Wirtschaftsmission

Gemeinsamkeiten mit einem Wüstenstaat

Noch bis Ende der Woche läuft eine Luxemburger Wirtschaftsmission in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Noch bis Ende der Woche läuft eine Luxemburger Wirtschaftsmission in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Gerry Huberty

Von Maxime Gillen (Dubai)

Es ist hinlänglich bekannt, dass Wirtschaftsminister Etienne Schneider Luxemburg zum Vorreiter in Sachen „Spacemining“ machen will. Nun beschloss der Minister die Zusammenarbeit in diesem Bereich mit einem, auf den ersten Blick, ungewöhnlichen Partner. Denn in Abu Dhabi, einer Stadt voller Hochhäuser umringt von Wüste und Meer und einer Außentemperatur von 35 Grad im Oktober, sind die Gemeinsamkeiten mit Luxemburg nicht unbedingt offensichtlich.

Doch beide Länder verbinde ihr Interesse am Thema „Spacemining“ sowie die Tatsache, dass sie es sich leisten können, langfristig zu denken, meinte Minister Schneider. Tatsächlich engagieren sich die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bereits seit einiger Zeit in diesem Bereich. Mit dem Projekt „Mars City“ sollen unter anderem Möglichkeiten des Transportes zum Mars sowie die Versorgung von Menschen auf dem Roten Planeten erforscht werden. Kostenpunkt des Projektes liegt bei rund 115 Millionen Euro. Die Zusammenarbeit zwischen Luxemburg und der Weltraumbehörde der VAE sieht allerdings kein Austausch von Geldmitteln vor.

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Gemeinsamer Druck auf die Vereinten Nationen

Da sich die Arbeit der luxemburgischen Behörden nicht auf die tatsächliche Förderung von Ressourcen im Weltall bezieht, konzentriert sich die Kooperation mit der „Space Agency“ der Emiraten auf das Schaffen eines rechtlichen Rahmens für diese Art von Aktivitäten. Im Wesentlichen bedeutet das, dass beide Seiten in diesem Bereich zukünftig alle Erkenntnisse ihrer Recherchen untereinander austauschen, erklärte Minister Schneider gestern anlässlich der Unterzeichnung dieser Absichtserklärung, die in Anwesenheit des Erbgroßherzogs Guillaume und seiner Frau Stéphanie stattfand. Das erbgroßherzogliche Paar eröffnete später noch das "Abu Dhabi Luxemburg Business Forum", an dem Wirtschaftsvertreter beider Länder teilnahmen.

Gemeinsam möchte man vielmehr den Druck auf die Vereinten Nationen ausüben, den sogenannten „Weltraumvertrag“ von 1967 zu überarbeiten. „Der Vertrag sieht die Förderung von Ressourcen im Weltraum nicht vor, verbietet sie aber auch nicht explizit“, erklärte der Minister.

Cargolux und Emirates bauen Partnerschaft aus

In Dubai, rund 120 Kilometer weiter westlich entlang der Küste des Persischen Golfs, findet sich ein weiteres verbindendes Element zwischen den VAE und dem Großherzogtum, nämlich ihre Fluggesellschaften. Vor knapp einem halben Jahr haben Emirates SkyCargo und Cargolux beschlossen zusammenzuarbeiten, um Platz in den Flugzeugen des jeweils anderen nutzen zu können. Diese Zusammenarbeit habe so gut funktioniert, dass man nun bereit war, noch einen Schritt weiter zu gehen, erklärten die Verantwortlichen der Airlines gestern anlässlich der Vertragsunterzeichnung, der der Minister für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, François Bausch, ebenfalls beiwohnte.

Fortan kann die Luxemburger Fluggesellschaft Waren ihrer Kunden mit Cargolux-Frachtbriefen und Flugnummern auf Emirates-Flügen transportieren, und umgekehrt. „So können wir unseren Kunden einen noch besseren Service anbieten“, erklärte Richard Forson, CEO von Cargolux. Viele der Emirates-Passagierflugzeuge können im Rumpf Fracht transportieren. Mit knapp 160 verschiedenen Zielflughäfen verfügt die Airline über ein riesiges Netzwerk. Diese „Belly-capacity“ im Rumpf der Emirates-Flugzeuge kann Cargolux fortan frei nutzen und damit ihre Attraktivität für Kunden steigern. Gleichzeitig kann Emirates SkyCargo Fracht auf Cargolux-Flügen auf Strecken unterbringen, auf denen die Fluggesellschaft nicht so gut vertreten ist, wie in China zum Beispiel. „Cargolux ist sehr gut vernetzt in China“, betonte Henrik Ambak, Senior Vice President von SkyCargo. „Unter anderem in dieser Region wollen wir auf Frachtkapazitäten der Cargolux zurückgreifen.“

Trotzdem stehen die beiden Fluggesellschaften weiter in Konkurrenz zueinander. Diese Zusammenarbeit erlaube beiden Airlines ihre eigene Identität zu behalten und dennoch von einer Kooperation zu profitieren, so Minister Bausch. „Wir arbeiten ausschließlich auf operativer Ebene zusammen und nicht in den Bereichen Verkauf und Marketing“, erklärte Nabil Sultan, Divisional Senior Vice President bei Emirates. „Wir sind unterschiedlich genug, um zusammenarbeiten zu können, das heißt, die Gewinne, die wir durch diese Zusammenarbeit erzielen, überwiegen die Verluste bei Weitem“, so Henrik Ambak.