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Warum die Gäste lieber auf den Terrassen bleiben
Wirtschaft 5 4 Min. 17.05.2021

Warum die Gäste lieber auf den Terrassen bleiben

Zutritt nur mit Schnelltest: Gäste des Grand Café in Luxemburg-Stadt machen einen Corona-Test.

Warum die Gäste lieber auf den Terrassen bleiben

Zutritt nur mit Schnelltest: Gäste des Grand Café in Luxemburg-Stadt machen einen Corona-Test.
Foto:Guy Jallay
Wirtschaft 5 4 Min. 17.05.2021

Warum die Gäste lieber auf den Terrassen bleiben

Marlene BREY
Marlene BREY
Seit Sonntag dürfen Besucher von Cafés und Restaurants wieder im Innenbereich Platz nehmen. Voraussetzung ist ein negativer Corona-Test.

Es ist das perfekte Wetter für einen Testdurchlauf in der Gastronomie: Mal scheint die Sonne auf die Terrassen von Luxemburg-Stadt, dann wird der Himmel dunkel, Wind zieht auf und es beginnt zu regnen. Bei wechselhaften Bedingungen zeigt sich: Die Mehrzahl der Gäste in Restaurants und Cafés bleibt trotz widriger Umstände draußen. 

Dabei dürfen Gastronomen ihre Kunden seit Sonntag wieder im Innenbereich bewirten. Vier Gäste dürfen an einem Tisch Platz nehmen. Zwischen den Tischen gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern oder es muss eine Trennwand bestehen, um das Infektionsrisiko zu begrenzen. Das kennt man noch aus dem letzten Sommer. 

Die Neuerung ist, dass Gäste einen negativen Corona-Test benötigen. Dies kann ein PCR-Test sein, der weniger als 72 Stunden alt ist, ein Schnelltest, der höchstens 24 Stunden vorher gemacht und offiziell bescheinigt wurde oder ein Schnelltest, der vor Ort durchgeführt wird. Die Gastronomen sind mit Millionen Antigen-Schnelltests gerüstet.

Dann lieber nicht

Am Eingang zum Grand Café begrüßt die Kellnerin eine Familie. „Natürlich haben wir Platz für Sie. Sie brauchen nur einen Test, einen Moment bitte.“ Sie dreht sich um, geht einen Kellner holen, aber die potenziellen Gäste schütteln den Kopf. Sie wollen keinen Test machen. „Dann suchen wir uns lieber einen Platz auf einer der Terrassen“, sagen sie und ziehen weiter. 

Die Kellnerin kehrt zurück und erklärt gelassen: „Das ist die Minderheit. Die große Mehrheit unserer Gäste hat kein Problem damit, sich testen zu lassen.“ Im Grand Café hat man zwei Terrassen. Eine befindet sich direkt vor dem Lokal, eine weitere liegt etwas vorgelagert auf der Place d'Armes. Auf dieser werden die Gäste von einem Kellner angeleitet und können dann an der frischen Luft auf ihre Ergebnisse warten. Das scheint zu klappen. „Mit dem Umsatz sind wir zufrieden“, erklärt die Mitarbeiterin. Doch das sehen längst nicht alle in der Gastronomie so.

Wir sind weder die Polizei, noch sind wir Ärzte. Es steht uns nicht zu, Tests durchzuführen, damit Sie bei uns essen können.  

Qosqo

Nur wenige Meter weiter befindet sich das Qosqo. Hier erklärt Geschäftsführer Fred Locatelli, dass man sich gegen das Testen entschieden habe. Der Innenraum bleibt also geschlossen. Er zeigt auf ein Schild neben der Eingangstür. „Wir sind leidenschaftliche Köche und Kellner, die sich darauf freuen, Ihnen unsere leckeren Gerichte und Cocktails zu bringen. Wir sind nicht die Polizei und keine Ärzte, denen es zusteht, Tests durchzuführen, damit Sie bei uns essen können. Wir haben uns daher entschieden, bis zum 12. Juni ausschließlich die Terrasse zu bewirten“, steht dort. 

Das Qosqo hat sich gegen Schnelltests entschieden, erklärt Fred Locatelli.
Das Qosqo hat sich gegen Schnelltests entschieden, erklärt Fred Locatelli.
Foto:Guy Jallay

Die Gäste zeigen Verständnis, sagt Locatelli. Es sei einfach zu kompliziert, den Test zu machen. Jetzt im Frühling scheint das Lokal nicht auf den Innenraum angewiesen zu sein. Von den 23 Mitarbeitern ist keiner mehr in Kurzarbeit. Am Samstag hatte das Restaurant 478 Gäste, am Sonntag waren es 391. „Gestern war der Umsatz ein Traum“, sagt Locatelli lächelnd. Dann relativiert er seinen Enthusiasmus gleich wieder. „391 Gäste, das ist richtig gut für einen Sonntag in der Pandemie. Aber normalerweise begrüßen wir hier um die 800 Gäste.“ 

Hier an der Place d'Armes zählt die Terrasse. Aber Qosqo hat noch eine weitere Filiale in Kirchberg. Dort läuft es längst nicht so gut. Von den zehn Angestellten arbeiten derzeit nur drei. Die anderen sind in Kurzarbeit. 

Warten auf Sonnenschein

Das „Bistrot de la presse“ befindet sich direkt gegenüber dem großherzoglichen Palast. Trotz Regen sitzen zwei Gäste draußen und rücken möglichst nah an die Hauswand heran. Das Lokal ist leer. Hinter dem Gebäude befindet sich eine zweite Terrasse mit großen Sonnenschirmen, die jetzt vor dem Regen schützen. Auch hier sitzen zwei Gäste und essen - dafür brauchen sie keinen negativen Corona-Test.

"Die Gäste warten auf gutes Wetter und bleiben lieber draußen", erklärt Heidi Pia.
"Die Gäste warten auf gutes Wetter und bleiben lieber draußen", erklärt Heidi Pia.
Foto: Guy Jallay

Vier Tests hat Inhaberin Heidi Pia heute bei Gästen durchgeführt. 160 Testkits hat sie vom Staat für ihre Gäste bekommen, 80 für das Personal. Drei bis vier Wochen wird sie damit arbeiten können, davon geht sie aus. Dass die Öffnung der Innenräume viel an ihrem Geschäft verändern wird, damit recht sie nicht. „Die meisten Gäste sagen, sie warten auf gutes Wetter und kommen dann auf die Terrasse.“

Gültigkeit des Testergebnisses: zwei Stunden

Im Regen hat es einen Kunden für einen schnellen Kaffee ins Innere des Lokals gelockt. Auch dafür braucht er einen Test. Solange er am Tisch sitzt, muss dieser sichtbar an seinem Platz liegen. Damit habe er kein Problem, wohl aber mit der Gültigkeit: Das Testergebnis gilt nur für zwei Stunden. Will er am Abend noch einmal ein Restaurant besuchen, muss er erneut einen Test machen. „Warum kann mir die Betreiberin nicht bescheinigen, dass ich unter ihrer Aufsicht einen Test gemacht habe?“, fragt er. 

Eine solche Bescheinigung bekommt nur, wessen Test „von einer medizinischen Fachkraft oder von einem vom Gesundheitsdirektor zu diesem Zweck benannten Angestellten oder Staatsbeamten“ durchgeführt wurde. Dass es auch anders geht, zeigt die Nachbarregion: Wer in einem Biergarten in Trier einen Schnelltest macht, der bekommt auch hier eine Bescheinigung. Diese ist für 24 Stunden gültig. Der Besuch weiterer Lokale ist damit möglich - und wahrscheinlich.


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