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20 Jahre Hillsborough-Katastrophe
International 2 Min. 15.03.2012

20 Jahre Hillsborough-Katastrophe

Am Mittwoch jährt sich das schreckliche Ereignis zum 20. Mal.

20 Jahre Hillsborough-Katastrophe

Am Mittwoch jährt sich das schreckliche Ereignis zum 20. Mal.
AP
International 2 Min. 15.03.2012

20 Jahre Hillsborough-Katastrophe

Das Hillsborough-Stadion in Sheffield ist am 15. April 1989 Schauplatz einer Tragödie, die 96 Todesopfer und unzählige Verletze fordert. Angehörige der Opfer kämpfen noch immer um eine angemessene Entschädigung.

(dpa) - Das Hillsborough-Stadion in Sheffield ist am 15. April 1989 nicht zum ersten Mal Schauplatz eines Pokal-Halbfinales. Aber das Spiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest dauert nur sechs Minuten.

Während Liverpools Stürmer Peter Beardsley die Latte trifft, kämpfen auf der "Leppings Lane"-Tribüne hinter dem gegnerischen Tor Anhänger seiner Mannschaft bereits um ihr Leben. Über 3.000 sind eingequetscht zwischen nachdrängenden Massen und einem unüberwindbaren Metallgitterzaun, der das Spielfeld eingrenzt. Wenig später ist der Rasen übersät mit Toten, Verletzten und Menschen, die in Panik flüchten wollen.

Erst nach und nach werden die Dimensionen der Katastrophe deutlich. 94 Fans kommen an jenem Frühlingstag ums Leben, die 14 Jahre alte Lee Nicol erliegt vier Tage später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Das 96. Todesopfer, Tony Bland, liegt fast vier Jahre lang im Koma und stirbt im März 1993. 766 Menschen werden verletzt, Hunderte tragen schwere Traumata davon, unter denen sie zum Teil bis heute leiden.

Am kommenden Mittwoch jährt sich das furchtbare Geschehen zum 20. Mal. "Ich denke nicht, dass wir die 96 Menschen, die starben, jemals vergessen werden“, meinte Großbritanniens Premierminister Gordon Brown.

Ordungskräfte versagten total

Die Ursachen für das Unglück enthüllte in den Wochen danach der "Taylor-Bericht". Anders als bei der Katastrophe 1985 im Brüsseler Heysel-Stadion, wo randalierende Liverpool-Hooligans vor dem Europapokal-Finale gegen Juventus Turin den Tod von 39 Menschen verursachten, war nicht Fan-Gewalt, sondern Polizei-Versagen der Auslöser. Die Ordnungskräfte leiteten die auf "Leppings Lane" strömende Menge nicht zu Nebenaufgängen um und reagierten viel zu zögerlich, als sich das Desaster abzeichnete.

Bis heute ist das schwerste Unglück in der britischen Fußball- Geschichte ein Tag der Trauer. Angehörige der Opfer kämpfen noch immer um "Gerechtigkeit" und angemessene Entschädigung. Am Jahrestag findet in Liverpools Stadion ein Gedenkgottesdienst statt. Beim Cup-Halbfinale zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal am Samstag wird Englands Fußball-Verband FA an die Katastrophe erinnern.

Teures Geld für mehr Sicherheit

Hillsborough markiert auch einen Wendepunkt im englischen Fußball. Die Zäune verschwanden, ebenso die Stehtribünen. In der höchsten Spielklasse gab es bald nur noch Sitzplatz-Stadien. "Bis in die späten 1980er Jahre hielten die Vereine Fans für Tribünen-Futter", schrieb der Fußball-Kommentator der Zeitung "The Guardian", David Lacey.

Das kostete Geld. Die Premier League wurde gegründet, die Fernsehmillionen des kommerziellen Abo-Senders Sky begannen zu fließen, der Boom war geboren. Nach Investitionen von gut drei Milliarden Pfund habe England heute die sichersten und teuersten Stadien der Welt, meint Hughes, und eine andere Klientel: "Fußball ist heute Teil der Mittelklasse-Kultur. Die Arbeiterschicht kann sich die Eintrittskarten nicht mehr leisten."

Damit wurden diejenigen ausgeschlossen, die bis dahin als "harter Kern" englischer Fans galten. Seitdem hat es kaum noch Hooligan-Ausschreitungen gegeben, wie sie bis in die 1980er Jahre an der Tagesordnung waren.