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Was wird aus dem Arbed-Schloss am Rousegäertchen?

Was wird aus dem Arbed-Schloss am Rousegäertchen?

Wirtschaft 3 Min. 24.03.2014

Was wird aus dem Arbed-Schloss am Rousegäertchen?

In der Av. de la Liberté befindet sich offiziell immer noch der Sitz von ArcelorMittal. Doch der Stahlgigant ist 2013 ausgezogen. Seither wird über die Zukunft des „Schlosses“ am Rousegäertchen viel spekuliert.

(mg) - Es ist ein prächtiger und auffallender Bau an der Avenue de la Liberté in Luxemburg. Ein Symbol der industriellen Vergangenheit und des wirtschaftlichen Aufschwungs des Landes. Hier an der Nummer 19 befindet sich offiziell immer noch der Haupt- und Verwaltungssitz von ArcelorMittal. Doch der Stahlgigant ist 2013 ausgezogen. Das Gebäude wurde eingemottet. Seither wird über die Zukunft des „Schlosses“ am Rousegäertchen viel spekuliert.

Als die Arbed noch Arbed war

Als das Gebäude in den Jahren 1920 bis 1922, unter anderem vom italienischen Unternehmer Achille Giorgetti, auf dem Plateau Bourbon errichtet wurde, da war die Arbed noch Arbed und ahnte noch nichts vom Duft der Globalisierung. Da qualmten die Hochöfen noch und der Staub aus den Schornsteinen der Arbedstahlwerke legte sich wie ein rötlicher Schleier auf die Wäsche, die in den Gärten der Arbeitersiedlungen im Süden des Landes hing.

Von den Menschen, die der schweren Arbeit in der Stahlindustrie ihre Existenz verdankten, wurde das Gebäude in der Stadt „d'Schlass“ genannt – das Schloss der Stahlbarone, so Jean-Claude Bernardini vom OGB-L. Er sitzt als Vertreter seiner Gewerkschaft im Verwaltungsrat von ArcelorMittal Luxemburg und kennt das Gebäude daher sehr gut. Seiner Meinung nach hätte ArcelorMittal das Gebäude ruhig weiterhin für Verwaltungs- oder Betriebsratsversammlungen nutzen sollen.

Einverständnis des Denkmalschutzamtes nötig

Doch damit ist es seit vergangenem Jahr vorbei. Zuletzt beherbergte das Gebäude unter anderem noch die Personal- und Informatikabteilung. Im Rahmen der ArcelorMittal-Universität reisten Mitarbeiter aus der ganzen Welt zu Weiterbildungskursen an. Heute aber steht das Gebäude leer.Besitzer ist immer noch ArcelorMittal. Der Konzern will das Gebäude aber selbst nicht mehr nutzen und sucht deshalb nach einer neuen Verwendung. Denkbare und gangbare Möglichkeiten, wie das Gebäude in der Freiheitsavenue einem ihm gebührenden Zweck zugeführt werden kann, gibt es viele.

Seit dem 7. März dieses Jahres ist das Gebäude aber nun als „Monument national“ unter Denkmalschutz gestellt, so Patrick Sanavia, Direktor des „Service des sites et monuments nationaux“. Das bedeutet nicht, dass nun überhaupt keine Veränderungen mehr im und am Gebäude vorgenommen werden dürfen, es bedeutet nur, dass jede Entscheidung der Zustimmung des Denkmalschutzamtes bedarf. „Nichts was im Respekt vor dem Gebäude geschieht, ist unmöglich“, so Patrick Sanavia, der betont, dass man ArcelorMittal begleiten und beraten werde.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Charta von Venedig, die eine verbindliche Grundlage für den Umgang mit historischer Bausubstanz ist. Die 1964 verabschiedete Charta schreibt unter anderem vor, dass Veränderungen, die vorgenommen werden, sich klar vom Original unterscheiden müssen sowie alle interessanten Bauteile des Denkmals, seinen traditionellen Rahmen, die Harmonie seiner Komposition und seine Beziehungen zur Umgebung respektieren.

ArcelorMittal will Gebäude wahrscheinlich verkaufen

Es sei nicht ausgeschlossen und sogar sehr wahrscheinlich, dass das Gebäude verkauft würde, sagt Arne Langner, Pressesprecher von ArcelorMittal. Er weist darauf hin, dass mit einer externen Beraterfirma nach einer Lösung gesucht wird, die den historischen Wert respektiert und dem Gebäude eine angemessene Zukunft garantiert. Genaueres könne er zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht mitteilen.Über diese Zukunft wird in letzter Zeit viel spekuliert. Es hieß, dass ein Hotel in den geschichtsträchtigen Mauern unterkommen könnte, erzählt Jean-Claude Bernardini. Auch zirkuliert die Idee einer Geschäftsgalerie mit Restaurants, Bars und Boutiquen.

Eine Glaskuppel wie auf dem Bundestag in Berlin

Möglich scheint auch die Kombination von Hotel und Geschäften. In dem Zusammenhang ist die Rede davon, dass der große Binnenhof überdacht werden könne; eventuell mit einer Glaskuppel, so ähnlich wie auf dem Dach des Bundestags in Berlin. Was es letztendlich wird, hängt von den zukünftigen Investoren und vom „Services des sites et monuments nationaux“ ab. Beruhigend ist zumindest, dass das Symbol der Stahlindustrie erhalten bleiben wird und weiterhin als Kulisse für die traditionelle Militärparade an Nationalfeiertag dienen kann.


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