschläge in Sri Lanka - Zahl der Toten steigt an
Nach den Terroranschlägen in Sri Lanka steigt die Zahl der Toten weiter an. Die Regierung macht nun eine Islamistengruppe für den Anschlag verantwortlich.

Sieben Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag in drei Kirchen und drei Luxushotels in die Luft gesprengt. Eine extremistische Islamistengruppe mit Verbindungen zur Gruppe National Thowheeth Jamaath habe nach Einschätzung der Regierung die Anschläge verübt, sagte Wijewardene. Rachegelüste und Hass, nicht Religion, hätten die Täter motiviert.  

Staatspräsident Maithripala Sirisena hatte zuvor einen öffentlichen Notstand erklärt. Die zunächst nicht näher benannten Bestimmungen traten in der Nacht zum Dienstag in Kraft, der zu einem nationalen Trauertag erklärt wurde. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. Zahlreiche Bestattungen waren geplant. Im Ort Negombo, wo am Ostersonntag eine Kirche angegriffen worden war, gab es eine Massenbeerdigung.

Sirisena habe den Notstand im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der Wahrung der öffentlichen Ordnung und zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen erklärt, hieß es in einer Erklärung des Präsidenten. Die Sicherheitskräfte sollen seinem Büro zufolge weitreichende Befugnisse erhalten. Nach dem Gesetz können diese etwa für Hausdurchsuchungen ohne Erlaubnis eines Gerichts und für Verhaftungen ohne Haftbefehl gelten. Solche Bestimmungen waren während des Bürgerkriegs in Sri Lanka von 1983 bis 2009 fast dauerhaft in Kraft - und auch darüber hinaus noch bis 2011.  

In der Nacht zum Dienstag hatte erneut eine Ausgangssperre gegolten. Um das Verbreiten von Gerüchten zu unterbinden, blieb der Zugang zu sozialen Medien gesperrt.

Viele Fragen offen

Vieles blieb über die Täter und ihre Hintergründe unklar. Einer der Attentäter war nach Angaben eines Kabinettsministers vor wenigen Monaten wegen der Beschädigung von Buddha-Statuen festgenommen worden. Bei neun Festgenommenen handelte es sich um Mitarbeiter einer Fabrik, die einem der anderen Täter gehörte. Mehr als 20 Häuser seien inzwischen durchsucht worden, sagte die Polizei.

Die Regierung ist überzeugt, dass die Täter Hilfe aus dem Ausland gehabt haben müssen. „Wir glauben nicht, dass diese Angriffe von einer Gruppe von Menschen verübt wurden, die auf dieses Land begrenzt waren“, sagte Kabinettssprecher Rajitha Senaratne. „Es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären.“

Nach den Worten Senaratnes gab es vor den Attacken Hinweise auf Anschlagspläne der National Thowheeth Jamaath.   


Pope Francis delivers the "Urbi et Orbi" blessing to the city and to the world from the balcony of St Peter's basilica, on April 21, 2019 after the Easter Sunday Mass in the Vatican. - Christians around the world are marking the Holy Week, commemorating the crucifixion of Jesus Christ, leading up to his resurrection on Easter. (Photo by Vincenzo PINTO / AFP)
"Urbi et orbi" und Osterbotschaft von Papst Franziskus
Papst Franziskus feiert am Sonntag mit Zehntausenden Gläubigen aus aller Welt auf dem Petersplatz in Rom die Ostermesse.

Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert. „Wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid“, sagte Senaratne im Namen der Regierung.

Sirisena berief ein dreiköpfiges Team ein, das die Anschlagsserie untersuchen und in zwei Wochen einen ersten Bericht vorlegen soll. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte an, Spezialisten mit Expertise in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung zu entsenden.

Die meisten Opfer hatte es bei den Anschlägen in den Kirchen gegeben, als gerade Ostergottesdienste stattfanden. In dem Inselstaat sind etwa sieben Prozent der 20 Millionen Einwohner Christen. 


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