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Weihnachtsmärkte als begehrte Einnahmequelle: Süßer die Kassen nie klingeln
Wirtschaft 6 Min. 15.12.2014 Aus unserem online-Archiv

Weihnachtsmärkte als begehrte Einnahmequelle: Süßer die Kassen nie klingeln

Zu Füßen der Gëlle Fra befindet sich der größte Weihnachtsmarkt der Hauptstadt. Rund 80 Chalets und Fahrgeschäfte können über 2 500 Besucher empfangen.

Weihnachtsmärkte als begehrte Einnahmequelle: Süßer die Kassen nie klingeln

Zu Füßen der Gëlle Fra befindet sich der größte Weihnachtsmarkt der Hauptstadt. Rund 80 Chalets und Fahrgeschäfte können über 2 500 Besucher empfangen.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 6 Min. 15.12.2014 Aus unserem online-Archiv

Weihnachtsmärkte als begehrte Einnahmequelle: Süßer die Kassen nie klingeln

Für Marktleute und Schausteller sind Weihnachtsmärkte ein attraktives Pflaster. Doch bei der Vergabe der Stände kommt nicht jeder zum Zuge. Die Stadt Luxemburg muss jedes Jahr vielen Bewerbern absagen.

Von Andreas Adam

Jedes Jahr zur Vorweihnachtszeit erstrahlt die Hauptstadt im Lichterglanz ihrer Weihnachtsmärkte. Der Budenzauber zieht Hunderttausende von Besuchern an. Für die Marktleute und Schausteller ist dies ein attraktives Pflaster. Doch bei der Vergabe der Stände kommt nicht jeder zum Zuge, häufig sind es die gleichen Betreiber wie im Vorjahr. Die Stadt muss jedes Jahr vielen Bewerbern absagen.

Wer ein Chalet oder ein Fahrgeschäft auf einem der Weihnachtsmärkte der Stadt Luxemburg betreiben darf, ist für Außenstehende nur selten nachvollziehbar. Viele Besucher registrieren, dass jedes Jahr bekannte Gesichter auf den Märkten ihre Waren und Dienste anbieten. Während sich die einen darüber freuen und eine gewisse Tradition darin erkennen, vermuten andere dahinter dubiose Machenschaften.

Marc Weydert vom „Office des Fêtes, Foires et Marchés“ ist für die Platzvergabe auf den Weihnachtsmärkten zuständig.
Marc Weydert vom „Office des Fêtes, Foires et Marchés“ ist für die Platzvergabe auf den Weihnachtsmärkten zuständig.
Foto: Anouk Antony

Zuständig für die Vergabe der Standplätze ist im Prinzip die Stadt Luxemburg als offizieller Veranstalter der Weihnachtsmärkte. Genauer gesagt ist es das Office des Fêtes, Foires et Marchés im Verwaltungsgebäude Petit Passage am Knuedler. Abteilungsleiter Marc Weydert ist seit Jahrzehnten im Einsatz. Er wundert sich nicht über die Frage, warum es auf den Weihnachtsmärkten der Stadt keinen ständigen Wechsel der Anbieter gibt. Auf den ersten Blick mache das vielleicht Sinn, letztlich sei es aber nicht realistisch. Dafür gebe es mehrere Gründe.

Schausteller gründeten 
ersten Weihnachtsmarkt

„Der erste und älteste Weihnachtsmarkt in Luxemburg-Stadt geht auf eine Initiative der Schausteller aus den achtziger Jahren zurück“, sagt Weydert. Die Forains unter ihrem damaligen Präsidenten Fons Muller seien auf der Suche nach einer Einkunftsquelle für die Winterzeit gewesen. „Die haben sich damals von der Mousel-Brauerei Geld geliehen, die ersten Chalets gebaut und den Markt auf der Place d'Armes begründet.“ Die Forains verträten noch heute die Ansicht, dass dies ihr Weihnachtsmarkt sei.

Wer schon einmal da war, die Sache gut gemacht hat und zufrieden war, hat Priorität.

In den ersten Jahren nach der Gründung des Weihnachtsmarktes auf der Place d'Armes begleitete die Stadt Luxemburg das dortige Geschehen ohne es aktiv zu gestalten. Erst in den neunziger Jahren seien dann gewisse Regeln und ein Standgeld eingeführt worden, so der Chef des Office des Fêtes. Wer in einem Chalet ist, entscheide die Stadt Luxemburg. Allerdings geschieht dies nach praktischen Kriterien, wie Weydert erklärt: „Das geht wie auf der Schobermesse nach einem Plan d'Ancienneté. Wer schon einmal da war, die Sache gut gemacht hat und zufrieden war, hat Priorität.“

Auf 140 Standplätze 
kommen 250 Bewerber

Rund 140 Standplätze sind inzwischen auf den von der Stadt Luxemburg veranstalteten Weihnachtsmärkten auf der Place d'Armes, auf der Place de la Constitution, auf der Place de Paris und in der Grand-rue zu vergeben. Dem stehen laut Marc Weydert circa 250 Anfragen gegenüber, sodass über 100 Bewerber abgelehnt werden müssen. Auf die Frage, weshalb letztlich oft die immer gleichen Betreiber den Zuschlag bekommen, hat der Beamte des Festbüros folgende Erklärung: „Wenn wir jedes Jahr auf Veranstaltungen wie den Weihnachtsmärkten und der Schobermesse die Zusammensetzung völlig in Frage stellen und neu organisieren würden, dann bräuchten wir eine Abteilung von 500 Leuten.

Die Stadt Luxemburg hatte dreißig Jahre lang aber vor allem eine Person dafür, nämlich mich. Außerdem benötigen Schausteller und Marktkaufleute, die viel Geld investiert haben eine gewisse Planungssicherheit was ihre Einkünfte und Investitionen anbelangt, sonst kommen die nicht wieder.“ Zudem bedeute eine Bewerbung ja noch nicht zwangsläufig, dass der Platz auch in Anspruch genommen wird, wenn sich der Bewerber möglicherweise für mehrere Weihnachtsmärkte gemeldet hat. Kautionen und Sanktionen existierten noch nicht. „Die Leute, die hier mit unseren Regeln klarkommen, mit unserem Mindestlohn und maximal 48 Wochenarbeitsstunden leben können, müssen wir uns warmhalten“, sagt Weydert.

Einen Einsendeschluss für die Bewerbungen für die Weihnachtsmärkte gebe es übrigens nicht. „Seit dem letzten Jahr sage ich den Betreibern aber, dass sie noch während des Weihnachtsmarktes Bescheid geben sollen, ob sie im kommenden Jahr wieder dabei sein möchten.“ Das ganze entwickele sich. Heute laufe viel per E-Mail. 1990 habe er circa 80 Anträge noch selbst geschrieben, weil viele nicht Lesen und Schreiben konnten.

Der Abteilungsleiter des Festbüros ist eigenen Angaben zufolge nicht ganz glücklich, wie die Dinge auf der Place d’Armes laufen. Als vor einigen Jahren von der Stadt der Weihnachtsmarkt unterhalb der Gëlle Fra auf der Place de la Constitution geschaffen wurde, sei man daher von Anfang an anders vorgegangen und habe gewissen Dingen einen Riegel vorgeschoben – wie z. B. dem Weiterverkauf der Standplätze, wenn ein Betreiber sein Geschäft aufgibt. Außerdem gibt es dort nun spezielle Regeln und Vorgaben. Man möchte das Angebot diversifizieren und besonders attraktiv gestalten, z. B. mit einer Pyramide, Attraktionen für Kinder sowie mit besonderen Produkten wie echten Thüringer und Nürnberger Würsten. Auch sollen die luxemburgischen Winzer und Brauereien vertreten sein.

Die Stadt mietet für den Weihnachtsmarkt bei der Gëlle Fra einheitliche, hochwertige Chalets an und vermietet diese an die Betreiber weiter. Statt den 1 250 Euro auf der Place d' Armes werden dort pro Chalet und Standplatz rund 3 000 Euro für die gesamte Dauer des Weihnachtsmarktes fällig. Das habe vor allem bei denen für Ärger gesorgt, die von der Place d'Armes auf die Place de la Constitution ausweichen mussten, so Weydert. Zehn Chalets werden für besondere Zwecke reserviert. Fünf, damit sich ein Gastland mit seinen Produkten vorstellen kann und fünf, damit Privatpersonen tageweise für einen kleinen Geldbetrag ein Chalet mieten können.

Trotz der Auflagen kommt auf der Place de la Constitution wieder ein gewisser Altersrang bei der Vergabe der Stände zum Tragen. „Die Weihnachtsmärkte müssen schlichtweg funktionieren“, so Weydert. Deshalb seien erfahrene und zuverlässige Betreiber so wichtig. „Diese Leute wissen genau, wie sie hier arbeiten müssen, nehmen uns eine Menge Arbeit ab und organisieren sich auf dem jeweiligen Weihnachtsmarkt in einer asbl. Wir geben ihnen den Rahmen vor.“

Geringe Fluktuation hilft Korruption zu unterbinden

Neben den genannten historischen und organisatorischen Gründen hat Weydert noch ein weiteres Argument parat. Eine geringe Fluktuation unter den Betreibern helfe bei solchen Veranstaltungen auch dieKorruption zu unterbinden. „Wer einen sicheren Platz hat, komme nicht auf krumme Gedanken.“

Laut Marc Weydert werden alle Weihnachtsmärkte der Stadt zu 95 Prozent von professionellen Schaustellern und Marktkaufleuten bestückt. Der Weihnachtsmarkt bei der Gëlle Fra habe mit 80 der rund 140 Standplätze den größten Umfang und biete über 2 500 Besuchern Platz. Auf der Place d'Armes sind es demnach etwa 50 Standplätze mit Platz für vielleicht 250 Besucher. Weitere acht bzw. sechs Standplätze gebe es auf dem Weihnachtsmarkt auf der Place de Paris bzw. beim Marché de la Solidarité in der Grand-rue.

Wenn alles optimal laufe, könnten es dieses Jahr insgesamt bis zu 700 000 Besucher werden, sagt Weydert. Die Stadt verdiene an den Weihnachtsmärkten unter dem Strich nichts. Wie viel dort hingegen von den Betreibern der Stände umgesetzt wird, lässt sich hingegen kaum abschätzen.


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