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Warnaktion bei der Cargolux
Wirtschaft 23.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Protest gegen Sicherheitspolitik

Warnaktion bei der Cargolux

Fünf Cargolux-Flugzeuge blieben am Donnerstag am Boden.
Protest gegen Sicherheitspolitik

Warnaktion bei der Cargolux

Fünf Cargolux-Flugzeuge blieben am Donnerstag am Boden.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 23.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Protest gegen Sicherheitspolitik

Warnaktion bei der Cargolux

Der LCGB beklagt sich über eine mangelnde Sicherheitskultur bei der Cargolux. Um ihrem Ärger Nachdruck zu verleihen, hat die Gewerkschaft nun eine Warnaktion gestartet.

(ml) - Die Cargolux steckt erneut in Turbulenzen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag begann eine Warnaktion. Die Piloten weigern sich zu fliegen. Seit drei Uhr sind von den ursprünglich sieben geplanten Flügen nur zwei durchgeführt worden. Die anderen fünf Maschinen blieben am Boden.

In den kommenden Stunden sollen weitere Flüge gestrichen werden. Die Aktion, die vom LCGB ausgerufen wurde, dauert 24 Stunden. Um einen Streik handele es sich jedoch nicht, da die Piloten am Arbeitsplatz anwesend seien, stellt Aloyse Kappweiler (LGCB) dem "Wort" gegenüber klar.

Die Gewerkschaft beklagt sich über eine mangelhafte Sicherheits- und Vertrauenskultur. Der Direktion wird vorgeworfen, unverantwortlich zu handeln. Eine weitere Verhandlungsrunde, die als letzte Chance gewertet wurde, habe keine Früchte getragen, heißt es in einem Schreiben.

"Die Firma wendet ihre eigene Prozeduren bei Disziplinarmaßnahmen nicht an", so Kappweiler. Der umstrittene Pilotengruß (Wing Wave) Ende vergangenen Jahres sei nie vollständig untersucht worden. Mitarbeiter, die jahrelang bei der Cargolux beschäftigt waren, seien privat ausspioniert worden und dann während der Kollektivvertragsverhandlungen entlassen worden.

Bei den Piloten breite sich zunehmend ein Gefühl der Verunsicherung aus, betont Kappweiler. Das Cargolux-Management weigere sich jedoch Maßnahmen zu ergreifen, um die Lage zu verbessern. Der LCGB fordert, dass künftig nicht nur das Management sondern auch die Personalvertretung die Möglichkeit erhalten soll, den "groupe de révision d'évènements" einzuberufen. Hierbei handelt es sich um ein Gremium, das die Zwischenfälle einordnet und prüft, welche Folgen sie nach sich ziehen. 

Außerdem sollte ein Personalvertreter als Beobachter an den Sitzungen des  Disziplinarausschusses teilnehmen dürfen, um darauf zu achten, dass alle Prozeduren bezüglich der Disziplinarstrafen eingehalten werden. Mitarbeiter, die eine Disziplinarstrafe bekommen, sollten die Personalvertretung damit beauftragen können, um zu überprüfen, ob alle unternommenen Schritte auch rechtmäßig waren.

All diese Vorschläge seien jedoch von der Cargloux-Direktion abgeschmettert worden mit der Begründung, dass man auf ein System zurückgreife, das die Schwere eines Vorfalls automatisch einordne. Diese Haltung sei unakzeptabel, sagt Kappweiler. Seinen Aussagen zufolge hatten sich 96,5 Prozent der Piloten im Rahmen einer Urabstimmung für gewerkschaftliche Aktionen ausgesprochen.


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