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VW-Abgasskandal: Keine Steuererhöhung für die Kunden
Wirtschaft 3 Min. 01.10.2015

VW-Abgasskandal: Keine Steuererhöhung für die Kunden

VW-Abgasskandal: Keine Steuererhöhung für die Kunden

Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 01.10.2015

VW-Abgasskandal: Keine Steuererhöhung für die Kunden

56.000 Fahrzeuge sind in Luxemburg von der manipulierten VW-Software betroffen. Ihre Besitzer werden in den nächsten Tagen angeschrieben. Doch was erwartet sie? Müssen sie mit Konsequenzen rechnen?

(TJ) - Nicht weniger als 56.000 Fahrzeuge mit manipulierter Software aus dem VW-Konzern wurden in Luxemburg nach Angaben des Transportministeriums verkauft. Die "illegale" Steuerung diente dazu, den Motor auf Prüfständen sauberer arbeiten zu lassen als im normalen Fahrbetrieb.

Wegen der strengeren Grenzwerte für Stickoxid-Emissionen hatte VW durch die Manipulation in den USA einen beträchtlichen Wettbewerbsvorteil. Die Besitzer brauchen sich an und für sich wenig Sorgen zu machen: Ihr Fahrzeug ist sicher, sie bekommen wegen der höheren Emissionen keine Probleme bei der technischen Kontrolle und die Steuer wird auch nicht angehoben.

Der Hersteller programmierte die Fahrzeuge so, dass sie Testläufe erkannten. Ein Fahrzeug "erkennt" eine "Prüfstandfahrt", wenn der Motor zwar arbeitet und die Räder sich drehen, jedoch während längerer Zeit nicht gelenkt wird. Im normalen Fahrbetrieb emittierten die Motoren das zehn- bis vierzigfache an NOx-Gas.

Der Importeur für Luxemburg hat am Mittwoch angekündigt, die Halter der Wagen anzuschreiben, um sie über eine vom VW-Konzern geplante Rückrufaktion zu informieren. Doch was genau mit den Fahrzeugen passiert, will Volkswagen erst Mitte Oktober mitteilen. Einstweilen wird noch an der Lösung gearbeitet. Inwiefern ein Update der Software sich auf die Leistungs- und Abgascharakteristiken auswirkt, kann derzeit noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.

Keine Gefahr

Eines steht allerdings fest: Die Halter müssen sich keine grundlegenden Sorgen machen, ihr Wagen ist auch mit der umstrittenen Software sicher und verkehrstauglich. Ein Entzug der Betriebserlaubnis kommt demnach nicht in Frage. Dies käme nur bei sicherheitsrelevanten Mängeln in Frage.

Was nun die Auswirkungen auf die Fahrzeugsteuer angeht, so muss man wissen, dass die Manipulation nicht vorrangig dazu diente, den Verbrauch der Fahrzeuge zu senken. Sie diente dazu, den Stickoxid-Ausstoß der Dieselmotoren zu reduzieren. Dies wird erreicht, indem die Abgastemperatur niedrig gehalten wird, was Leistung kostet und wegen leicht erhöhter Kraftstoff-Einspritzmengen den Verbrauch nach oben treiben kann.

SNCT misst NOx nicht

Wie bei anderen Rückrufaktionen ist der Kunde auch in diesem Fall nicht gezwungen, die Arbeiten durchführen zu lassen. Es ist lediglich so, dass das Werk ihm eine (kostenlose) Nachbesserung seines Wagens anbietet. Einen Zwang wird es nicht geben. Es sei denn, das Fahrzeug wird auf dem Gebrauchtwagenmarkt verkauft. Auch bei der technischen Kontrolle der SNCT haben betroffene Autohalter nichts zu fürchten. In Sandweiler, Esch/Alzette und Wilwerwiltz wird lediglich der Partikelausstoß gemessen, die Stickoxide werden nicht erfasst.

Keine Steuererhöhung für den Verbraucher

Basis für die Berechnung der Kraftfahrzeugsteuer in Luxemburg ist der CO2-Ausstoß. Sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass mit einer "ehrlichen" Motorsteuerung der Verbrauch höher liegt als angenommen, behält sich das Ministerium das Recht vor, den Hersteller zur Rechenschaft zu ziehen. Die einmal festgelegte Kraftfahrzeugsteuer bleibt für den Besitzer des Fahrzeugs jedoch unverändert.

Gesundheitsschädlich

Stickoxid ist hochgiftig, verursacht Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Gas ist verantwortlich für hohe Ozonwerte und Feinstaub.

Die aktuellen Dieselmotoren aus dem VW-Konzern sind laut Hersteller und Transportministerium nicht betroffen. Die Euro-6-Abgasnorm habe den Einbau einer neuen Motorengeneration erfordert. Euro-6 erlaubt 80 Milligramm des Gases je Kilometer, in den USA liegt die Norm bei 31 Milligramm.

Die Modelle

In der EU wurde der Motor VW EA189 mit 1.2/1.6/2.0 Litern Hubraum in den Jahren 2008 bis 2015 verwendet. Betroffen sind folgende Baureihen:

  • Audi: Audi A1, Audi A3 8P, Audi A3 8V, Audi A4 B8, Audi A4 allroad quattro, Audi A5, Audi A6 C7, Audi Q3, Audi Q5, Audi TT
  • Skoda: Skoda Fabia, Skoda Rapid, Skoda Roomster, Skoda Octavia III, Skoda Octavia II, Skoda Superb, Skoda Yeti
  • Seat: Seat Ibiza, Seat Leon III, Seat Leon III, Seat Toledo III, Seat Exeo, Seat Altea, Seat Altea XL
  • Volkswagen: Seat Alhambra, VW Polo, VW Golf, VW Golf Plus, VW Jetta, VW Beetle, VW Passat B7, VW CC, VW Touran, VW Sharan II, VW Tiguan, VW Scirocco, VW Amarok, VW Caddy, VW T5/T6

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