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Wenn ein Flug im Schnitt 330 Euro kostet
Eine Kerosinsteuer könnte den CO2-Ausstoß in der Europäischen Union um elf Prozent drücken.

Wenn ein Flug im Schnitt 330 Euro kostet

Bild: pexels.com
Eine Kerosinsteuer könnte den CO2-Ausstoß in der Europäischen Union um elf Prozent drücken.
Wirtschaft 2 Min. 14.05.2019

Wenn ein Flug im Schnitt 330 Euro kostet

Eine europäische Kerosinsteuer könnte den Kohlendioxidausstoß der Luftfahrt um elf Prozent senken – das geht aus einer Untersuchung der EU-Kommission hervor. Negativer Effekt für Verbraucher: Flugtickets würden empfindlich teurer.

(dpa/jt) - Eine europäische Steuer auf Flugbenzin könnte den Kohlendioxid-Ausstoß aus der Luftfahrt laut einer Studie um elf Prozent drücken, weil Tickets teurer würden und weniger Leute das Flugzeug nähmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der EU-Kommission, die der Verband Transport & Environment am Montag veröffentlichte.


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Die Kommission wollte sich dazu nicht äußern. Eine Sprecherin bestätigte aber, man prüfe in mehreren Studien, ob Energiesteuern zum Erreichen von EU-Umwelt- und Klimazielen beitragen könnten. Angepackt werden könnte dies frühestens nach der Europawahl.

Die wichtigsten Erkenntnisse der vom T&E ins Internet gestellten Studie: Würde die traditionelle Steuerbefreiung für Kerosin abgeschafft, dann würden Flugtickets im Durchschnitt zehn Prozent teurer. Ein Flugticket in der EU würde dann im Schnitt 333 Euro kosten, schreibt die "Financial Times" unter Berufung auf die Studie. Voraussetzung ist eine Besteuerung auf den derzeitigen Mindestpreis für Kerosin in der EU – 330 Euro pro 1.000 Liter Flugtreibstoff. 

Die höheren Ticketpreise würden die Nachfrage durch Passagiere der Untersuchung zufolge um elf Prozent drücken, was auch elf Prozent der Jobs und der Wertschöpfung in der Luftfahrtbranche kosten könnte. Um ebenfalls elf Prozent würde der Ausstoß von Kohlendioxid zurückgehen.

Unterm Strich würde die Steuer Wirtschaft und Beschäftigung aber laut Studie nicht schaden. So heißt es: „Die höheren Finanzeinnahmen würden die negativen Effekte auf Beschäftigung und Wertschöpfung vollständig wettmachen, was die Auswirkungen auf Beschäftigung und Bruttoinlandsprodukt vernachlässigbar macht.“


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Wegen der stark steigenden Anzahl der Flugreisen wächst der Ausstoß von Kohlendioxid aus Flugzeugen. Die EU hat sich vorgenommen, bis 2030 mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgase zu produzieren als 1990. Frankreich und sieben weitere Länder (darunter Luxemburg) versuchen allerdings, Unterstützung für ehrgeizigere Klimaziele zu finden. Bis 2050 soll die EU demnach keine Klimagase mehr in die Atmosphäre blasen. Deutschland begrüßte die Initiative, will sich jedoch nicht anschließen. Grund sei, dass die deutschen Klimaziele bis 2050 von der Zielsetzung der anderen Länder abwichen.

Forderungen nach einer Kerosinsteuer kommen unter anderem aus den Niederlanden: Der sozialdemokratische Europa-Spitzenkandidat Frans Timmermans forderte diese Maßnahme ein, um den Steuervorteil für klimaschädliche Flugreisen auszugleichen. Auch sein konservativer Gegenspieler Manfred Weber betonte bei einer TV-Debatte, er wolle die steuerliche Ungleichbehandlung von Bahn, Auto- und Flugreisen beenden. Das sei ein „wunder Punkt“. Die Niederlande sind auch Teil einer Koalition der Finanzminister für Klimaschutz, die im April gegründet wurde. Auch Luxemburg schloss sich dieser Initiative an.

Kerosin ist bis heute steuerfrei. Die Luftfahrtbranche lehnt eine Kerosinsteuer ab. Hohe Treibstoffkosten haben Konzernen wie Air France-KLM, der  British-Airways-Mutter IAG oder Lufthansa zuletzt die Geschäftsbilanzen verhagelt, schreibt die "Financial Times".


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