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Wachstum nach unten revidiert

Wachstum nach unten revidiert

Foto: Guy Wolff
Wirtschaft 2 Min. 04.12.2018

Wachstum nach unten revidiert

Angesichts wachsender Risiken erwartet der Statec für dieses und nächstes Jahr ein globales Wirtschaftswachstum von drei Prozent. Im Frühjahr hatte das nationale Statistikamt für dieses Jahr noch ein Wachstum von vier Prozent erwartet.

Noch im Frühjahr ging das Statistikamt Statec von einem realen Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) um vier Prozent für das laufende und das kommende Jahr aus. In der am Dienstag veröffentlichten Prognose rudern die Statistiker nun zurück – und gehen von nur noch drei Prozent Wachstum aus.

Statec-Direktor Serge Allegrezza begründet die Korrektur unter anderem mit der Verschlechterung des internationalen Wirtschaftsumfelds: "Das globale Weltwirtschaftswachstum scheint 2017 seinen Höhepunkt erreicht zu haben und schwächt sich in den meisten Regionen der Welt ab". Das Tempo des Wirtschaftswachstums innerhalb der Eurozone hat laut Statec bereits merklich abgenommen, wie die Zahlen zeigen: 2017 waren es 2,5 Prozent, 2019 wird innerhalb der Eurozone mit nur noch 1,7 Prozent gerechnet.

Sorgen macht sich Serge Allegrezza aber auch über den globalen Handelskonflikt: "Die Abwärtsrisiken haben sich mit den Spannungen im internationalen Handel erhöht oder sind teilweise eingetreten. Darüber hinaus waren die Signale an den globalen Finanzmärkten in der zweiten Hälfte 2018 deutlich ungünstiger.“

"Luxemburg steht immer noch gut da"

Trotz der eingetrübten Aussichten nennt der Statec die Wirtschaftslage hierzulande weiterhin positiv. „Luxemburg steht immer noch gut da“, betont Serge Allegrezza bei der Vorstellung des Berichts. Die Steuereinnahmen und der Arbeitsmarkt entwickeln sich weiterhin positiv. „Das Beschäftigungswachstum hat sich im Euroraum abgeschwächt, bleibt in Luxemburg aber weiterhin sehr dynamisch“, heißt es im Statec-Bericht. „Die Beschäftigungsmöglichkeiten und die Stellenangebote sind auch im dritten Quartal hoch, allerdings erwartet man sowohl in Europa als auch im Großherzogtum eine Verlangsamung. Das Beschäftigungswachstum wird jedoch hoch genug bleiben, um den Rückgang der Arbeitslosigkeit bis 2019 fortzusetzen“, so der Statec.

"Keine weiteren Einzelheiten"

Dass es für die nationalen Statistiker immer schwieriger wird, exakte Zahlen vorzulegen, hatte sich bereits im Oktober gezeigt, als sich die Erwartungen für das Bruttoinlandsprodukt der Jahre 2016 und 2017 als falsch erwiesen. Die Wirtschaft ist demnach im Jahr 2017 nicht um die erwarteten 2,3 Prozent gewachsen, sondern nur um magere 1,5 Prozent. Auslöser dieser offensichtlich falschen Prognosen waren nicht vorhersehbare Finanzoperationen einiger multinationaler Konzerne, die in Luxemburg vor allem im IT-Bereich und im Handel tätig sind. Für diese Adressen hatte Statec im März noch mit Wachstumsraten von zehn bis 20 Prozent pro Quartal gerechnet – tatsächlich mussten Rückgänge von sechs bis 22 Prozent registriert werden.

"Ich kann keine weiteren Einzelheiten zu den Namen der Unternehmen und der Natur ihrer Geschäftsabläufe geben. Was ich sagen kann, ist, dass es sich um zahlreiche konzerninterne Bewegungen handelt, also von einer Gesellschaft zu einer anderen Gesellschaft unter demselben Dach", sagt Statec-Ökonom Bastien Larue.

Die Statistikbehörde hat sich nun vorgenommen, diese Unternehmen schärfer zu beobachten: „Diese Bewegungen werden von unseren Fachleuten noch genauer geprüft. Es gibt einen Informationsaustausch, um die beobachteten Ströme so gut wie möglich in unsere Statistiken einzubeziehen. Wir können derzeit nicht einschätzen, wie sich diese atypischen Operationen langfristig entwickeln werden. Unsere Prognosen für die Jahre 2018 und 2019 sind demnach ebenfalls mit erheblichen Unsicherheiten behaftet“, baut Bastien Larue vor.

Auch wenn nationale und internationale Alarmsignale unüberhörbar sind, sieht Statec-Ökonom Ferdy Adam keinen Anlass für Panik. „Auch wenn das Wirtschaftswachstum weltweit schwächelt, gibt es derzeit dafür nur wenige Anzeichen in Luxemburg.“


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