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Wer zuerst kommt
Leitartikel Wirtschaft 2 Min. 16.10.2019

Wer zuerst kommt

Die Osiris-Rex-Sonde der Nasa nähert sich dem Asteroiden 1999RQ36.

Wer zuerst kommt

Die Osiris-Rex-Sonde der Nasa nähert sich dem Asteroiden 1999RQ36.
Fotomontage: AFP
Leitartikel Wirtschaft 2 Min. 16.10.2019

Wer zuerst kommt

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Ein Land, das sich früh im lukrativen Geschäft mit den Weltraumressourcen positioniert, kann zu einem wichtigen Player werden.

Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt ein Sprichwort, an das sich wohl auch Wirtschaftsminister Etienne Schneider erinnerte, als er 2016 das Projekt „Space Resources“ lancierte.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Seit Mitte 2017 hat Luxemburg als einziges Land in Europa ein Gesetz, das den Weltraum-Bergbau regelt. Sozusagen als dritter Akt eines international Aufsehen erregenden Coups ging 2018 die nationale Weltraumagentur LSA an den Start. 

Der gesetzliche Rahmen bildete die Basis für ein Biotop aus dutzenden Start-up-Firmen, privaten Investoren und Innovationen. Mittlerweile gehört das kleine Großherzogtum zu den ersten Adressen im Wettlauf um die begehrten und reichlich vorhandenen Rohstoffe aus dem All. Sogar die Universität bietet eine Ausbildung zum „Space Master“ an. 

Bis zum „Silicon Valley für Weltraumressourcen“, als das der amerikanische Fernsehsender CNBC in einem Bericht über den „Goldrausch des 21. Jahrhunderts“ Luxemburg bezeichnete, mag es noch eine Weile dauern, doch die Richtung stimmt. 


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Die Bruchlandung der Vorzeigefirma Space Resources, das der Regierung zwölf Millionen Euro Verlust bescherte, sollte nicht als Beweis dafür herhalten, dass das ganze Vorhaben des Bergbaus auf dem Mond oder auf Asteroiden ein Hirngespinst sei. Verlust und Risiko gehen halt eben Hand in Hand, zumal in einer aufstrebenden Branche, die zwar noch in den Kinderschuhen steckt, aber gewaltiges Potenzial besitzt. 

Wird dem Wirtschaftsminister eines Tages ein Denkmal gesetzt für seine vorausschauende Idee, mit staatlichen Mitteln private Initiativen bei der wirtschaftlichen Nutzung des Weltraums zu fördern? Wohl kaum. Für Pierre Werner, ohne dessen Einsatz und Wagnisbereitschaft es keine SES-Satelliten geben würde, hat es auch nicht zum Denkmal gereicht. 

Wie einst am Klondike werden derzeit die Claims im Weltall abgesteckt

Die Geschichte kennt bekanntlich nur Sieger. Ende des 15. Jahrhunderts gab es sicherlich viele Zweifler, die nicht an die Pläne eines Kolumbus und eines Magellan glaubten. Was wäre gewesen, wenn die spanische Krone auf diese Neider gehört hätte? Ferdinand und Isabella hingegen ließen sich auf ein finanzielles Wagnis ein, investierten in die Flotten der Entdecker, und machten damit wohl das beste Geschäft aller Zeiten. Spanien wurde zur ersten globalen Weltmacht. 

In der Raumfahrt herrscht Aufbruchstimmung. Private Firmen wie Space X oder Blue Origin mischen an der Seite von immer zahlreicheren staatlichen Akteuren mit, die USA wollen bis zum Jahr 2024 wieder auf dem Mond sein, die Europäer planen eine Mondstation. Da ist es praktisch, dass es im All einen Vorrat an nötigen Rohstoffen gibt, die vor Ort abgebaut werden können, und somit teure Transporte von der Erde überflüssig machen.

Luxemburg hat sich mit seinem Engagement für „Space Resources“ einen Platz in der ersten Sprosse der Wertschöpfungskette bei der Erforschung des Weltraums geschaffen. Der Zeitpunkt dafür ist gut gewählt. Wie einst am Klondike werden derzeit die Claims im Weltall abgesteckt, um handfeste kommerzielle Vorteile zu sichern.


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