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Wenn Apps zur Bankfiliale werden
Wirtschaft 4 Min. 14.05.2019

Wenn Apps zur Bankfiliale werden

Wenn Apps zur Bankfiliale werden

BIld: shutterstock
Wirtschaft 4 Min. 14.05.2019

Wenn Apps zur Bankfiliale werden

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Immer mehr Luxemburger nutzen Mobile Banking, trauen aber automatisierter Anlageberatung nicht über den Weg.

Mit Apps auf Smartphone oder Tablet lassen sich viele Geldangelegenheiten erledigen: einfach von unterwegs den Kontostand abfragen, vom Sofa aus Geld überweisen oder an Stelle von Münzen und Scheinen an der Kasse mit dem Handy bezahlen – 68 Prozent der Luxemburger Verbraucher nutzen diesen Weg für ihre Bankgeschäfte.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des niederländischen Bankhauses ING, die in 13 europäischen Ländern, Australien und in den USA durchgeführt wurde; in Luxemburg wurden vom 30. Januar bis zum 11. Februar 2019 rund 500 Einwohner befragt. „Mobile Banking ist und bleibt in Luxemburg sehr beliebt“, stellt Ingrid Ballesca, Market Intelligence Analyst bei ING Luxemburg, fest.

Begründen lässt sich das auch dadurch, dass im Vergleich mit anderen Ländern in Luxemburg deutlich mehr Menschen ein mobiles Gerät besitzen. Laut Studie liegt die Verbreitung des Tablets in Luxemburg mit rund 68 Prozent deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 58 Prozent. Die Verbreitung des Smartphones ist mit 91 Prozent auf dem gleichen Niveau wie im europäischen Durchschnitt.


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Bemerkenswert ist, dass private Bankgeschäfte längst nicht mehr nur am Computer zu Hause abgewickelt werden – 46 Prozent der Luxemburger Verbraucher nutzen mehrere Geräte. Allerdings zeigt die Studie, dass es keine eindeutigen Präferenzen für spezifische Geräte gibt. Ingrid Ballesca: „Die Zugänglichkeit des Geräts ist grundsätzlich der wichtigste Aspekt“.

Sicherheitsbedenken

Der luxemburgische Konsument ist der Studie zufolge gegenüber neuen Technologien deutlich aufgeschlossen, hat aber noch nicht volles Vertrauen in die Sicherheit des Mobile Bankings; keines der verschiedenen Authentifizierungsverfahren wird zu 100 Prozent als sicher empfunden.

„Die Verbraucher wissen sehr wohl, dass es kein Werkzeug gibt, das sie in seiner Gesamtheit schützt“, sagt Ingrid Ballesca. Und so wird die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung in Luxemburg am meisten benutzt, 71 Prozent der Luxemburger gehen davon aus, dass es sich zumindest um ein „sicheres oder eher sicheres“ Verfahren handelt. Methoden wie Fingerabdruck oder Gesichts-Scan sind noch längst kein Standard, werden von den Luxemburger auch als „weniger sicher“ wahrgenommen.

„Die Sicherheit ist allen luxemburgischen Verbrauchern ein großes Anliegen“, weiß auch Giorgio Bruins, Head of Digital bei ING Luxemburg, und beschreibt implantierte Mikrochips als möglicher „nächster Schritt“ im internationalen Bankwesen. Allerdings: Diese Implantate, mit denen sich Smartphone- und Tabletnutzer identifizieren können, werden in Luxemburg von lediglich 14 Prozent befürwortet; in der Türkei liegt die Zustimmung bei 45 Prozent, in Spanien bei 27 Prozent. Und im europäischen Durchschnitt können sich 24 Prozent der Befragten mit dieser Lösung anfreunden.

Open Banking: „Nein Danke“

Misstrauisch zeigen sich die Luxemburger auch gegenüber dem sogenannten „Open Banking“; der Begriff beschreibt die Öffnung der Banken und ihrer Daten für Drittanbieter. Mit der europäischen Richtlinie PSD2 wird Open Banking im September zur verbindlichen Verpflichtung für alle Finanzinstitute innerhalb der EU; im Großherzogtum ist es bereits jetzt teilweise umgesetzt. Die Branche verspricht vom Open Banking viel Potenzial, allerdings beklagen in Luxemburg 67 Prozent der Befragten ein großes Informationsdefizit.

Die Studie zeigt auch, dass in Luxemburg Bankkunden im Unterschied zu jenen in Deutschland oder Österreich nur geringe Bereitschaft zeigen, dritten wie Facebook oder Google Zugang zu ihren Bankdaten zu gewähren; 56 Prozent würden keine Zustimmung geben oder haben zumindest große Bedenken.

Ingrid Ballesca, Market Intelligence Analyst bei ING Luxemburg.
Ingrid Ballesca, Market Intelligence Analyst bei ING Luxemburg.
Pierre Matgé

„In Deutschland und Österreich, wo die Weitergabe von Finanzdaten bereits angewandt ist, fühlen sich nur 27 Prozent, beziehungsweise 28 Prozent unsicher. Diese Länder haben bereits langjährige Erfahrungen mit Open Banking“, erklärt Giorgio Bruins.

Die Automatisierung der Finanzgeschäfte durch Algorithmen, sogenannte Finanzroboter, stoßen weiterhin auf Skepsis bei einer deutlichen Mehrheit der Befragten: In Luxemburg sind 74 Prozent dagegen, dass Roboter aktiv bestimmen, wie ihr Geld angelegt wird. „Die Luxemburger Bankkunden wollen ihren Entscheidungsspielraum nicht verlieren“, so Ingrid Ballesca.

Erheblich geringer ist die Ablehnung gegenüber Roboter-Beratungen oder Robo-Advisor – hier zeigen nur 41 Prozent Widerstand: „Vor allem jüngere Bankkunden haben weniger Probleme mit der automatisierten Finanzberatung, 43 Prozent der jungen Menschen in Luxemburg im Alter zwischen 18 und 24 Jahren stehen dem grundsätzlich positiv gegenüber“.

Auf neuestem Stand der Technik

Auch wenn die Luxemburger viele neue Technologien misstrauisch beäugen – vorausgesetzt wird von 75 Prozent dennoch, dass die jeweilige Hausbank auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklungen ist. Vor allem wünschen sie sich, dass die von den Banken angebotenen Dienstleistungen auf allen mobilen Geräten nutzbar werden – mit 83 Prozent liegt Luxemburg hier deutlich über dem europäischen Durchschnitt (77 Prozent).

Die Hauptbotschaft, die wir aus dieser neuen Studie ziehen können ist, dass Mobile Banking bei den Luxemburgern immer beliebter wird, dass die Luxemburger Verbraucher erwarten, dass ihre Banken auf dem neuesten Stand der Technik sind.“

Aber: Trotz aller neuer Technologie geben noch immer 65 Prozent der Luxemburger an, in eine Bankfiliale zu gehen; in Europa sind es 70 Prozent. Bemerkenswert ist vor allem, dass auch die jüngere Generation Wert auf die physische Präsenz ihrer Bank legt.

 Giorgio Bruins, Head of Digital bei ING Luxemburg
Giorgio Bruins, Head of Digital bei ING Luxemburg
Pierre Matgé

„Die Hauptbotschaft, die wir aus dieser neuen Studie ziehen können ist, dass Mobile Banking bei den Luxemburgern immer beliebter wird, dass die Luxemburger Verbraucher erwarten, dass ihre Banken auf dem neuesten Stand der Technik sind“, fasst Ingrid Ballesca zusammen. „Dennoch ist man im Großherzogtum noch immer zurückhaltend, wenn es um Neuigkeiten geht und Trends, die noch nicht ausprobiert werden konnten. Haben die Luxemburger neueste Technologien dann aber selbst erfahren, wächst ihr Vertrauen und das Gefühl der Sicherheit.“


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