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Welttourismus: Das schlimmste Jahr von allen
Wirtschaft 2 Min. 29.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Welttourismus: Das schlimmste Jahr von allen

Welttourismus: Das schlimmste Jahr von allen

Foto: AFP
Wirtschaft 2 Min. 29.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Welttourismus: Das schlimmste Jahr von allen

Einen solchen Einbruch gab’s noch nie: Der Welttourismus ist 2020 um 74 Prozent eingebrochen. Das sind eine Milliarde Auslandsreisen weniger als im Vorjahr.

Von LW-Korrespondent Martin Dahms (Madrid)

Seit Jahrzehnten geht’s mit dem internationalen Tourismus eigentlich nur bergauf. Mit einer kleinen Delle 2009 in Folge der damaligen Finanzkrise: minus vier Prozent. Und jetzt das: Im vergangenen Jahr haben die Menschen auf der Welt eine Milliarde Auslandsreisen weniger unternommen als im Vorjahr. Das ist ein Rückgang um 74 Prozent. Ein nie gesehener Einbruch. „Schlechtestes Jahr in Tourismusgeschichte“, betitelte die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) ihre Meldung, die sie am Donnerstag in Madrid herausgab. 

Dass 2020 ein schlechtes Jahr für den Fremdenverkehr werden würde, ahnte man spätestens im März, als das Coronavirus die Krankenhäuser in aller Welt zu füllen begann. Jetzt beziffert die UNWTO das Ausmaß der Katastrophe: 84 Prozent weniger Einreisen aus dem Ausland in Asien, 71 Prozent in Europa, 70 Prozent in Afrika, 69 Prozent in Amerika. Den wirtschaftlichen Schaden schätzt die Organisation auf 1,3 Billionen US-Dollar: In dieser Höhe gingen die touristischen Exporterlöse auf der Welt zurück. Zwischen 100 und 120 Millionen Jobs seien bedroht.  


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Ob die Arbeitsplätze dauerhaft – oder mindestens auf lange Zeit – verloren gehen, hängt von der weiteren Entwicklung ab. Die Reiseexperten, die von der UNWTO regelmäßig befragt werden, sind in den vergangenen Monaten skeptischer geworden, was den baldigen Wiederaufschwung der Tourismusindustrie betrifft. Im Oktober gingen noch 79 Prozent von einem kräftigen Neustart im Laufe dieses Jahres aus; jetzt glauben das nur noch 50 Prozent. Alles hängt von der Impfkampagne ab.  

Die Präsidentin der spanischen Großbank Santander, Ana Botín, stellte vor ein paar Tagen fest: „Impfen wird 2021 die wirksamste Wirtschaftspolitik sein.“ Doch mindestens in Europa läuft die Impfkampagne schlecht an. Der Chef der spanischen Hotelkette Meliá, Gabriel Escarrer, twitterte am Donnerstag: „Spanien wird keinen zweiten Sommer ohne Tourismus aushalten.“ Eine Rund-um-die-Uhr-Impfstrategie sei „überlebenswichtig“. Spanien hängt mehr als jedes andere europäische Land von ausländischen Gästen ab. Nach einem Rekordjahr 2019 sind die Besucherzahlen bis November 2020 um 77 Prozent eingebrochen. Das hat schwer aufs spanische BIP durchgeschlagen: Die Wirtschaftsleistung brach im vergangenen Jahr um 11 Prozent ein, mehr als in jedem anderen europäischen Land. 


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„Wir sind uns bewusst, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist“, sagt UNWTO-Generalsekretär Zurab Pololikashvili. Er fordert „Harmonisierung, Koordinierung und Digitalisierung“ aller Maßnahmen, die das Reisen trotz Covid sicher machen sollen: Tests, die Rückverfolgung der Ansteckungswege – und Impfzertifikate. Auf diese Weise könne sich der Tourismus erholen. Dann muss sich nur noch zeigen, wie es um die Reiselust der Menschen steht. Wahrscheinlich ganz gut. Der Direktor des Spanischen Tourismusbüros in London, Javier Piñanes, glaubt: „Die Leute haben große Lust zu reisen. Sie wollen es: je früher, umso lieber.“ 

 


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