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Was zählt, ist innere Kraft
Leo Patil, Colette Flesch, Avanti Patil, Caroline Larson und Kholoud Mousa (v.l.n.r.).

Was zählt, ist innere Kraft

Foto: Guy Jallay
Leo Patil, Colette Flesch, Avanti Patil, Caroline Larson und Kholoud Mousa (v.l.n.r.).
Wirtschaft 1 4 Min. 22.09.2018

Was zählt, ist innere Kraft

Mara BILO
Mara BILO
Ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, Alter, Religion – die Vielfalt macht den Erfolg einer Firma aus. Davon ist jedenfalls KPMG überzeugt: Die dritte Ausgabe des „Diversity Summit“ rückt vier Frauen in den Mittelpunkt.


Colette Flesch
Colette Flesch
Foto: Guy Jallay

„Ich versuchte, Anfang der 1960er-Jahre dem luxemburgischen diplomatischen Dienst beizutreten. Ohne Erfolg – Jahre später wurde mir klar, dass man mich dort nicht zugelassen hatte, weil ich eine Frau war.“ Trotz dieses missglückten Starts kann die bekannte Politikerin Colette Flesch heute auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken: Abgeordnete, Bürgermeisterin, stellvertretende Premierministerin, Europapolitikerin – auch später musste sie sich als Frau in der Politik oft durchsetzen. Als sie wenige Jahre später dann auch noch Außenministerin und damit auch Dienstherrin des diplomatischen Dienstes wurde, dachte sich die inzwischen 81-Jährige: „Rache ist süß!“

Am Donnerstagabend herrschte eine ganz besondere Atmosphäre in den Räumlichkeiten von KPMG, als Colette Flesch über ihre Erfahrung als Politikerin in einer Männerwelt berichtete. Sie unterhielt sich dort mit drei weiteren Frauen im Kontext des jährlich organisierten „Diversity Summit“ über Diversität. Vorurteile, Diskriminierung, Behinderung – diese vier Frauen mussten ihr ganzes Leben lang für sich selbst und für ihre Rechte kämpfen.

Leben mit Einschränkungen

Caroline Larson
Caroline Larson
Foto: Guy Jallay

„Ich war beim Mittagessen, als ich plötzlich meine Nudeln in meinem Teller springen sah.“ So beginnt Caroline Larsons Geschichte. Sie war mit ihrer Schwester in Neuseeland, als die Erde bebte. „Die Straße öffnete sich vor meinen Augen; nur drei Gebäude standen nach dem Erdbeben noch aufrecht, mein Lunchrestaurant war eins davon.“ Das Christchurch-Erdbeben von Februar 2011 hatte eine Stärke von 6,3 auf der Richterskala und kostete 185 Menschen das Leben, Tausende wurden verletzt. An diesem Tag wurde Caroline plötzlich bewusst, wie schnell sich das Leben ändern kann. Eine bittere Erkenntnis, die sie wenige Monate später erneut machen musste.

Ihr rechtes Knie war angeschwollen, was die begabte Golferin, die eine professionelle Karriere plante, besonders beunruhigte. Nach der Diagnose eines Knochentumors war ihre Unbeschwertheit dann schlagartig vorbei. „Es gab nur eine Lösung: mein Bein musste über dem Knie amputiert werden.“ Caroline hatte drei Wochen, um sich auf dieses komplett neue Leben einzustellen – „ich habe noch einmal alles gemacht, was man mit zwei Beinen machen kann“, denkt sie zurück.

Nach der Operation trainierte sie hart; Caroline wollte mit einem Bein und einer Prothese eine bessere Golferin werden als mit zwei Beinen. Mit Erfolg: „Nur drei Monate nach der Operation gewann ich ein nationales Golfturnier mit meiner Schwester“, berichtet die stolze Sportlerin, die heute weiter Golf spielt und als Motivationsrednerin tätig ist.

Karriere in der Männerwelt

Kholoud Mousa
Kholoud Mousa
Foto: Guy Jallay

Kholoud Mousa ist vom Beruf Wirtschaftsprüferin – ungewöhnlich für eine Frau in Saudi-Arabien. Erst seit Anfang Juni dürfen Frau dort Auto fahren. Als Wirtschaftsprüferin hat Kholoud ihre Karriere in einer kleinen Auditfirma angefangen. Dort hörte sie zum ersten Mal den Begriff „Big Four“, der die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt umfasst – gemeint sind Deloitte, EY, KPMG und PwC. „Ich habe damals zwei Männer getroffen, die bei den ‚Big Four‘ arbeiteten. Als ich ihre schönen, schwarzen Anzüge sah, wurde mir sofort klar: Dort will ich eines Tages eingestellt werden“, lächelt die junge Frau.

Aber der Weg dahin war lang und beschwerlich: Sie wurde bei keiner der Aufnahmeprüfungen der vier Großfirmen zugelassen. Der Grund dafür war ganz offensichtlich: „Ich bin eine Frau, das gehört sich nicht.“ Hartnäckig versuchte sie es dann mit dem Staatsexamen für Wirtschaftsprüfer – das sie bestand. „Damit wurde ich die erste Frau in Saudi-Arabien, die amtlich zugelassene Wirtschaftsprüferin ist.“ Das machte Schlagzeilen in ihrem Land, wie Kholoud erzählt. „Und dann klingelte das Telefon. Am anderen Ende der Leitung hörte ich die Stimme eines Partners von KPMG, der mir sagte: ‚Khouloud, sind Sie bereit, für uns zu arbeiten?‘ Ich wusste, ich hatte es geschafft“, erklärt Kholoud, die heute als Partner bei KPMG in Saudi-Arabien tätig ist.

Talent kennt keine Altersgrenzen

Avanti Patil
Avanti Patil
Foto: Guy Jallay

Avanti Patils Geschichte ist die einer 11-Jährigen mit einem herausragenden Talent: Sie ist in der Lage Computerprogramme zu schreiben – und das seitdem sie sieben Jahre alt ist. Im Jahr 2009 ist sie mit ihrer Familie von Indien nach Luxemburg gezogen und bietet neben ihrem normalen Schulprogramm nun Kurse an, um Kindern das ‚Coding‘ beizubringen. „Als junger Mensch versuche ich mich gegen negative gesellschaftliche Einstellungen hinsichtlich der Fähigkeit der Frauen im Informatik-Bereich zu wehren“, erklärt die lebenslustige Avanti. Und sie ist erfolgreich dabei: Sie hat schon an zahlreichen internationalen ‚Coding‘-Wettbewerben teilgenommen und es auch oft in die finalen Runden geschafft – trotz ihres jungen Alters.