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Weniger Beschäftigte, stabile Wertschöpfung
Wirtschaft 3 Min. 05.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Logistikbranche

Weniger Beschäftigte, stabile Wertschöpfung

Rund 800 Firmen umfasst die luxemburgische Branche. 12500 Beschäftigte sind in den Betrieben tätig und erwirtschaften einen Umsatz von fast vier Milliarden Euro (Schätzung 2015).
Logistikbranche

Weniger Beschäftigte, stabile Wertschöpfung

Rund 800 Firmen umfasst die luxemburgische Branche. 12500 Beschäftigte sind in den Betrieben tätig und erwirtschaften einen Umsatz von fast vier Milliarden Euro (Schätzung 2015).
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 05.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Logistikbranche

Weniger Beschäftigte, stabile Wertschöpfung

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Trotz rückläufiger Beschäftigtenzahlen in der luxemburgischen Logistikbranche ist die geleistete Wertschöpfung recht stabil geblieben. Knapp 800 Firmen erwirtschaften einen Umsatz von fast vier Milliarden Euro.

(aa) - Trotz rückläufiger Beschäftigtenzahlen in der luxemburgischen Logistikbranche ist die geleistete Wertschöpfung nach Informationen des „Cluster for Logistics“ recht stabil geblieben (Bilan Compétitivité 2016 ab Seite 165). Zum einen habe die wirtschaftliche Rezession einen gewissen Druck auf die Transportindustrie ausgeübt, zum anderen könne auch die Automatisierung eine gewisse Rolle gespielt haben. Außerdem seien die Beschäftigtenzahlen von Akteuren wie Amazon nicht mit einbezogen, so Cluster-Manager Malik Zeniti.

Knapp 800 Firmen umfasst die luxemburgische Branche nach Informationen des Clusters. 12500 Beschäftigte sind in den Betrieben tätig und erwirtschaften einen Umsatz von fast vier Milliarden Euro (Schätzung 2015).

Luxemburg auf Platz zwei, 
gleich hinter Deutschland

Dass sich Luxemburg in der Logistikbranche alles andere als schlecht geschlagen hat, zeigt der spezifische Leistungsindex der Weltbank, der für 160 Länder sechs Kriterien zugrunde legt: Zoll, Infrastruktur, internationale Transporte, logistische Kompetenz, Weiter- und Rückverfolgung von Sendungen und Pünktlichkeit. Alle zwei Jahre wird das Ranking 
aktualisiert.

2016 kletterte Luxemburg auf Platz zwei hinter den Branchenprimus Deutschland. 2014 stand Deutschland bereits auf Platz eins, Luxemburg auf Rang acht. „2018 möchten wir unsere Position auf dem Podium verteidigen“, so Zeniti, der am Mittwochmorgen in der Handelskammer auch ein wenig persönlich Bilanz zog. Zum 1. Mai 2015 hatte er diese Aufgabe übernommen, d. h. er ist nun bald zwei Jahre im Amt.

Malik Zeniti ist seit fast zwei Jahren Manager des „Cluster for Logistics“.
Malik Zeniti ist seit fast zwei Jahren Manager des „Cluster for Logistics“.
Foto: Guy Jallay

Der Cluster-Manager ging auf einige bedeutende aktuelle Projekte ein: So habe der Logistikkonzern Kuehne+Nagel seine Aktivitäten in Luxemburg deutlich ausgeweitet und in Contern ein neues Warenlager errichtet. Dabei ist fast die Hälfte der Fläche für das japanische Elektronik- und Maschinenbau-Unternehmen Fanuc, das für seine Industrieroboter bekannt ist. Fanuc-Produkte werden in Contern nicht nur umgeschlagen, sondern an die Bedürfnisse der Kunden angepasst.

Im Bereich der Luftfracht entwickle sich das Pharma- und 
Healthcare-Center gut, sagte Zeniti. Was die zentrale Anlaufstelle des Projektes „Single Window for Logistics“ anbelange, so werde bereits seit nunmehr sieben Jahren daran gearbeitet, und das Thema sei sehr komplex. So gehe es nicht nur darum, vorhandene Abläufe zu digitalisieren, sondern auch zu optimieren.

„Die größten Effekte sind in den kommenden beiden Jahren zu erwarten“, meint Malik Zeniti. Bis die zentrale Anlaufstelle vollumfänglich genutzt werden kann, wird es also noch dauern, auch wenn einige Akteure ungeduldig darauf warten.

Zugverbindung nach China möglichst gut auslasten

Dann werde im Juni das neue Terminal der Multimodal-Drehscheibe der CFL in Bettemburg eingeweiht. Außerdem werde bekanntlich an einer Zugverbindung gearbeitet, die irgendwann China mit Luxemburg verbinden soll. „Damit werden Güter statt vier Wochen per Schiff nur noch zwei Wochen unterwegs sein“, so Zeniti.

Allerdings ist das Vorhaben nicht so einfach zu realisieren, wie der Cluster-Manager einräumt. Ein ausgelasteter Zug auf der 10000 Kilometer langen Strecke umfasse zirka 40 Container und 1600 bis 1800 Tonnen Ladung. Dabei werde möglichst eine Auslastung in beide Richtungen angestrebt – und zwar möglichst regelmäßig und nicht nur im Charterbetrieb.

Als Vorschlag für ein künftiges Kompetenzzentrum in Luxemburg wurde am Mittwoch noch das Feld der Robotik genannt, also eine Form der Automation, wobei Maschinen Menschen zur Hand gehen oder Aufgaben übernehmen.

Um den Bedarf an Fachkräften zu decken, gibt es inzwischen verschiedene Bildungsinitiativen in Luxemburg. So absolvieren bereits 50 Schüler eine Ausbildung zum Logistiker. Außerdem bietet die Uni Luxemburg einen Masterstudiengang im Bereich Supply-Chain-Management an.

Um die Vielfalt der Aufgaben in der Logistikbranche darzustellen, gewähren am 27. April, dem Tag der Logistik, verschiedene Unternehmen allen Interessierten Einblick in ihre Betriebe.


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