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17 Minuten Stille: Protest gegen Waffengewalt in den USA
International 9 2 Min. 14.03.2018 Aus unserem online-Archiv

17 Minuten Stille: Protest gegen Waffengewalt in den USA

Fotos der 17 Todesopfer des Amoklaufs in Parkland im Stadion der High School in Wellington, Florida.

17 Minuten Stille: Protest gegen Waffengewalt in den USA

Fotos der 17 Todesopfer des Amoklaufs in Parkland im Stadion der High School in Wellington, Florida.
Foto: DPA
International 9 2 Min. 14.03.2018 Aus unserem online-Archiv

17 Minuten Stille: Protest gegen Waffengewalt in den USA

Einen Monat ist es her, dass ein 19-Jähriger an einer Schule in Florida 17 Menschen tötete. Auch weiterhin wollen sich die protestierenden Schüler nicht mundtot machen lassen. Am Mittwoch kommt es erneut zu Demonstrationen - auch vor dem Weißen Haus.

(dpa) - Sie sind laut, sie sind wütend, sie wollen Veränderung: Einen Monat nach dem Massaker an einer Schule in Florida haben Kinder und Jugendliche in den USA landesweit für eine Verschärfung des Waffenrechts demonstriert und der 17 Todesopfer des Blutbades gedacht.

In zahlreichen Schulen im ganzen Land stand ab 10.00 Uhr Ostküstenzeit (15.00 Uhr MEZ) der Unterricht 17 Minuten lang still. Jede Minute war einem der Opfer gewidmet. Schüler und Lehrer verließen die Klassenräume und versammelten sich im Freien.

In mehreren Städten gab es zudem größere Protestaktionen, darunter New York. Vor dem Weißen Haus in Washington versammelten sich Tausende Kinder und Jugendliche. Auf dem Platz, auf dem sich sonst Touristen und Schaulustige tummeln, protestierten sie 17 Minuten lang im Sitzen. Der Regierungszentrale wandten sie dabei demonstrativ den Rücken zu.



(FILES) In this file photo taken on February 15, 2018 Mourners grieve as they await the start of  a candlelight vigil for victims of the Marjory Stoneman Douglas High School shooting in Parkland, Florida. 
There have been renewed calls for stricter gun control in the United States following the shooting deaths last week of 14 students and three adults at a Florida high school. The White House has said following the Florida school shooting that President Donald Trump supports efforts to improve the federal background check system for gun buyers. / AFP PHOTO / RHONA WISE
Parkland und die Folgen
Am 14. Februar erschießt ein 19-Jähriger 17 Menschen an der Highschool von Parkland, Florida. Solche grausamen Zwischenfälle gab es in den USA schon öfter. Diesmal regt sich aber Widerstand - gegen die Regierung, den Waffenkult, die NRA.

Still und mit ernsten Gesichtern gedachten sie der Opfer von Parkland und ließen ihre Schilder für sich sprechen: „Greift nach den Sternen, anstatt auf Kinder zu schießen“ stand auf einem, „Unser Blut (klebt) an Euren Händen“ auf einem anderen. Mit vielen Plakaten und Sprechchören wandten sich die Demonstranten direkt an die mächtige Waffenlobby NRA. Sie skandierten etwa: „Die NRA muss gehen!“.

Auch Olivia Yansaneh (18), Nandita Kohli (17) und Aradhana Prabhala (17) hatten sich am Morgen auf den Weg zum Weißen Haus gemacht. Noch in der überfüllten U-Bahn malten sie ihr Plakat fertig. „Gebete können unsere Toten nicht wieder zurückbringen“, stand darauf.  

Die drei Jugendlichen sind der Meinung, dass die Proteste durchaus etwas erreichen können. „Wir haben doch bereits etwas verändert“, sagte Nandita. „Große Sportgeschäfte haben das Mindestalter für Waffenkäufe geändert, und die Delta Airline hat der NRA ihre Unterstützung entzogen. Und wir haben bereits seit einem Monat das ungebrochene Interesse der Medien, das ist auch sehr wichtig.“ Aradhana fügte hinzu „Wir lassen uns nicht den Mund verbieten. Wir sind eine ernstzunehmende Kraft.“

Auf den Tag ein Monat nach Parkland

Im Anschluss an die Gedenkaktion vor dem Weißen Haus zogen die Jugendlichen vor den Kongress, um dort zu protestieren. Die Aktion fand auf den Tag genau einen Monat nach dem Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School statt. Dort hatte der 19 Jahre alte Ex-Schüler Nikolas Cruz 14 Jugendliche und drei Erwachsene erschossen.

Nach der Tat formierte sich in den USA eine lautstarke Protestbewegung. Mehrere engagierte Überlebende aus Florida erhoben dabei in den Medien und bei diversen Aktionen ihre Stimme, um härtere Waffengesetze und ein Umdenken der Politiker zu fordern.


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An der Schule in Parkland versammelten sich Schüler während der Gedenkaktion auf einem Sportplatz. Auch an der Columbine High School im Bundesstaat Colorado, wo 1999 zwei Täter 13 Menschen getötet hatten, verließen Schüler den Unterricht, um für eine Verschärfung der Waffengesetze zu demonstrieren.

Auch nach diesem Mittwoch soll der Protest weitergehen: Die betroffenen Schüler aus Floridaplanen für den 24. März einen „Marsch für unser Leben“ in Washington. Dazu werden Hunderttausende Teilnehmer erwartet. Auch für den 20. April, den Jahrestag des Amoklaufs an der Columbine High School, sind Proteste geplant.


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