VW-Abgasskandal: 34.218 Fahrzeuge in Luxemburg betroffen
(dpa/TJ) - Volkswagen kündigte am Donnerstag in Wolfsburg an, insgesamt 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückzurufen. Die vom Abgas-Skandal in Deutschland betroffenen 2,4 Millionen Dieselfahrzeuge aus dem VW-Konzern müssen auf Wunsch des Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ausnahmslos zur Nachbesserung in die Werkstatt. Mit der KBA-Entscheidung sei nun „eine Möglichkeit eröffnet, für die Europäische Union ein gemeinsames und abgestimmtes Vorgehen in allen Mitgliedsstaaten zu erreichen“, so VW-Chef Mathias Müller am Donnerstag.
Genaue Zahl steht fest
Die gründliche Auswertung von Losch Import, mit Unterstützung der luxemburgischen Behörden, ergab, dass in Luxemburg 34.218 Fahrzeuge der Modelljahre 2008-2015 betroffen sind. Es handelt sich um 18.219 Fahrzeuge der Marken Volkswagen und Volkswagen Nutzfahrzeuge, 9.823 Fahrzeuge der Marke Audi, 3.570 Fahrzeuge der Marke ŠKODA und 2.606 Fahrzeuge der Marke SEAT. Die betroffenen Fahrzeuge sind ausschließlich mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet.
Die Ermittlung der Fahrzeughalter war laut Importeur nicht leicht, weil einige Tausend Wagen in Luxemburg zugelassen sind, die nicht über dem Importeur Losch verkauft wurden. Deshalb habe man sich mit der Zulassungsstelle (Sandweiler) kurzschließen müssen, um über die Fahrgestellnummern an die Kontaktdaten der Halter zu kommen.
Details im Oktober
Die betroffenen Autofahrer müssen nicht aktiv werden, sie bekommen demnächst Post. In den Schreiben wird ihnen das weitere Vorgehen erklärt. Losch Import versichert den Kunden, dass alle Fahrzeuge weiterhin technisch sicher und fahrbereit sind. Die Fahrzeuge sind weiterhin uneingeschränkt nutzbar. Noch im Oktober werden vom Volkswagen Konzern technische Lösungen und Maßnahmen erarbeitet und den zuständigen Behörden vorgestellt. Die technischen Maßnahmen werden voraussichtlich ab Januar 2016 starten.
VW plant für die betroffenen Autos mit 2,0 Litern Hubraum reine Software-Lösungen. Bei Motoren mit 1,6 Litern Zylindervolumen ist wohl zusätzlich eine Anpassung in der Motortechnik nötig - also ein Eingriff nicht nur über die Programmierung. Diese technische Lösung steht vermutlich erst ab September 2016 zum Einbau zur Verfügung, wie Dobrindt sagte. Was genau bei den 1,2-Liter-Motoren technisch nachgebessert werden muss, blieb zunächst vage.
Der VW-Konzern betont, dass alle neuen Diesel mit der Abgasnorm Euro 6 nicht von dem Skandal betroffen sind.
VW-Krisensitzung in Leipzig
Die Führung des Volkswagen-Konzerns hat am Donnerstag bei einem Treffen in Leipzig rund 400 Top-Manager für den Ernst der Lage im Abgas-Skandal sensibilisiert. Laut Teilnehmern betonte der neue Vorstands-Boss Matthias Müller gleichzeitig aber auch, dass es zu schaffen sei, die Situation zu meistern. Das Ziel für VW sei es, nicht nur zu alter Stärke zurückzufinden, sondern eben auch zu neuer Stärke. Der Skandal müsse von allen als eine Chance zur Veränderung begriffen werden. Demut sei ein Gebot der Stunde.
Der Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzern war jahrelang von einem Rekord zum nächsten geeilt und hatte im Sommer den japanischen Konkurrenten Toyota als weltgrößten Autobauer abgelöst. Ende September musste VW manipulierte Abgaswerte bei Dieseln in den USA einräumen. Die Affäre wuchs sich zum größten Skandal der Unternehmensgeschichte aus. Es drohen Milliardenkosten.