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Was der Brexit für den Zoll bedeutet
In Luxemburg gilt der Flughafen Findel heute als Außengrenze.

Was der Brexit für den Zoll bedeutet

Gerry Huberty
In Luxemburg gilt der Flughafen Findel heute als Außengrenze.
Wirtschaft 2 Min. 15.01.2019

Was der Brexit für den Zoll bedeutet

„Auch im Falle eines No-Deals sind wir bereit.“ Die Administration des douanes et accises hat sich mit den möglichen Auswirkungen des Brexit beschäftigt.

Ein harter Brexit ohne Abkommen würde für viele Unternehmen neue, schärfere Zollverfahren und damit zusätzliche Kosten bedeuten. Unmittelbar nachdem die britische Regierung im Frühjahr 2017 das Austrittsgesuch eingereicht hatte, hat sich die Administration des douanes et accises mit möglichen Auswirkungen des Brexit beschäftigt. „Bereits Anfang des vergangenen Jahres haben wir von der Europäischen Kommission die Herangehensweise bekommen, was im Ernstfall zu tun ist, sagt Sylvie Atten-Liber, stellvertretende Direktorin der Administration des douanes et accises. „Die Europäische Kommission hat die Prozeduren vorbereitet und wir halten uns daran“.


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Zu den Vorbereitungen gehören aber auch interne Vorkehrungen. „In Luxemburg gilt der Flughafen Findel heute als Außengrenze. Nach dem Austritt aus der EU würde Großbritannien von der Zollbehörde wie ein Drittstaat behandelt werden – mit Kontrollen für praktisch alle Güter. Dies bedeutet, dass bei jeder Aus- und Einfuhr über den Flughafen am Findel künftig Zollformalitäten erledigt werden müssen, was derzeit nicht der Fall ist“, so Atten-Liber.

Aber auch dann, wenn es zu einem EU-Vertrag mit Großbritannien kommt, der die künftigen Handelsverbindungen zwischen beiden Seiten definiert, wird der Aufwand für den Zoll zunehmen. „Wir rechnen allein in Luxemburg mit rund 20 000 Warenexporten, die es dann zusätzlich zu kontrollieren gilt; diese Zahl ist aber mit größter Vorsicht zu betrachten, da keine genauen Zahlen vorhanden sind. Die einzige zuverlässige Statistik, die wir derzeit haben, betrifft die kleinen Pakete, die durch Kurier-Express oder Post ins Land kommen. Im vergangenen Jahr sind etwa 230 000 Pakete von Großbritannien nach Luxemburg gekommen, rund 50 000 Pakete sind von Luxemburg über den Kanal verschickt worden“, so Sylvie Atten-Liber.


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Stresstest bestanden

Die durch den Brexit veränderten Arbeitsbedingungen erfordern beim luxemburgischen Zoll derzeit keine zusätzlichen Mitarbeiter. „Wir haben intern verschiedene Mitarbeiter so aufgestellt, dass wir das zusätzliche Arbeitsvolumen auch schaffen können“, erklärt Atten-Liber. Für den Luxemburger Zoll ist der Brexit aber auch eine technologische Herausforderung. „Unsere Computersysteme haben einen Stresstest bereits bestanden“, freut sich die stellvertretende Zollchefin, „auch im Falle eines No-Deals sind wir bereit.“


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Wird Großbritannien zum Drittland, gibt es auch Änderungen für Passagiere etwa bei der Mehrwertsteuer-Rückerstattung nach Einkäufen in Luxemburg – „Taxfree“ genannt. Reisende ohne Wohnsitz innerhalb der Europäischen Union, bekommen in einigen Geschäften in Luxemburg nach ihrem Einkauf einen „Tax chèque“. Unmittelbar vor der Ausreise wird der Chèque dann zusammen mit der eingekauften Ware dem Grenzzollamt vorgelegt, das den Export mit dem Ausreisezollstempel auf dem Tax chèque bestätigt.

„Wenn auch die Briten künftig als Bürger eines Drittlandes eingestuft werden, werden die Leute im Flughafen vielleicht Schlange stehen müssen, um ihre Tax chèques abgestempelt zu bekommen. Das ist derzeit die größte Sorge, die wir haben.“

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