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Zahl der Pubs in England auf historischem Tief
Wirtschaft 2 Min. 04.07.2022
Last orders?

Zahl der Pubs in England auf historischem Tief

Die Zahl der Pubs in England und Wales ist einer aktuellen Auswertung zufolge auf einen historischen Tiefstand gesunken. In der ersten Hälfte dieses Jahres gab es weniger als 40 000 Kneipen.
Last orders?

Zahl der Pubs in England auf historischem Tief

Die Zahl der Pubs in England und Wales ist einer aktuellen Auswertung zufolge auf einen historischen Tiefstand gesunken. In der ersten Hälfte dieses Jahres gab es weniger als 40 000 Kneipen.
Sebastian Gollnow/dpa
Wirtschaft 2 Min. 04.07.2022
Last orders?

Zahl der Pubs in England auf historischem Tief

Die Briten treibt es immer seltener in die Lokale - von denen es immer weniger gibt. Ist es der Anfang vom Ende einer Tradition?

(dpa) - In immer mehr Pubs in England ertönt zum letzten Mal die berühmte Glocke zur abschließenden Bestellung. „Last orders!“, heißt es nicht nur für Tresengäste, sondern auch für die Kneipen selbst. Die Zahl der Pubs in England und Wales ist im ersten Halbjahr auf unter 40 000 gesunken, wie eine am Montag veröffentlichte Analyse des Immobilienberaters Altus Group ergab. Das seien 7000 weniger als vor einem Jahrzehnt und vor allem: so wenige Lokale wie nie zuvor.

Der starke Rückgang überrascht. Schließlich gelten Pubs als Seele der „community“, der Gemeinden. Hier treffen sich Freunde und Familien zum Sonntagsbraten, dem Sunday Roast, hier gönnen sich Kollegen und Sportgruppen nach getaner Arbeit noch ein Pint oder vielleicht auch zwei. Wer im Londoner Stadtzentrum an einem Donnerstagnachmittag ein Feierabendbier trinken will, braucht lange, um durch die Menschenmengen zur Theke durchzudringen. Eher gibt es in einem englischen Dorf eine Kneipe als eine Kirche oder einen Laden - so jedenfalls der Eindruck vieler Touristen. Auch für viele Besucher gehört ein Besuch im Pub zum Programm.

Pub-Sterben durch Corona verstärkt

Doch die Zahlen zeichnen ein anderes Bild, ein ziemlich dramatisches. Das Pub-Sterben begann bereits vor langer Zeit, die Corona-Pandemie hat den Trend nur verstärkt. Die Gründe sind vielfältig: Das Rauchverbot, günstiger Alkohol im Supermarkt oder auch geändertes Trinkverhalten. Zudem klagen Wirte über die Biersteuern, die zu den höchsten der Welt gehörten. 

Zuletzt wurden die Pubs auch von Streiks bei den britischen Bahnen getroffen, es waren weniger Pendler unterwegs, niemand bummelte durch die Innenstädte. Das habe ihn um 25 Prozent seiner Erlöse gebracht, sagte Clive Watson, Gründer der Londoner Kneipenkette City Pub Group.


A shopper looks at empty shelves where chilled foods would normally be stocked, inside a Waitrose supermarket in London on September 7, 2021. - Sparse shelves in some shops, empty shelves in others: the shortages affecting UK businesses are also seen in supermarkets across the country, a consequence of the pandemic and Brexit. "We had already decided to reduce our stock because of the Covid, but now we are having trouble supplying ourselves with certain products because they are simply not available", laments Satyan Patel, manager of a mini-market in the center of London. (Photo by JUSTIN TALLIS / AFP) / TO GO WITH AFP STORY BY Olivier DEVOS
Mangelwirtschaft auf der Insel
In Großbritannien stocken die Lieferketten, Gastronomiebetriebe warnen vor Personalmangel und Nahrungsmittelknappheit.

Vor allem aber wird die Stimmung getrübt durch die gewaltige Inflation, die auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten gestiegen ist. Die Kosten für Energie und Waren sind explodiert. Wie die Branchenverbände British Beer and Pub Association (BBPA), British Institute of Innkeeping und UK Hospitality ermittelten, arbeitet nur gut ein Drittel (37 Prozent) der Betriebe profitabel. „Als Branche haben wir gerade die härtesten zwei Jahre seit Menschengedenken überstanden und stehen nun vor der Herausforderung extrem steigender Kosten“, sagte BBPA-Chefin Emma McClarkin.

Umwandlung in Bürofläche

Statt Pubs zu verpachten, lassen die Eigentümer sie zu Wohnungen oder Büroräumen umbauen. Die Flächen sind oft zentral gelegen und damit äußerst attraktiv. Allein seit Jahresende 2021 verschwanden nach Altus-Zahlen rund 200 Pubs in England und Wales.


In einigen Kneipen wird das Bier knapp.
In manchen britischen Kneipen wird Bier knapp
Wegen des Fahrermangels gab es zuletzt auch Nachschubprobleme bei den Fast-Food-Ketten McDonald's, Nando's und KFC.

Die Branche fordert nun erneut staatliche Hilfe - auch weil Corona-Unterstützung wie niedrigere Mehrwertsteuersätze und eingefrorene Gewerbeimmobiliensteuern endeten. „Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir Erleichterungen erhalten, um diesen Druck zu verringern, oder wir riskieren, Jahr für Jahr noch mehr Pubs zu verlieren“, sagte sie.

„Wenn Pubs gezwungen werden zu schließen, bedeutet dies einen enormen Verlust für die lokalen Gemeinden“, sagte McClarkin. Auch die Denkfabrik Localis verwies bereits im Frühling 2021 auf die zentrale Rolle der Pubs für die Gemeinden. Für viele Menschen sei der Pub-Besuch eine Möglichkeit, ihre Wohnung zu verlassen und sich mit Freunden und Nachbarn zu treffen. Sprich: Einsamkeit und soziale Isolation würden vermieden. Gingen die Pubs vor allem auf dem Land verloren, könne dies den sozialen Kitt gefährden, warnte Localis.


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