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149 Todesopfer: Luxemburg schickt Experten nach Beirut
International 6 3 Min. 07.08.2020

149 Todesopfer: Luxemburg schickt Experten nach Beirut

Ein Ehepaar inspiziert die Schäden an einem Haus in Beirut.

149 Todesopfer: Luxemburg schickt Experten nach Beirut

Ein Ehepaar inspiziert die Schäden an einem Haus in Beirut.
Foto: AFP
International 6 3 Min. 07.08.2020

149 Todesopfer: Luxemburg schickt Experten nach Beirut

Nach der verheerenden Explosion in Beirut mit mindestens 149 Toten gab es erste Festnahmen. Luxemburg beteiligt sich derweil an den Hilfsmaßnahmen in der libanesischen Hauptstadt.

(dpa/SC) -  Im Zuge der Ermittlungen zur verheerenden Explosion in Beirut mit mindestens 149 Toten sind 16 Mitarbeiter des Hafens festgenommen worden. Das teilte der amtierende Militärrichter Fadi Akiki laut einem Bericht der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA am Donnerstagabend mit. Mehr als 18 Menschen seien bisher befragt worden, darunter Mitglieder des Hafenvorstands und der Zollverwaltung. Die Ermittlungen gingen weiter.

Ziel sei, „alle Fakten im Zusammenhang mit der Katastrophe zu klären“, teilte Akiki mit. Der Ort der Explosion - ein Industriegebiet am Hafen im Norden der libanesischen Hauptstadt - werde bis zum Abschluss der Ermittlungen geschlossen bleiben. Die Aufsicht hätten hier die libanesische Armee sowie die Informationsabteilung der Kräfte für innere Sicherheit.


(FILES) In this file photo taken on September 21, 2001 firefighters evacuate an injured driver from his vehicle in the middle of debris and rubble after the explosion of three hundred tonnes of ammonium nitrate stored in a warehouse, at AZF chemical plant near Toulouse. - The trauma of the victims of the disaster of Toulouse's AZF plant in 2001 resurface a day after a mega-blast tore through the harbour in the heart of the Lebanese capital Beirut with the force of an earthquake, killing at least 100 people and injuring over 4,000. (Photo by ERIC CABANIS / AFP)
Ammoniumnitrat: Tödliche Unfälle und Anschläge mit der Chemikalie
Die Chemikalie Ammoniumnitrat soll im Hafen von Beirut jahrelang in großen Mengen und ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden sein.

Zuvor waren bereits mehrere Verantwortliche des Hafens unter Hausarrest gestellt worden. Sie sollen in den vergangenen Jahren für die Lagerung und Bewachung der großen Mengen Ammoniumnitrat zuständig gewesen seien, die bei dem Vorfall möglicherweise explodierten. Unklar blieb dabei, welche Vorwürfe ihnen gemacht werden oder ob ihnen ein ordentliches Gerichtsverfahren droht.

Internationale Ermittlungen gefordert

Schon bald nach der schweren Detonation am Dienstag hatte es auch Rufe nach einer umfassenden Untersuchung und Aufarbeitung des Vorfalls gegeben, bei dem Tausende verletzt wurden und bis zu 300.000 Menschen ihr Zuhause verloren. Davon sind dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge schätzungsweise 80.000 Kinder. Eine Untersuchungskommission der Regierung sollte dazu innerhalb weniger Tagen einen ersten Bericht vorlegen.

Bis zu 300.000 Menschen haben im Beirut infolge der Explosion ihr Zuhause verloren.
Bis zu 300.000 Menschen haben im Beirut infolge der Explosion ihr Zuhause verloren.
Foto: AFP

Viele Libanesen haben das Vertrauen in die herrschende politische Klasse aber verloren und fordern deshalb internationale Ermittlungen.   


TOPSHOT - A general view shows the damaged grain silos of Beirut's harbour and its surroundings on August 5, 2020, one day after a powerful twin explosion tore through Lebanon's capital, resulting from the ignition of a huge depot of ammonium nitrate at the city's main port. - Rescuers searched for survivors in Beirut after a cataclysmic explosion at the port sowed devastation across entire neighbourhoods, killing more than 100 people, wounding thousands and plunging Lebanon deeper into crisis. The blast, which appeared to have been caused by a fire igniting 2,750 tonnes of ammonium nitrate left unsecured in a warehouse, was felt as far away as Cyprus, some 150 miles (240 kilometres) to the northwest. (Photo by STR / AFP)
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Dem schlossen sich etwa der frühere Regierungschef Saad Hariri, drei andere frühere libanesische Ministerpräsidenten und der führende drusische Politiker Walid Dschumblatt an. Nach ihrer Auffassung müssten die Vereinten Nationen oder die Arabische Liga einen Ermittlungsausschuss aus unabhängigen Experten bilden. Das hatten auch Menschenrechtsorganisationen gefordert.

Libanons Innenminister Mohammed Fahmi hatte dagegen erklärt, dass internationale Experten wohl nicht notwendig seien. Die Fachleute im Land hätten die nötige Kompetenz für Ermittlungen.

Luxemburg beteiligt sich an Hilfen

Eine Expertentruppe der UN, die in Katastrophenfällen und die humanitäre Koordination übernimmt, wurde am Donnerstagabend nach Beirut entsandt, um vor Ort die wichtigsten Bedürfnisse festzustellen und die internationale Katastrophenhilfe dementsprechend zu koordinieren. Dieser Expertentruppe gehört auch ein Mitarbeiter der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe des luxemburgischen Außenministeriums an.


French President Emmanuel Macron (R) salutes as he arrives to visit the devastated site of the explosion at the port of Beirut, on August 6, 2020 two days after a massive explosion devastated the Lebanese capital in a disaster that has sparked grief and fury. - French President Emmanuel Macron visited shell-shocked Beirut on August 6, pledging support and urging change after a massive explosion devastated the Lebanese capital in a disaster that left 300,000 people homeless. (Photo by Thibault Camus / POOL / AFP)
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Am Freitag wird der Zentrale Fonds für die Reaktion auf Notsituationen der Vereinigten Nationen finanzielle Hilfen für den Libanon freigeben. Dieses Jahr hat Luxemburg rund fünf Millionen Euro zu dem Fonds beigesteuert. Über das Rote Kreuz will Luxemburg Betroffenen der Katastrophe außerdem eine Nothilfe von insgesamt 100.000 Euro zukommen lassen.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) will dem Libanon helfen, besteht im Gegenzug aber auf nötigen Wirtschaftsreformen. Alle Möglichkeiten der Hilfe würden geprüft, erklärte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa.

Wegen einer Wirtschaftskrise war der Libanon schon vor der Explosion im Gespräch mit dem IWF für ein Rettungspaket, das vermutlich mehrere Milliarden Dollar umfassen würde. Die Verhandlungen dazu kamen bisher nur schleppend voran.    

Regierungskritische Demonstrationen

Regierungskritische Demonstranten machten ihrem Unmut in der Nacht zum Freitag Luft. Mehrere Menschen wurden bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften verletzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete. Dutzende hätten versucht, die Absperrung zum Parlamentsgebäude in der libanesischen Hauptstadt zu durchbrechen. Die Demonstranten setzten dort Werbetafeln, Bretter und Müllhaufen in Brand und warfen mit Steinen auf Sicherheitskräfte. Diese setzten teilweise Tränengas ein.

Im Libanon war es bereits seit Oktober zu Massenprotesten gekommen, die auch zum Rücktritt von Ministerpräsident Saad Hariri führten. Sie richteten sich gegen die Führung des Landes, der die Demonstranten Korruption und Verschwendung von Staatsgeld vorwerfen. Das kleine Mittelmeerland ist hoch verschuldet und steckt in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Proteste hatten das öffentliche Leben in der Hauptstadt teilweise lahmgelegt.

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