Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Vorsichtiger Optimismus
Qualifiziertes Personal ist schwer zu finden, darauf weist die KPMG-Studie hin.

Vorsichtiger Optimismus

Foto: Getty Images
Qualifiziertes Personal ist schwer zu finden, darauf weist die KPMG-Studie hin.
Wirtschaft 3 Min. 29.06.2018

Vorsichtiger Optimismus

Mara BILO
Mara BILO
Die Konjunkturdaten sind gut, die Stimmung in den Chefetagen ist es auch. Eine Gefühlslage, die sich im „Luxembourg Business Compass“ deutlich widerspiegelt.

Plus 2,2 Skalapunkte: Das ist der wichtigste Befund der neuesten Ausgabe des „Luxembourg Business Compass“. Die elf Stufen umfassende Skala des Stimmungsbarometers reicht von -5 (sehr negative Aussichten – stark abnehmendes Wachstum) bis zu +5 (sehr positive Aussichten – stark zunehmendes Wachstum). Im Ergebnis stehen Luxemburgs Top-entscheider mit +2,2 Punkten auf der Skala dem Wirtschaftswachstum also positiv gegenüber.


Luxembourg Business Compass: Zeiger stehen wieder auf Wachstum
"Luxembourg Business Compass": Erstmals seit zwei Jahren erwarten die Luxemburger Unternehmer wieder ein spürbares Wachstum. Der positive Trend, der schon im Frühjahr dieses Jahres zu erkennen war, setzt sich damit fort.

Die Ergebnisse des von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag gegebenen „Luxembourg Business Compass“ spiegeln die guten Konjunktur-daten wider: Der positive Trend der vergangenen fünf Jahre hältan – wenn auch die Erwartun- gen etwas gedämpfter sind. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte die Stimmung mit einem Wert von +2,3 ein Rekordniveau erreicht.

Die Rifkin-Studie: Unternehmer sind schlecht informiert

Eine Zusatzfrage dieser Ausgabe des „Luxembourg Business Compass“ betrifft die viel diskutierte Rifkin-Studie: Ingesamt finden die Unternehmensleiter, dass diese sich positiv auf die Wirtschaft auswirkt – allerdings nur in geringerem Maße. So schätzt rund ein Drittel der Unternehmen die Auswirkung als „nicht sehr groß“, 16 Prozent als „überhaupt nicht groß“. 45 Prozent der Befragten sehen sich nicht in der Lage, den Effekt der Rifkin-Studie zu bewerten.

Die befragten Firmenchefs haben im Schnitt einen Wert von +2,2 angegeben. Das entspricht einem Rückgang von 0,1 Skalenpunkten gegenüber dem Wert von Mai 2017.

Nur 30 Prozent geben an, über die Rifkin-Studie entweder „informiert“ oder „sehr gut informiert“ worden zu sein. Dagegen steht, dass sich 68 Prozent „nicht gut informiert“ oder „überhaupt nicht gut informiert“ fühlen. Der Grund dafür: Die Ziele, die definiert wurden, um die Rifkin-Studie in verschiedenen wirtschaftlichen Bereichen umzusetzen, werden häufig als „unklar“ empfunden. Für Gilles Poncin, bei KPMG verantwortlich für die Studie, ist der Mangel an Informationen nicht nachvollziehbar: „Es ist alles verfügbar; wer sich informieren will, kann dies tun.“


An der vorliegenden Edition haben sich 71 Spitzenkräfte der luxemburgischen Wirtschaft 
beteiligt. Sie wurden zwischen 
dem 23. März und dem 14. April 2015 befragt.
Luxembourg Business Compass: Stimmung hellt sich weiter auf
Führende luxemburgische Unternehmenslenker äußern sich zunehmend optimistisch über die wirtschaftlichen Aussichten für das Großherzogtum und für ihre Betriebe. Das belegt der 13. „Luxembourg Business Compass“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und des „Luxemburger Wort“.

Von den neun bestehenden Arbeitsgruppen des Rifkin-Prozesses schneidet die, die sich auf Beschäftigung und soziale Fragen bezieht, besonders schlecht ab. Auch die Einrichtung der Plattform zur Vermittlung von Finanzierungen für nachhaltige Entwicklungsmaßnahmen unter dem Namen „Luxembourg Sustainable Development Finance Platform“ stößt auf wenig Verständnis. Im Gegenzug dazu werden die Ziele der Arbeitsplattform „Mobilität“ für 43 Prozent der Befragten klar wahrgenommen.

Qualifiziertes Personal: Angebot hinkt Nachfrage hinterher

Die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft hat sich in den Augen der Luxemburger Topentscheider weiter verbessert, darauf weist der „Luxembourg Business Compass“ hin. Für mehr als drei Viertel der Befragten ist die Wettbewerbsfähigkeit des Landes „gut“ (66 Prozent) oder sogar „sehr gut“ (10 Prozent). Und: Niemand schätzt sie als „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“ ein. Bereits im vergangenen Jahr waren 75 Prozent der Teilnehmer positiv gegenüber der Wettbewerbsfähigkeit eingestellt.

Und dennoch: Die Entwicklung der verschiedenen Faktoren, die zur Wettbewerbsfähigkeit Luxemburgs beitragen, weisen auf gravierende Probleme hin – besonders was die Verfügbarkeit qualifizierten Personals anbelangt. So beklagen 63 Prozent der Unternehmer, dass die Lage sich während der zwei vergangenen Jahre verschlechtert hat. Mehr als die Hälfte finden auch, dass sich die Arbeitskosten sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Löhne in Luxemburg negativ entwickeln.

Es kommt erschwerend hinzu, dass aus Sicht der Unternehmer die administrativen Hürden immer höher gesetzt werden. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre hat sich die Situation verschlechtert, sagen 53 Prozent der Befragten. Auch die Entwicklung des steuerlichen Umfeldes wird von einer Mehrheit (47 Prozent) als schlecht betrachtet; nur 14 Prozent der Befragten finden, dass sich die Lage insgesamt verbessert hat.

Im Allgemeinen plant die Mehrheit der Luxemburger Unternehmen, ihre Ausgaben in allen operativen Bereichen zu erhöhen. Das betrifft in erster Linie die Ausgaben, die sich auf die Digitalisierung und die Vernetzung von Arbeitsprozessen beziehen. Immerhin 76 Prozent der Unternehmer geben an, dass sie mehr Geld in diesen Bereich investieren werden. Für Gilles Poncin: „Eine Investition in die Zukunft für mehr Konkurrenzfähigkeit.“

Weitere Investitionen sollen in die Einführung neuer Produkte oder Dienstleistungen (71 Prozent), Informationstechnologien (69 Prozent), Rekrutierung neuer Mitarbeiter (59 Prozent) und Schulungen (57 Prozent) fließen. Weniger wahrscheinlicher ist es, dass Unternehmer im kommenden Jahr ihre Budgets für eine geografische Ausdehnung ihres Geschäftes (27 Prozent), Unternehmensakquisitionen (18 Prozent) oder Werbung (12 Prozent) erhöhen werden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Unternehmer arbeiten zusammen: Kooperation statt Konkurrenz
Unternehmen stehen im ständigen Wettbewerb zueinander. Oft lohnt es sich für Unternehmen, zusammen ein Projekt zu stemmen. Forscherin Christina Constantinidis erklärt, was sich hinter dem Schlagwort „kollaboratives Unternehmertum“ versteckt.
Gerade Unternehmerinnen arbeiten in Luxemburg oft zusammen, erklärt die Forscherin Christina Constantinidis.
Luxembourg Business Compass: Stimmung hellt sich weiter auf
Führende luxemburgische Unternehmenslenker äußern sich zunehmend optimistisch über die wirtschaftlichen Aussichten für das Großherzogtum und für ihre Betriebe. Das belegt der 13. „Luxembourg Business Compass“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und des „Luxemburger Wort“.
An der vorliegenden Edition haben sich 71 Spitzenkräfte der luxemburgischen Wirtschaft 
beteiligt. Sie wurden zwischen 
dem 23. März und dem 14. April 2015 befragt.