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Zu viele Banken in Europa
Wirtschaft 2 Min. 16.11.2020

Zu viele Banken in Europa

Zu viele Banken in Europa, die das Gleiche tun - das schwächt die Rentabilität, so die Europäische Zentralbank in Frankfurt.

Zu viele Banken in Europa

Zu viele Banken in Europa, die das Gleiche tun - das schwächt die Rentabilität, so die Europäische Zentralbank in Frankfurt.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 2 Min. 16.11.2020

Zu viele Banken in Europa

EZB weist auf Strukturschwäche der europäischen Kreditlandschaft hin. Um gegen die niedrige Profitabilität anzukämpfen, müssten Überkapazitäten abgebaut werden.

(dpa) - Die Corona-Krise zwingt Europas Banken zu einem beschleunigten Umbau. „Die Notwendigkeit, strukturelle Probleme anzugehen, ist jetzt dringender denn je“, mahnte der Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Luis de Guindos, am Montag. 

Es sei „dringend erforderlich, strukturelle Schwächen im europäischen Bankensektor zu beseitigen, indem Überkapazitäten abgebaut und die Kosteneffizienz verbessert werden, um die anhaltend niedrige Profitabilität zu beheben“. 

Zwar hätten die Institute in der Pandemie ihre Bemühungen zur Senkung von Kosten verstärkt. Sie müssten aber noch härter auf eine höhere Effizienz hinarbeiten. 

„Konsolidierung durch Fusionen und Übernahmen ist ein weiterer potenzieller Weg, um Überkapazitäten in diesem Sektor abzubauen“, bekräftigte de Guindos in einer schriftlich veröffentlichten Rede zur Konferenz „Euro Finance Week“. 

Coronakrise lastet noch lange auf den Geldinstituten 

Nach Einschätzung der EZB werden die Banken noch lange mit den Folgen der Corona-Krise zu schaffen haben. Das Vor-Krisen-Niveau bei der Profitabilität sei nicht vor 2022 zu erwarten, führte de Guindos aus. Die Notenbank mit Sitz in Frankfurt ist seit November 2014 auch die zentrale Aufsicht für die größten Banken und Bankengruppen im Euroraum.


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Derzeit sind dies 113 Institute, die für fast 82 Prozent des Marktes im Währungsraum der 19 Länder stehen. Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mahnte die Branche bei der per Videoschalte übertragenen Konferenz, Kräfte zu bündeln. Die Zersplitterung sei das größte Strukturproblem des Sektors in Europa, betonte Sewing. „Mehr als 5.000 Finanzinstitute in Europa sind einfach viel zu viele.“ 

Wir sind vielfach schlicht nicht profitabel genug.

Von den 20 größten Banken der Welt habe keine mehr ihren Sitz in der Europäischen Union. Zwar erweise sich die Branche in der Corona-Krise als robuster als noch vor zehn Jahren, bilanzierte Sewing. „Doch wir sind vielfach schlicht nicht profitabel genug, um selbst weiteres Kapital und damit weitere Kapazität für unser Geschäft zu generieren.“ 

Der Manager, der der Deutschen Bank im Sommer 2019 einen tiefgreifenden Umbau verordnet hat, betonte: „Wir Banken müssen weiter an unseren Kosten arbeiten, wir müssen in unsere Technologie investieren, wir müssen innovativer werden.“ 

Vor allem aber müssten Banken sich auf ihre Stärken konzentrieren, sagte Sewing. „Nur mit starken Banken und einem starken Kapitalmarkt wird Europa die Mittel aufbringen für den Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie.“ 

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