Wählen Sie Ihre Nachrichten​

115 Geflüchtete nach Bootsunglück vor libyscher Küste vermisst
International 2 Min. 26.07.2019 Aus unserem online-Archiv

115 Geflüchtete nach Bootsunglück vor libyscher Küste vermisst

Archivbild: Das norwegische Schiff "Ocean Viking", sucht im Auftrag der französischen Hilfsorganisation "SOS Mediterranee" Flüchtlinge vor der libyschen Küste.

115 Geflüchtete nach Bootsunglück vor libyscher Küste vermisst

Archivbild: Das norwegische Schiff "Ocean Viking", sucht im Auftrag der französischen Hilfsorganisation "SOS Mediterranee" Flüchtlinge vor der libyschen Küste.
Foto: Anthony Jean/SOS Mediterranee/dp
International 2 Min. 26.07.2019 Aus unserem online-Archiv

115 Geflüchtete nach Bootsunglück vor libyscher Küste vermisst

Während in Brüssel und Europas Hauptstädten um die Verteilung von Flüchtlingen gestritten wird, spielt sich im Mittelmeer die nächste Tragödie ab.

(dpa) - Nach einem schweren Bootsunglück vor der Küste Libyens werden 115 Menschen vermisst. Das sagte ein Sprecher der libyschen Küstenwache am Donnerstag und nährte damit Befürchtungen über den Tod Dutzender Menschen auf ihrer Fahrt über das Mittelmeer.


This handout photo taken on June 27, 2019 and released on June 28, 2019 by NGO Sea Watch shows rescuers evacuating a young migrant (C) for medical reason from the Sea Watch 3 rescue ship off the coast of Lampedusa. - A sick 19-year-old migrant and his young brother have been evacuated late on June 27 from a Sea-Watch rescue boat banned by Italy from docking on the island of Lampedusa, as another 40 migrants are still onboard. The stand-off between Sea-Watch 3 and the Italian authorities escalated on June 26 when the vessel entered Italian waters despite a threat of hefty fines from far-right Interior Minister Matteo Salvini. (Photo by Handout / Sea Watch / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / SEA WATCH" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS --- NO ARCHIVE ---
Tödliche Gleichgültigkeit
Eine Völkergemeinschaft, die Flüchtlinge und Schiffbrüchige nicht retten will, ist am Ende.

Nach Angaben der Internationalen Organisation ‎für Migration (IOM) könnten bei dem Unglück noch deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen sein. Es wäre das schwerste Bootsunglück im Mittelmeer des laufenden Jahres.

Die Küstenwache erklärte, mit einigen Fischern 134 Flüchtlinge aus verschiedenen afrikanischen und arabischen Ländern gerettet zu haben. Zudem sei eine Leiche aus dem Wasser geborgen worden. Insgesamt seien 250 Menschen an Bord des Holzboots gewesen, das im Küstenort Al-Chums gestartet war, sagte Marinesprecher Ajub Kassim der Deutschen Presse-Agentur.

Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten für Menschen, die nach Europa kommen wollen. Beim Versuch, es zu überqueren, kamen dieses Jahr nach IOM-Angaben bereits mehr als 680 Menschen ums Leben. Mehr als 3700 seien aufgegriffen und in Internierungslager in Libyen gebracht worden. Der nordafrikanische Staat ist ein Transitland für Tausende von Flüchtlingen.  

UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi stellt den UN-Weltflüchtlingsbericht "Global Trends" in einer Bundespressekonferenz vor. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) befürchtet ein schweres Bootsunglück im Mittelmeer mit möglicherweise bis zu 150 Toten.
UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi stellt den UN-Weltflüchtlingsbericht "Global Trends" in einer Bundespressekonferenz vor. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) befürchtet ein schweres Bootsunglück im Mittelmeer mit möglicherweise bis zu 150 Toten.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Laut IOM war aber unklar, ob die Flüchtlinge auf einem oder zwei Booten unterwegs waren. Nach Schätzungen der Organisation könnten bis 300 Menschen in Seenot gewesen sein. Am späten Abend teilte IOM mit, dass 87 Schiffbrüchige an die libysche Küste zurückgebracht worden seien. 84 von ihnen seien in das Internierungslager Tadschura gebracht worden.

Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks, Filippo Grandi, sprach auf Twitter von der "schwersten Tragödie im Mittelmeer" des laufenden Jahres. Er forderte, die Seenotrettung dort wieder aufzunehmen, die Internierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen zu beenden und mehr sichere Routen aus dem Land zu ermöglichen. "Sonst ist es für viele weitere verzweifelte Menschen zu spät", schrieb Grandi.

Die Vereinten Nationen zeigten sich "sehr besorgt" über die anhaltenden Gefahren und die mangelnde Sicherheit für Menschen auf hoher See. Alle Länder in der Region müssten sicherstellen, dass diejenigen, die ihr Leben einer solchen Gefahr aussetzten, geschützt würden, sagte ein Sprecher von UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

 Wenn wir nicht dringend etwas unternehmen, werden wir immer wieder Kinder sehen, die auf diesen Überquerungen ihr Leben verlieren.

Unicef-Chefin Henrietta Fore nannte die Nachrichten von dem Unglück "schrecklich". Sie rief dazu auf, die Seenotrettung im Mittelmeer wieder aufzunehmen und die Internierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen zu beenden.  

"Angesichts der immer wieder vorkommenden Fälle von Misshandlung, Gewalt und Tod sollte kein Kind in diesen Zentren untergebracht werden", warnte Fore.

Derzeit sind keine privaten Rettungsschiffe im Mittelmeer unterwegs. Die deutsche Organisation Sea-Eye kündigte allerdings am Donnerstag an, mit der "Alan Kurdi'" in Richtung der Rettungszone vor der libyschen Küste aufzubrechen. Dort werde sie voraussichtlich Dienstag eintreffen, erklärte die Regensburger Organisation. Innerhalb der Europäischen Union läuft ein Streit darüber, wie Flüchtlinge verteilt werden sollen, die im Mittelmeer gerettet werden. 76 Geflüchtete kamen unterdessen nach Angaben des Militärs auf Malta an, nachdem sie zuvor südlich der Inselrepublik gerettet worden waren.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema