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Zweiter Anlauf: Countdown für Bieter des Flughafens Hahn
Wirtschaft 3 Min. 27.10.2016

Zweiter Anlauf: Countdown für Bieter des Flughafens Hahn

Der Platzhirsch im Passagiergeschäft, der irische Billigflieger Ryanair, hat seinen Vertrag mit dem Airport für fünf Jahre verlängert. Das sorgt im Hunsrück für eine gewisse Zuversicht.

Zweiter Anlauf: Countdown für Bieter des Flughafens Hahn

Der Platzhirsch im Passagiergeschäft, der irische Billigflieger Ryanair, hat seinen Vertrag mit dem Airport für fünf Jahre verlängert. Das sorgt im Hunsrück für eine gewisse Zuversicht.
Foto: Reuters
Wirtschaft 3 Min. 27.10.2016

Zweiter Anlauf: Countdown für Bieter des Flughafens Hahn

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Wird weiter abgehoben vom Flughafen Hahn – oder könnte bald Schluss sein mit der Fliegerei? Am Freitag um 16 Uhr endet die Frist für konkrete Angebote für den Kauf des defizitären Hunsrück-Airports.

(dpa) - Nach der Blamage um den gescheiterten Verkauf des Flughafens Hahn im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz soll der zweite Versuch klappen. Doch in welche Zukunft steuert der Airport tief im Hunsrück?

Wird weiter abgehoben vom Flughafen Hahn – oder könnte bald Schluss sein mit der Fliegerei? Am Freitag um 16 Uhr endet die Frist für konkrete Angebote für den Kauf des defizitären Hunsrück-Airports – pünktlich zum Start des Winterflugplans. Die Schar derer, die zuletzt den Finger gehoben haben, ist bunt. Das sind mögliche Optionen für die Zukunft des Airports, der zum Großteil Rheinland-Pfalz und zum kleinen Teil Hessen gehört:

REGIONALFLUGHAFEN: Die naheliegendste Variante ist, dass der Hahn als Verkehrsflughafen erhalten bleibt. Dafür spricht, dass der Platzhirsch im Passagiergeschäft, der irische Billigflieger Ryanair, einen Vertrag mit dem Airport für fünf Jahre verlängert hat. Das wäre nicht nur der Wunsch von Flughafen-Geschäftsführer Markus Bunk. Allerdings sind vor allem die wichtigen Frachtzahlen am Hahn rückläufig.

Klar ist auch, dass der Flughafen in ein paar Jahren auf eigenen Beinen stehen muss. Die EU-Kommission hat schärfere Leitlinien für staatliche Beihilfen im Luftverkehr erlassen. Subventionen zum laufenden Betrieb von Flughäfen sind danach abnehmend nur noch bis ins Jahr 2024 möglich. Der Hunsrück-Flughafen ist laut Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro noch bis Ende November liquide. Dann könnte ein Darlehen des Landes zu Hilfe kommen.

FLUGPLATZ: Denkbar wäre auch eine Art Abstufung vom Flughafen zum Verkehrslandeplatz. Das wäre gleichbedeutend mit dem Rückzug aus der teuren Verkehrsfliegerei. Verkehrslandeplätze unterliegen weniger strengen Vorgaben – beispielsweise bei Sicherheitsanforderungen. Ein solcher Landeplatz ist der Flugplatz Bitburg, wie der Hahn einst US-Militärflughafen.

Dort war der Luxemburger Unternehmer Frank Lamparski mit dem Plan gescheitert, einen internationalen Fracht- und Passagierflughafen zu etablieren. Heute ist der Flugplatzbetrieb in Bitburg komplett in privater Hand, die Stadt Bitburg und der Eifelkreis Bitburg-Prüm sind ausgestiegen. Geworben wird um die Ansiedlung von luftfahrtnahen Unternehmen in einem Gewerbepark.

GEWERBEPARK: Diese Variante hätte keinen ständigen Flugbetrieb mehr. So soll der ehemalige Flughafen Zweibrücken genutzt werden. Er ging 2014 insolvent, die Trierer Triwo AG kaufte ihn für vier Millionen Euro. Sie ist auch unter den Interessenten für den Flughafen Hahn. Hahn-Chef Bunk hält beide Fälle aber nicht für vergleichbar.

In Zweibrücken verlangte die EU-Kommission die Rückzahlung von 47 Millionen Euro illegaler Staatsbeihilfen, was nicht möglich war. Den Hahn habe Brüssel nicht zu Rückzahlungen von Subventionen aufgefordert, betont Bunk.

TECHNOLOGIEPARK: Die rheinland-pfälzische Oppositionschefin Julia Klöckner (CDU) hält die Weiterführung des Flugbetriebs für eine Bedingung beim Verkauf. Um darüber hinaus weitere Perspektiven zu entwickeln, schlug ihre Fraktion mehrfach ein Luftfahrt-Technologiezentrum vor, an dem zum Beispiel auch Techniker ausgebildet werden könnten.

ÖKO-ENERGIEN: Der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Bernhard Braun, hofft auch auf einen Erfolg beim Verkauf. Er kann sich aber auch vorstellen, dass das Gelände für Öko-Energien genutzt wird, falls ein Flugbetrieb scheitert. Sein Vorschlag: Schon jetzt Produzenten für alternative Energien wie Biomasse oder Solar um den Hahn herum anzusiedeln.

Der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg sagt: „Ich würde mir auch sehr offen Konzepte anschauen, die Abstand davon nehmen, dort weiter Luftverkehr zu betreiben.“ Man müsse sich fragen, warum beim Hahn nicht Bieter genannt würden, die in ihrem Bereich Experten seien – Unternehmen wie DHL, TNT oder UPS. „Die großen Experten der Welt scheinen sich nicht in Frankfurt-Hahn zu verabreden.“

Auch dem Letzten sei mittlerweile klar geworden, dass man mit „Ryanair auf der grünen Wiese“ kein Geld verdienen könne – zumal wenn man in Konkurrenz zum Flughafen Frankfurt stehe. „Aus dieser Zwickmühle befreit einen auch kein Chinese.“

Der Flughafen Hahn ist hoch verschuldet. Er hatte 2015 ein Defizit von 17,4 Millionen Euro. In diesem Jahr erwarten Branchenkenner einen Fehlbetrag in ähnlicher Höhe. Ein Investor soll nach dem Willen der rot-gelb-grünen Landesregierung den Flugbetrieb möglichst fortführen. Falls das Geld knapp werden sollte, steht ein staatliches Darlehen in Höhe von 34 Millionen Euro bereit. Der Verkauf des Flughafens an die Shanghai Yiqian Trading war im Juli dieses Jahres geplatzt, weil das chinesische Unternehmen mit einer Teilzahlung für Grundstücke im Verzug war und laut Ministerium einen gefälschten Bankbeleg vorgelegt hatte.


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