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Wirtschaftsmission in den Emiraten: Medizintechnik aus Luxemburg im Fokus
Wirtschaft 21 1 4 Min. 28.01.2020

Wirtschaftsmission in den Emiraten: Medizintechnik aus Luxemburg im Fokus

Selbstständig unterwegs: Die in Luxemburg angesiedelte Firma ExoAtlet entwickelt Exoskelette.

Wirtschaftsmission in den Emiraten: Medizintechnik aus Luxemburg im Fokus

Selbstständig unterwegs: Die in Luxemburg angesiedelte Firma ExoAtlet entwickelt Exoskelette.
Foto: Pierre Matgé
Wirtschaft 21 1 4 Min. 28.01.2020

Wirtschaftsmission in den Emiraten: Medizintechnik aus Luxemburg im Fokus

Mara BILO
Mara BILO
Bei der „Arab Health“-Messe in Dubai steht intelligente Medizintechnik aus Luxemburg im Vordergrund. Auf dem Gemeinschaftsstand der Handelskammer präsentieren sich sechs Unternehmen.

Es geschah vor einigen Jahren: Nach einem schweren Unfall ist der Bruder von Maxim Krasnoperov querschnittsgelähmt. „In Russland ist die Überlebenschance bei einem solchen Krankheitsbild nur sehr gering“, erzählt Krasnoperov. Heute geht es seinem Bruder allerdings besser – dank intelligenter Medizintechnik.

Maxim Krasnoperov ist für das „Business Development“ der Firma ExoAtlet zuständig.
Maxim Krasnoperov ist für das „Business Development“ der Firma ExoAtlet zuständig.
Foto: Pierre Matgé

Maxim Krasnoperov ist für das „Business Development“ der in Luxemburg angesiedelten Firma ExoAtlet zuständig: „Wegen des Unfalls meines Bruders wollte ich genau für eine solche Firma arbeiten.“ Denn: ExoAtlet entwickelt Exoskelette – „mechanische, maschinelle, sprich: robotische Stützstrukturen“. Krasnoperov: „Konkret geht es darum, Menschen, die beispielsweise nach einem Schlaganfall oder einer Wirbelsäulenverletzung nicht mehr laufen können, zu helfen, wieder beweglich zu sein.“ Die Entwicklungsarbeit für die Exoskelette begann vor etwa zehn Jahren in Russland; seit 2019 ist das Unternehmen in Luxemburg vertreten. Bislang wurden bereits annähernd 140 solcher Exoskelette verkauft, der Preis für die Kliniken liegt bei etwa 65 000 Euro.

Ein Gemeinschaftsstand für Luxemburg

ExoAtlet ist eine der Firmen aus Luxemburg, die derzeit bei der „Arab Health“-Messe in Dubai präsent sind. Mehr als 4 000 Unternehmen aus 64 Ländern haben die Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) angetreten, um ihr Know-how bei der größten Fachmesse für Gesundheit und Medizin internationalem Publikum vorzustellen.

Das Großherzogtum ist mit einem Gemeinschaftsstand vertreten, auf dem sich sechs Firmen präsentieren – Ceodeux Meditec, SciPharm, Ai Mediq, BioMind, ExoAtlet und Ima-x. Die Kosten für den Gemeinschaftsstand werden von der Handelskammer und dem Wirtschaftsministerium getragen, wie Edith Stein, Beraterin für internationale Angelegenheiten bei der Handelskammer, erklärt.

„Es ist wirklich eine gute Gelegenheit, neue Geschäfte zu machen und bestehende auszubauen“, stellt der „Global Sales Manager“ der Firma Ceodeux Philippe Lardenais fest.
„Es ist wirklich eine gute Gelegenheit, neue Geschäfte zu machen und bestehende auszubauen“, stellt der „Global Sales Manager“ der Firma Ceodeux Philippe Lardenais fest.
Foto: Pierre Matgé

Für die Unternehmen lohnt sich die Reise nach Dubai – das zeigt die Erfahrung des vergangenen Jahres. „Es ist wirklich eine gute Gelegenheit, neue Geschäfte zu machen und bestehende auszubauen. Wir können und dürfen solche Veranstaltungen nicht verpassen; neben der ,Medica‘-Messe in Düsseldorf, die sich ebenfalls Innovationen in der Medizintechnik widmet, ist die ,Arab Health‘-Messe die wichtigste in der Branche“, stellt der „Global Sales Manager“ der Firma Ceodeux Philippe Lardenais fest.

Das Unternehmen, das er vertritt, arbeitet unter dem Namen Rotarex – die aus Luxemburg stammende Firma beschäftigt weltweit derzeit 1 500 Mitarbeiter, davon 600 im Großherzogtum, und ist in der Gasregelungsbranche aktiv. „Wir haben ein intelligentes Ventil für Sauerstoffflaschen entwickelt“, sagt Lardenais, „unser Produkt wird vorwiegend in Krankenhäusern eingesetzt und gibt über den jeweiligen, oftmals lebenswichtigen Füllstand der Sauerstoffflaschen aktuell Auskunft.“

Auch Alexey Platonenko, Geschäftsführer der Firma Ai Mediq, ist bereits zum dritten Mal in Dubai wegen der Fachmesse für Gesundheit und Medizin. „Unsere Anwesenheit hilft es uns, unser Produkt international bekanntzumachen“, erklärt er. Seine Firma verkauft medizinische Geräte zur kardialen Rehabilitation. Ein Gerät, das im Übrigen auch im Centre Hospitalier de Luxembourg (CHL) derzeit getestet wird.

Die Firma Mediq verkauft medizinische Geräte zur kardialen Rehabilitation.
Die Firma Mediq verkauft medizinische Geräte zur kardialen Rehabilitation.
Foto: Pierre Matgé

Luxemburgs Handelskammer organisiert diesen Gemeinschaftsstand auf der „Arab Health“-Messe bereits zum zweiten Mal; im vergangenen Jahr waren ebenfalls sechs Firmen aus dem Großherzogtum vertreten, wie Edith Stein erklärt. Und die Handelskammer plant auch im Jahr 2021 erneut einen solch geballten Auftritt: „Wir haben schon erste Anfragen“, freut sich die Beraterin.

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Wirtschaftsminister Etienne Schneider und Sultan bin Saeed Al Mansoori, Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), haben am Dienstag eine Absichtserklärung – „Memorandum of Understanding“ – zwischen beiden Ländern unterzeichnet. „Wir wollen damit unsere Wirtschaftsbeziehungen formalisieren und eine gemeinsame Strategie entwickeln“, erklärt Schneider. Geplant ist, dass sich die politischen Entscheidungsträger, jeweils in Begleitung einer Wirtschaftsdelegation, künftig in jedem Jahr einmal treffen.

„Die Absichtserklärung setzt den Rahmen für unsere Zusammenarbeit“, so Schneider, „wir wollen unsere Wirtschaftsbeziehungen professioneller gestalten. Wenn die Unternehmen wissen, dass beide Regierungen gut zusammenarbeiten, werden sie verstärkt in dem jeweils anderen Land Geschäfte machen wollen.“ Der Wirtschaftsminister der VAE, Sultan bin Saeed Al Mansoori, sieht besonderes Potenzial im Logistikbereich und bei den FinTechs.


Mission économique aux Émirats arabes unis du 26 au 30 janvier 2020 - Rencontre du Vice-Premier ministre, ministre de l’Économie, Étienne Schneider, avec le CEO de la Dubai Future Foundation, Khalfan Belhoul -  Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
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„Luxemburgs gute geografische Lage an der Grenze zu Deutschland, Frankreich und Belgien, sowie die Flexibilität und Mentalität der Regierung des Landes, sprechen ganz klar für Luxemburg“, stellt Sultan bin Saeed Al Mansoori klar. Die Vorbereitungen für das Memorandum haben mehr als ein Jahr gedauert. Das erste der nun fest vereinbarten Treffen wird während der „Expo 2020“ in Dubai stattfinden; die Weltausstellung wird am 20. Oktober 2020 eröffnet und läuft bis zum 10. April 2021.

Nach dem Treffen im Wirtschaftsministerium fand anschließend in der Handelskammer in Dubai das „Luxembourg-UAE-Business-Forum“ statt – eine Gelegenheit für Luxemburger Unternehmen, neue Geschäftskontakte anzubahnen und zu knüpfen.

„Wir haben mehr als 300 Business-to-Business-Treffen organisiert“, erklärt der Direktor der Handelskammer, Carlo Thelen. Die Wirtschaftsdelegation, die in die Emirate gereist ist, besteht aus Vertretern von mehr als 60 Unternehmen aus Luxemburg.

„Nicht jeder Geschäftskontakt zahlt sich direkt aus“, so Carlo Thelen, „aber durch diese Veranstaltungen werden die Weichen für potenzielle Kooperationen zwischen den Firmen gestellt.“


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