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Wächter der Preisstabilität
Wirtschaft 5 Min. 01.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Wächter der Preisstabilität

Seit 2015 ist der 200 Meter hohe gläserne Turm im Osten Frankfurts das neue Zuhause der EZB.

Wächter der Preisstabilität

Seit 2015 ist der 200 Meter hohe gläserne Turm im Osten Frankfurts das neue Zuhause der EZB.
Foto: EZB
Wirtschaft 5 Min. 01.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Wächter der Preisstabilität

Mara BILO
Mara BILO
Finanzkrise, Griechenland und nun Italien – die Europäische Zentralbank (EZB) hat es in den vergangenen Jahren nicht leicht gehabt. Am Freitag feiert die Institution mit Sitz in Frankfurt am Main ihr 20-jähriges Bestehen.

Man schreibt den 1. Juni 1998, als aus dem Europäischen Währungsinstitut die Europäische Zentralbank wird. Die EZB ist ein offizielles Organ der Europäischen Union, dessen vorrangige Aufgabe es ist, die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Dies macht die EZB durch die Festlegung von Zinssätzen – sie entscheidet also über den „Preis“ des Geldes. Das Prinzip: Hohe Zinsen bremsen den Konsum und damit auch die Inflation; niedrige Zinsen dagegen kurbeln die Wirtschaft an. Die EZB zielt grundsätzlich auf einen Inflationssatz, der knapp unter zwei Prozent liegt. Denn: Zu niedrige Inflation, gar Deflation, ist für Wirtschaftssysteme ebenso schädlich wie zu hohe Inflation.


Interview
 EZB ECB Yves Mersch Frankfurt
 Foto: Tim Wegner / Foto: Tim Wegner
„Es bestehen Risiken für Luxemburg“
Yves Mersch, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, äußert sich zum Brexit, zur Liquidation der lettischen Bank ABLV und zieht seine Bilanz mit Blick auf den Ausgang der Parlamentswahlen in Italien.

Zu dem von der EZB festgelegten Leitzinssatz können Banken bei den nationalen Zentralbanken Kredite aufnehmen: Kreditinstitute müssen den Großteil des Geldes, das sie für ihr Tagesgeschäft brauchen, bei der jeweiligen Zentralbank ausleihen. Seit März 2016 liegt der Leitzinssatz bei 0,0 Prozent – ein Rekordtief.

Die EZB ist für die Festlegung und die Durchführung der Geldpolitik zuständig, aber auch für die Bankenaufsicht. Deshalb setzt sich auch das oberste Beschlussorgan, der EZB-Rat, aus sechs Mitgliedern des Direktoriums und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken der 19 Mitgliedstaaten des Euroraums zusammen. So ist auch der Präsident der Luxemburger Zentralbank, Gaston Reinesch, in der Regel zweimal pro Monat in Frankfurt, um geldpolitische Beschlüsse im EZB-Rat mit zu verabschieden. Luxemburg ist gleich zweimal im Entscheidungsgremium der EZB vertreten; Yves Mersch, der frühere Chef der Luxemburger Zentralbank, ist Mitglied des EZB-Direktoriums.

„Wir haben Geschichte geschrieben“

Die Zentralbank aller Zentralbanken der EU-Mitgliedstaaten, die den Euro eingeführt haben, hat mit den Jahren an Bedeutung und politischem Einfluss gewonnen. Das spiegelt sich auch in der seit 2013 stets wachsenden Zahl an Mitarbeitern wider; heute sind es rund 3 000. Manche sind sogar von Anfang an dabei.

Roberto Schiavi, 50, ist Generaldirektor für die Budget- und Finanzabteilung der EZB. Er arbeitet seit mehr als 20 Jahren bei der Bank; seine Karriere hat er in Luxemburg bei der IMI Bank angefangen. Von dort wechselte er dann nach Frankfurt zum damaligen Europäischen Währungsinstitut: „Ich schätze die Werte, für die diese Institution steht. Ein Beispiel: Bei der EZB haben auch vergleichsweise junge Kollegen die Chancen auf eine Führungsposition.“ Wichtiger sind, so Schiavi, Kompetenzen und Qualität der Arbeit.


„Die Unternehmenskultur hat sich im Laufe der Jahre verändert. Früher kannten wir uns alle; das geht jetzt nicht mehr.“ Das stellt auch Patricia Kearns-Endres fest: „Am Anfang waren wir wie eine kleine Familie. Wir arbeiteten lange Stunden; wir wussten, dass wir Geschichte schreiben.“


26.04.2018, Hessen, Frankfurt am Main: Eine Stele ist vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) platziert. Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Leitzins im Euroraum bleibt auf Rekordtief
Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt, wie die Notenbank mitteilte.

Patricia Kearns-Endres arbeitet seit mehr als 23 Jahren bei der EZB; stolz zeigt sie auf ihren Mitarbeiterausweis: „Ich war die 49. Angestellte, die zur EZB gekommen ist!“ Sie arbeitet im Büro vom EZB-Chef Mario Draghi. „Wir sind nur ein sehr kleines Team mit vier Kollegen.“ Die aus Irland stammende EZB-Mitarbeiterin erzählt, dass ihr die Entscheidung, nach Frankfurt zu ziehen, damals nicht leicht gefallen ist: „Zu dieser Zeit waren die Kommunikationsmittel nicht die gleichen wie heute. Es war auch nicht so einfach, mal schnell am Wochenende nach Hause zu fliegen.“ Auch gab es vor 20 Jahren noch keine Garantien darüber, dass die EZB eine Zukunft hat. Der Brite Robert Heyes, der 21 Jahre bei der Bank verbracht hat, erklärt: „Anfangs war es schwer, Menschen zu finden, die bei der EZB arbeiten wollten, weil sie der Institution skeptisch gegenüberstanden.“

EZB-Chef Mario Draghi.
EZB-Chef Mario Draghi.
Foto: LW-Archiv/Reuters

Das hat sich nun stark verändert. „Heute weiß jeder, womit sich die EZB beschäftigt“, sagt Heyes, „wir haben mehr Aufmerksamkeit bekommen, besonders von den Medien, als die Schwierigkeiten – wie etwa die Finanzkrise – begannen. Die Entscheidungen, die die EZB traf, hatten Konsequenzen für die ganze Welt.“ Er lebt seit 1992 in Frankfurt – „ein großartiger Ort zum Leben!“ Besonders hart hat ihn die Entscheidung für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU getroffen: „Ich war erschüttert. Für eine Weile haben wir Briten uns gefragt, ob wir unsere Jobs behalten werden.“ Denn: Die EZB ist von einem gewissen europäischen Geist geprägt, darauf weist Patricia Kearns-Endres hin. „Es ist schön, eine internationale Arbeitskultur zu erleben, in der so viele Sprachen gesprochen werden. Und: Auch wenn wir heute viel mehr sind – ich fühle mich immer noch wie mit meiner Familie und bin immer noch glücklich in diesem Job! 


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FILE PHOTO: The headquarters of the European Central Bank (ECB) are illuminated with a giant euro sign at the start of the "Luminale, light and building" event in Frankfurt, Germany, March 12, 2016.   EUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo
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