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26 Tote bei Beschuss: Fast 70 000 Menschen in Aleppo auf der Flucht
Die neben Damaskus größte Stadt Syriens gehört zu den am stärksten umkämpften Gebieten im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg.

26 Tote bei Beschuss: Fast 70 000 Menschen in Aleppo auf der Flucht

AFP
Die neben Damaskus größte Stadt Syriens gehört zu den am stärksten umkämpften Gebieten im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg.
International 30.11.2016

26 Tote bei Beschuss: Fast 70 000 Menschen in Aleppo auf der Flucht

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Regimeanhänger erobern in Aleppo weiter Gebiete der Rebellen. Immer mehr Menschen fliehen vor Bomben und Tod, darunter viele Kinder. Sie suchen Schutz in Moscheen, Schulen und zerstörten Gebäuden.

(dpa) - Die Zahl der Toten und Flüchtlinge in der umkämpften nordsyrischen Großstadt Aleppo steigt dramatisch. Durch Kämpfe in den Rebellenvierteln der Metropole und Luftangriffe wurden allein in den vergangenen Tagen fast 70 000 Menschen vertrieben, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Mindestens 26 Zivilisten, darunter mehrere Kinder, starben am Mittwoch in Ost-Aleppo durch Artilleriebeschuss. Dutzende wurden verletzt. Die Menschenrechtler und Aktivisten machten das Regime für den Angriff verantwortlich.

Angriffe auf Zivilisten

Rettungshelfer berichteten, bei dem Beschuss des Stadtteils Dschubb al-Kubba seien 45 Menschen getötet worden. Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten, die in Stadtteile unter Kontrolle der Regierung fliehen wollten, sagte Abdel Rahman Hassan von der Organisation Weißhelme. Fotos der Helfer zeigten Leichen, die neben Gepäckstücken auf der Straße lagen. Am Dienstag waren bei einem Luftangriff zehn Menschen auf der Flucht getötet worden.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete zudem am Mittwoch, bei Artilleriebeschuss von „Terrororganisationen“ auf Viertel unter Kontrolle der Regierung im Westen Aleppos seien acht Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch zwei Kinder.

Rebellengebiete erobert

Syriens Armee und verbündete Milizen hatten in den vergangenen Tagen bei heftigen Kämpfen mehr als ein Drittel des Rebellengebietes im Ostteil Aleppos eingenommen. Am Mittwoch hätten Regimeanhänger auch von Süden aus eine Front in die Rebellengebiete eröffnet, berichteten die Menschenrechtsbeobachter. Während die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, die Armee habe den Stadtteil Scheich Said vollkommen eingenommen, erklärte die Rebellenmiliz Nur al-Din al-Sinki, die Regimegegner hätten den Angriff abgewehrt.

Sechs Jahre Bürgerkrieg

Einwohner aus Aleppo berichteten, unter den Menschen herrsche Panik und Verzweiflung. Vor der aktuellen Offensive lebten nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 250 000 Menschen in den Rebellengebieten im Osten der Stadt. Die neben Damaskus größte Stadt des Landes gehört zu den am stärksten umkämpften Gebieten im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg.

Nach Angaben der Menschenrechtler suchten in den vergangenen Tagen mehr als 30.000 Zivilisten in Gebieten unter Kontrolle kurdischer Einheiten Zuflucht, etwa 20.000 in Vierteln des Regimes. Mehr als 15.000 Zivilisten seien zudem in andere Rebellenviertel im Südosten Aleppos geflohen, sagte der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur.


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