Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Wirbel um Cargolux
Wirtschaft 3 Min. 26.08.2014 Aus unserem online-Archiv
Cargolux Italia erhält zweiten Flieger

Wirbel um Cargolux

Die Gewerkschaft LCGB bemängelt, dass neue Jobs in Italien geschaffen werden.
Cargolux Italia erhält zweiten Flieger

Wirbel um Cargolux

Die Gewerkschaft LCGB bemängelt, dass neue Jobs in Italien geschaffen werden.
Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 26.08.2014 Aus unserem online-Archiv
Cargolux Italia erhält zweiten Flieger

Wirbel um Cargolux

Die Gewerkschaft LCGB und die Pilotenvereinigung ALPL prangern den Transfer eines zweiten Cargolux-Fliegers an die italienische Tochter der Frachtfluggesellschaft an. Sie befürchten Outsourcing. Cargolux relativiert.

(alex) - „Die Cargolux liefert keine einleuchtende Erklärung für die Auslagerung einer zweiten Maschine nach Italien“, sagt Gewerkschaftssekretär Aloyse Kapweiler vom LCGB.

Die Gewerkschaft könne alle aufgeführten Gründe widerlegen. Daher könne es nur eine Erklärung für die Auslagerung eines weiteren Flugzeugs nach Italien geben: „Die Cargolux verfolgt 
eine Outsourcing-Strategie.“ Nach weiteren Flugzeugen könnten andere Bereiche wie etwa die Wartung folgen.

Von den 20 Flugzeugen der Cargolux fliegt bislang eine Maschine für die italienische Tochter. Letztere wurde 2008 gegründet, um der Frachtfluggesellschaft die Möglichkeit zu geben, von Mailand nach Osaka, Hong-Kong und Dubai zu fliegen.

Die Zeiten
 haben sich geändert

Seither habe die Gesetzgebung sich aber geändert und die Cargolux könne auch ohne ihre italienische Tochtergesellschaft von Italien nach Japan oder Dubai fliegen. Die Gewerkschaft und die Pilotenvereinigung ALPL ließen sich diese Tatsache durch ein unabhängiges Gutachten bestätigen.

„Wir kennen dieses Gutachten“, sagt seinerseits Cargolux-CEO Dirk Reich. Die Gewerkschaft berufe sich auf ein europäisches Gesetz. „Leider ist es aber in der Realität so, dass außerhalb von Europa die Länder noch immer bilaterale Verhandlungen führen“, sagt der Cargolux-Chef. „Ich nehme an, dass das in zehn Jahren nicht mehr der Fall sein wird und das begrüßen wir auch“.

Der Transfer eines zweiten Flugzeugs nach Italien stößt bei der Gewerkschaft umso mehr auf Unverständnis, als dass die Tochtergesellschaft, die zu 90 Prozent der Cargolux gehört, in fünf von sechs Jahren einen Verlust eingeflogen hat. Die Cargolux-Führung rechtfertige das zweite Flugzeug hingegen mit einer Steigerung der Rentabilität der Tochtergesellschaft, heißt es.

„Die Diskussion um die Route ist ja nicht neu“, sagt Reich. „Die Rentabilität wurde mehrmals geprüft und wir wollen den Standort beibehalten“.

25 Piloten in Italien eingestellt

Um die zweite Boeing von Italien aus zu bedienen, stellt Cargolux Italia 25 neue Piloten im südeuropäischen Land ein. Flogen anfangs noch Piloten mit einem 
luxemburgischen Vertrag für die Tochterfirma, muss letztere eigenen Angaben zufolge seit 2010 ihre Piloten nach italienischem Recht einstellen. „Doch auch dadurch werden keine Kosten gespart“, sagt Kapweiler. Rechne man alles genau nach, kämen die Piloten auf ein vergleichbares Gehalt wie ihre luxemburgischen Kollegen.

„Die Crews in Italien verdienen weniger als jene in Luxemburg und sind zudem produktiver“, kontert Dirk Reich. Für ihn ist das auch der eigentliche Grund der im Vorfeld der Kollektivvertragsverhandlungen losgetretenen Diskussion. „Die Gewerkschaften wollen die Schließung der italienischen Tochter“.

Für die Cargolux gehe es jedoch darum, zu marktüblichen Konditionen zu fliegen und die Produktivität zu steigern. „Es geht ums Überleben“, sagt Reich. Aus diesem Grund seien 25 Piloten in Italien und weitere 50 in Luxemburg eingestellt worden und nicht etwa 75 Piloten in Luxemburg.

"In Luxemburg geht Arbeit verloren"

Die 25 nicht geschaffenen Arbeitsplätze sind aber nicht die einzige Sorge der Gewerkschaft. „Es werden auch noch zwei weitere Routen an Cargolux Italia ausgelagert“, sagt Kapweiler. „Dadurch geht Arbeit in Luxemburg verloren“.

„Das ist nur temporär und technischen Problemen geschuldet“, sagt seinerseits Reich. Außerdem werde die luxemburgische Flotte durch den Transfer nicht kleiner, denn die Cargolux erhalte kommenden Monat eine neue Boeing 747, während ein älteres Modell nach Italien gehe. „Unsere Flotte schrumpft nicht“, sagt Reich.

Die Cargolux zeigte sich „sehr überrascht“ von der Pressekonferenz, die eigens zu dem Thema von LCGB und ALPL anberaumt wurde. Aber: „Ich möchte kein Öl ins Feuer gießen“. Schließlich befänden sich beide Parteien mitten in den Vorbereitungen für die anstehenden Tarifverhandlungen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Gewerkschaften sind besorgt
Nach monatelanger Ungewissheit dürfte heute die Entscheidung über den Ausbau der italienischen Tochtergesellschaft im Verwaltungsrat der Cargolux fallen.
Richard Forson, CFO von Cargolux, zeigte sich bei der Pressekonferenz am Freitag besorgt. Nur ein Ausbau der Tochtergesellschaft könne die Wettbewerbsfähigkeit der Frachtgesellschaft steigern.
Drei weitere Flugzeuge der Cargolux könnten bald von Luxemburg nach Italien ausgelagert werden, und dies obwohl die Produktivität in Luxemburg nicht ausgeschöpft und die Kosteneinsparung gering sei, beteuert die luxemburgische Pilotenvereigung.
Der Transfer von Fliegern nach Italien ermögliche es, die Bilanz der italienischen Airline aufzupolieren, so Dirk Becker der ALPL.
Mehr Flieger für Cargolux Italia
Die luxemburgische Luftfrachtgesellschaft sieht den Transfer von bis zu drei Maschinen an ihre italienische Tochtergesellschaft vor. Danach sollen sie mitsamt italienischer Crew nach Luxemburg geleast werden.
Neben dem Ausbau von Cargolux Italia, sorgt auch das geplante Joint Venture mit HNCA bei den Gewerkschaften für Unruhe.
Keine Lösung bei Cargolux
Nachdem Cargolux vor zwei Wochen seinen Mitarbeitern erstaunlicherweise den Kollektivvertrag gekündigt hatte, konnten sich Direktion und Gewerkschaften auch am Mittwoch nicht einigen.
Von jetzt an erfolgen die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der Cargolux-Direktion vor dem Schlichtungsamt.
Streit um italienische Tochter
Die Gewerkschaft LCGB droht Cargolux mit Dienst nach Vorschrift. Sie bemängelt, dass das Unternehmen mit seiner italienischen Tochtergesellschaft Flugrouten bedient, die zuvor vom Großherzogtum aus gestartet wurden.
Cargolux will an seiner italienischen Tochter festhalten.