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250.000 Corona-Tote und das "Machtvakuum" in Washington
International 3 2 5 Min. 19.11.2020

250.000 Corona-Tote und das "Machtvakuum" in Washington

Präsident Trump weigert sich weiterhin, einen Wahlsieg Bidens anzuerkennen.

250.000 Corona-Tote und das "Machtvakuum" in Washington

Präsident Trump weigert sich weiterhin, einen Wahlsieg Bidens anzuerkennen.
Foto: AFP
International 3 2 5 Min. 19.11.2020

250.000 Corona-Tote und das "Machtvakuum" in Washington

Die USA befinden sich an ihrem bisher schlimmsten Punkt in der Corona-Pandemie - doch der abgewählte Präsident Trump bleibt in Deckung. Seinem Nachfolger Biden sind die Hände gebunden.

(dpa) - Seit seiner Wahlniederlage war Donald Trump viermal auf dem Golfplatz, hatte zwei Auftritte in der Öffentlichkeit und hat auf Twitter zig Nachrichten zu angeblichem Wahlbetrug abgesetzt. Seit seiner Niederlage gegen Joe Biden starben mehr als 11.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Corona-Virus - insgesamt hat das Land in der Pandemie mehr als eine Viertelmillion Tote zu beklagen. Doch es scheint, als habe der abgewählte Präsident jegliches Interesse daran verloren, das Land durch die Krise zu führen - oder sich mit ihr zu befassen.

Um zu verdeutlichen, was das bedeutet, greift der Journalist Max Boot in der „Washington Post“ zu einem drastischen Gedankenspiel: „Stellen Sie sich vor, Präsident Franklin D. Roosevelt hätte im November 1942 beschlossen, sich aus dem Zweiten Weltkrieg zurückzuziehen, weil es nicht so gut lief, wie er gehofft hatte.“


US President Donald Trump participates in a Thanksgiving teleconference with members of the United States Military, at the White House in Washington, DC, on November 26, 2020. (Photo by ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP)
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Seit Monaten machen Kritiker Trump für schwere Versäumnisse im Kampf gegen die Pandemie verantwortlich. Vorgeworfen wird ihm unter anderem, das Virus zu verharmlosen - auch trotz seiner eigenen Covid-19-Erkrankung im Oktober, nach der er die Amerikaner aufrief, „keine Angst“ vor dem Virus zu haben. Im Wahlkampf behauptete er immer wieder, die USA hätten die Pandemie fast hinter sich. Die Fakten sprachen schon da eine andere Sprache. Am Wahltag wurden erstmals mehr als 100.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden verzeichnet. Der Tageswert lag zuletzt im Schnitt bei rund 150.000.

Doch auch die Eskalation der Corona-Krise bringt Trump nicht aus der Deckung. Noch immer hat er seine Niederlage gegen Biden nicht eingeräumt und lässt die Tage weitgehend ohne bekannte Termine verstreichen. Seine Sprecherin Kayleigh McEnany sagte zwar am Mittwoch, der Präsident sei wegen des Virus und dem Abzug von mehreren Tausend Soldaten aus Afghanistan und dem Irak schwer beschäftigt. Die Öffentlichkeit bekommt davon jedoch nicht viel mit.


(FILES) In this file photo US President Donald Trump gestures after speaking during election night in the East Room of the White House in Washington, DC, early on November 4, 2020. - Two months before he is due to leave office, President Donald Trump asked top aides about the possibility of striking Iran's nuclear facilities, The New York Times reported on November 16, 2020. During a meeting at the Oval Office last November 12, 2020, the outgoing Republican leader asked several top aides, including Vice President Mike Pence, Secretary of State Mike Pompeo and the chairman of the Joint Chiefs, General Mark Milley, "whether he had options to take action against Iran's main nuclear site in the coming weeks," the newspaper said. (Photo by MANDEL NGAN / AFP)
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Wenn sich Trump zu Corona äußert, dann im Zusammenhang mit den jüngsten Fortschritten in der Impfstoff-Entwicklung. Neue Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung kündigt er nicht an. Seit Monaten habe der amtierende Präsident zudem nicht mehr an Sitzungen der Corona-Arbeitsgruppe im Weißen Haus teilgenommen, sagte der Immunologe Anthony Fauci kürzlich.

Der gewählte US-Präsident Joe Biden demonstriert Tatendrang, nachdem er den Kampf gegen die Pandemie im Wahlkampf zur Priorität erklärt hatte. Unmittelbar nach seinem Wahlsieg stellte Biden seinen Corona-Expertenrat vor. Zudem erinnert er die Amerikaner immer wieder an die Bedeutung des Tragens von Masken und stimmt sie auf einen „sehr dunklen Winter“ ein.


An illustration picture shows vials with Covid-19 Vaccine stickers attached and syringes with the logo of US pharmaceutical company Pfizer on November 17, 2020. (Photo by JUSTIN TALLIS / AFP)
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Am Mittwoch kam er in einer Videoschalte mit Beschäftigten im Gesundheitsbereich zusammen, um sich ihre Erfahrungen anzuhören. Mary Turner arbeitet als Krankenschwester auf einer Intensivstation im US-Staat Minnesota. Sie schilderte, wie sie die Hand sterbender Patienten gehalten habe, die um ihre Familien geweint hätten, die sie nicht mehr hätten sehen können. Wie ihre eigenen Kollegen beatmet werden mussten und um ihr Leben kämpften. „Wir kennen den richtigen Weg, das Virus zu bekämpfen“, sagte Turner, doch die Regierung und die Arbeitgeber schützten die Arbeiter an vorderster Front nicht. Zum Beispiel gebe es immer noch nicht genügend Schutzmasken, weswegen sie trotz des erhöhten Risikos wiederverwendet werden müssten.

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Während Turner erzählte, holte Biden ein Taschentuch heraus und rieb sich damit die Augen. Mit Blick auf seine künftige Verantwortung in der Pandemie sagte Biden anschließend: „Das ist, als würde man in den Krieg ziehen, man braucht einen Oberbefehlshaber. (...) Ich werde Fehler machen, aber ich verspreche Ihnen, ich werde sie eingestehen.“


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Doch bis zu seiner Amtseinführung am 20. Januar sind dem Demokraten weitgehend die Hände gebunden. Trumps Weigerung, die Übergabe der Regierungsgeschäfte einzuleiten, könnte zudem den Start im Weißen Haus erschweren. „Wenn wir uns nicht abstimmen, könnten mehr Menschen sterben“, warnte Biden am Montag. In einer Krise wie der Pandemie sei die Übergabe der Amtsgeschäfte wichtiger denn je, mahnte auch Immunologe Fauci, der als Direktor der Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten fünf Regierungsübergaben miterlebt habe. „Es ist wie die Übergabe eines Staffelstabs in einem Rennen: Man will nicht, dass jemand anhält, gib ihn weiter und lass ihn loslaufen.“

Die Gouverneurin von Michigan, die Demokratin Gretchen Whitmer, zeigte sich angesichts des „Machtvakuums“ in Washington alarmiert. Die Gouverneure müssten nun alles Mögliche tun, um Leben zu retten, und den Rat der Gesundheitsexperten zu befolgen, sagte sie am Montag. Viele Staaten haben ihre Corona-Auflagen inzwischen wieder verschärft. Whitmer schloss sich mit Kollegen aus anderen stark betroffenen Bundesstaaten im Mittleren Westen zusammen, um die Bevölkerung vor dem Thanksgiving-Fest kommende Woche zur Vorsicht und zum Maskentragen aufzurufen.


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Das Weiße Haus sendet eine andere Botschaft. Trumps Sprecherin sagte im Streit über die Corona-Maßnahmen am Mittwoch bei Fox News, es sei nicht „die amerikanische Art“, Menschen 30 Tage ins Gefängnis zu stecken, wenn man mit mehr als sechs Leuten zu Hause feiere. Sie spielte damit auf die Aussage der Gouverneurin von Oregon, Kate Brown, an, dass beim Verstoß gegen die Corona-Regeln schlimmstenfalls die Festnahme drohe. „Wir verlieren unsere Freiheit in diesem Land nicht“, sagte McEnany. „Wir treffen als Individuen verantwortungsvolle Entscheidungen für die Gesundheit.“

Doch mittlerweile haben auch mehrere republikanische Gouverneure Maßnahmen ergriffen, gegen die sie sich zuvor noch gesperrt hatten. In North Dakota etwa verfügte Gouverneur Doug Burgum eine Maskenpflicht und Einschränkungen für Restaurants. In West Virginia ordnete Gouverneur Jim Justice an, dass ab sofort in geschlossenen öffentlichen Räumen Masken getragen werden müssen.

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Das gegensätzliche Vorgehen der politischen Lager - Beschwichtigung auf der einen Seite, strenge Maßnahmen auf der anderen - ist nicht folgenlos geblieben. Selbst Patienten, die im Sterben liegen, wollten nicht wahrhaben, dass das Virus existiere, berichtete die Krankenschwester Jodi Doering, die im Bundesstaat South Dakota arbeitet, bei CNN. „Ihre letzten Worte sind: Das kann nicht sein, das ist nicht real.“ Einige Patienten wollten lieber glauben, sie hätten Lungenkrebs. Auf Twitter schrieb sie, andere würden sie anschreien, „magische Medizin“ fordern und sagen, dass Biden die USA ruinieren werde - all das, während sie nach Luft schnappten.


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