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Wirtschaftswachstum: Woher das überdurchschnittlich steigende BIP kommt
Wirtschaft 3 Min. 03.06.2017

Wirtschaftswachstum: Woher das überdurchschnittlich steigende BIP kommt

Serge Allegrezza (Statec), Yves Kuhn (BIL), Thierry Raizer (Paperjam), Franz Fayot (LSAP) und Patrick Wies (KPMG) (v.l.)

Wirtschaftswachstum: Woher das überdurchschnittlich steigende BIP kommt

Serge Allegrezza (Statec), Yves Kuhn (BIL), Thierry Raizer (Paperjam), Franz Fayot (LSAP) und Patrick Wies (KPMG) (v.l.)
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 3 Min. 03.06.2017

Wirtschaftswachstum: Woher das überdurchschnittlich steigende BIP kommt

2017 soll Luxemburgs Bruttoinlandsprodukt um knapp fünf Prozent steigen. Damit liegt das Land erneut mehr als zwei Prozent über dem Durchschnitt der Eurozone. Warum das so ist, lesen Sie hier.

(M.G.) - „Man muss den Augenblick genießen“, kommentierte Statec-Direktor Serge Allegrezza am Freitag schmunzelnd die aktuell positive wirtschaftliche Lage des Landes. „Im Moment läuft es sehr gut. Lasst uns davon profitieren.“ Seit Jahren tummelt sich Luxemburg unter den wachstumsstärksten Staaten der Eurozone und liegt über dem Durchschnitt der Euro-Länder (siehe Grafik). Diese besonders positive Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verdankt das Land zu großen Teilen seinem ausgeprägten Finanzsektor.

„Die Wirtschaftsleistung im Finanzsektor ist grundsätzlich höher als in anderen Bereichen. Dadurch haben wir insgesamt ein stärkeres Wachstum“, erklärte Franz Fayot, Abgeordneter der LSAP. Darüber hinaus sei die Branche nicht nur Arbeitgeber für viele Menschen und habe per se eine Wirtschaftsleistung, sondern sie sei auch Kunde in allen anderen Wirtschaftsbereichen, so Fayot.

Luxemburg zeichne sich außerdem dadurch aus, dass es eine sehr geschickte Nischenpolitik betreibe. „Die Fondsindustrie beispielsweise ist eine Success Story, weil wir in diesem Bereich Vorreiter waren“, erklärte Franz Fayot.

Immer auf der Suche 
nach neuen Wegen

Im Gegensatz zu kurzlebigeren Erfolgsgeschichten wie die Mehrwertsteuer im Onlinehandel beispielsweise wird Luxemburg auch in Zukunft von der Fondsindustrie profitieren können. „Die in Luxemburg geführten Fonds verwalten insgesamt rund 3700 Milliarden Euro“, erklärte Yves Kuhn, Group Chief Investment Officer der Banque Internationale à Luxembourg (BIL). Davon ausgehend, dass die europäische Bevölkerung weiter altern wird, glaubt Kuhn zum Beispiel, dass in Zukunft immer mehr in Rentenfonds investiert werde. Die Fondsindustrie sieht er daher nicht in Gefahr.

Weitere Vorteile des Großherzogtums gegenüber anderer Euro-Ländern seien, laut Kuhn, die Offenheit der Wirtschaft und die Fähigkeit die Gesetzgebung schnell an neue Gegebenheiten anpassen zu können.

Die Luxemburger Wirtschaft profitiere darüber hinaus auch davon, dass die jeweiligen Regierungen bisher immer versucht haben, neue Wege zu ergründen und innovative Wirtschaftszweige auszubauen, meinte Kuhn. Er nannte das Beispiel skandinavischer Banken, die in den siebziger Jahre nach Luxemburg gelockt worden seien, weil das Großherzogtum spezielle Gesetze zur Lohnbesteuerung hatte. „Eine derartige Pro-Business-Einstellung habe ich noch nicht bei vielen Ländern in unserer Umgebung gesehen. Viele warten erst ab und unterstützen dann Entwicklungen, die sich von allein ergeben haben.“

Unsicherheit trübt das Bild

Gleichzeitig, müsse man den Erfolg Luxemburgs allerdings etwas relativieren, meinte Kuhn. Ein Teil des Wirtschaftswachstums sei nämlich auf den massiven Bevölkerungszuwachs der vergangenen Jahre zurückzuführen. Rechne man diesen Effekt heraus, so glaubt er, sei die Leistung des Großherzogtums nicht mehr ganz so weit entfernt vom Rest der Eurozone.

Zudem dürfe man nicht aus den Augen verlieren, dass weiterhin eine gewisse Unsicherheit herrsche, mahnte Statec-Direktor Serge Allegrezza. Einschneidende Entwicklungen wie der Austritt Großbritanniens aus der EU zum Beispiel, seien nur in begrenztem Maße vorhersehbar und könnten dennoch jederzeit passieren.

Mehr Innovation und 
bessere Infrastrukturen

Um das Wachstum von morgen zu sichern – darin waren sich alle einig – müsse man sich konstant verbessern und konkurrenzfähig bleiben. Die Anstrengungen der vergangenen Jahre, die Luxemburger Wirtschaft breiter aufzustellen beispielsweise, müssten weitergeführt werden, meinte Franz Fayot.

Außerdem sollten die Bereiche Forschung und Innovation weiter ausgebaut werden, betonte Patrick Wies, Partner bei KPMG.

Damit Luxemburg konkurrenzfähig bleibt, müssen die Infrastrukturen stimmen. Eine der wichtigsten Baustellen in diesem Bereich ist sicherlich der Wohnungsbau. Die Runde war sich einig, dass hier auch in Zukunft Fortschritte gemacht werden müssen.

Neben Straßen und Häusern, gehöre auch eine konkurrenzfähige Steuergesetzgebung zur notwendigen Infrastruktur für Unternehmen, erklärte Yves Kuhn. Das sei bisher einer der großen Vorteile Luxemburgs gewesen.

Aber auch in anderen Bereichen muss die Gesetzgebung auf dem neuesten Stand sein, um für Unternehmen attraktiv zu bleiben. Ein wichtiger Baustein des Luxemburger Erfolgs ist die Fondsindustrie. Diese sei allerdings sehr reglementiert, so Yves Kuhn. „Da müssen wir in Luxemburg aufpassen, dass wir auch in Zukunft mithalten können. Ich glaube, das ist sehr wichtig.“



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