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Vom Gemüselager zum Business-Hotel
Wirtschaft 6 3 Min. 22.05.2021

Vom Gemüselager zum Business-Hotel

Das Restaurant des Innside wird vom Familienbetrieb Grosbusch beliefert.

Vom Gemüselager zum Business-Hotel

Das Restaurant des Innside wird vom Familienbetrieb Grosbusch beliefert.
Foto: Guy Jally
Wirtschaft 6 3 Min. 22.05.2021

Vom Gemüselager zum Business-Hotel

Marlene BREY
Marlene BREY
René Grosbusch hat in Cloche d'Or das Hotel Innside eröffnet und bedient damit eine Marktlücke.

René Grosbusch ist seit Freitag ein Gemüsehändler, der sein eigenes Hotel eröffnet hat – das Innside Luxembourg. Das Hotel steht auf dem Grundstück, auf dem sich von 1990 bis 2005 die Vertriebshalle für Obst und Gemüse des Familienbetriebes Grosbusch befand. 

Als das Lager nach Ellingen bei Mondorf zog, stellte sich die Frage, was mit dem Grundstück in der Rue Henri M. Schnadt passieren sollte. Es hätte drei Optionen gegeben, sagt René Grosbusch: Nichts machen, aber das passe nicht zum Unternehmergeist der Familie, ein weiteres Bürogebäude bauen oder ein Hotel eröffnen. „Und in Cloche d'Or fehlte einfach ein Hotel“, erklärt er. 

Der Eigentümer ist auch der Lieferant

Gemeinsam mit der Hotelgruppe Meliá – dahinter steht ein spanisches Familienunternehmen – wurde das Konzept ausgearbeitet. Innside setzt auf lokale Produkte und lokale Küche. 

Grosbusch ist dabei nicht nur Eigentümer, sondern auch der Lieferant für Obst und Gemüse. So schließt sich der Kreis an diesem Standort. „Ich bin stolz auf diesen Ort, an dem ich 15 Jahre als Gemüsehändler gearbeitet habe“, sagt Grosbusch. „Hier in Cloche d'Or sind wir groß geworden. Und jetzt haben wir hier einen neuen Wirtschaftszweig aufgebaut.“ 

Dabei war die Familie auch Zeuge, wie das Viertel groß wurde und profitierte von der Entwicklung. Sie hatten bereits 1988 gekauft. 


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Die Entscheidung zum Bau eines Hotels fiel dann 2018. Jetzt muss es mitten in der Corona-Krise eröffnen. Doch Grosbusch gibt sich optimistisch: „Ich finde es sehr positiv, dieses Hotel genau jetzt zu eröffnen, weil wir endlich wieder Licht am Ende des Tunnels sehen.“ 

Marktlücke bei Business-Hotels

Der Plan könnte aufgehen. Denn zumindest vor der Krise gab es hier eine Marktlücke. In Gasperich reiht sich bekanntlich ein Bürogebäude an das andere. Aber wer bisher online nach einem Business-Hotel suchte, der fand: nichts. Nun ploppt ein einziger Punkt auf der Karte im Süden der Hauptstadt auf. Die glatte schwarze Fassade des Innside reiht sich perfekt in die Reihe der Bürokomplexe ein. 

Darum kam zur Eröffnung auch Lex Delles als Minister für Tourismus und betonte: „Bisher haben in Luxemburg Business-Hotels gefehlt.“ Vor der Pandemie zählte Luxemburg jährlich mehr als 180 000 Aufenthalte von Kongresstouristen. Rund zwei Drittel der Hotelübernachtungen gingen damit auf Geschäftsreisende zurück. 

Genau diese Touristen standen und stehen im Zentrum von Delles Tourismus-Strategie – denn sie geben mehr Geld aus. Laut dem World Travel Monitor, belaufen sich die Ausgaben eines ausländischen Geschäftstouristen auf 190 Euro pro Tag. Urlauber geben im Schnitt nur 110 Euro aus. 

Geschäftsreisen ziehen nur langsam wieder an

Nun kommt mit dem Innside also endlich ein weiteres Hotel nach Luxemburg und zudem auch noch in die Nähe vieler großer Firmen. Doch der Zeitpunkt ist mehr als schwierig. Das gibt auch Rogier von Zanten, Manager des Innside zu. „Als ich das Projekt vor zwei Jahren übernahm, hatten wir eine andere Welt. Die Wirtschaft prosperierte und ein Hotel zu eröffnen, war ein sicheres Geschäft“, sagt er. 


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So hat auch Manager van Zanten gute Nachrichten: Das Hotel sei für die ersten zwei Wochen fast ausgebucht. Touristische Gruppen gebe es natürlich noch kaum, aber die Geschäftsreisenden kämen zurück, „auch, weil die Maßnahmen in Luxemburg nicht so streng sind wie in noch vielen anderen Staaten“, sagt der Niederländer. „Wir haben entschieden, aufzumachen, weil wir daran glauben, dass sich die Lage normalisiert und es sich lohnt. Die Buchungen bestätigen das bisher“, erklärt er. 

Auch gibt es im Haus eine neue Art von Geschäftsreisenden: Gäste, die gleich zwei bis drei Monate bleiben. Ihre Firmen entsenden sie für länger, auch weil die Quarantänebestimmungen das nahelegen. In den Zimmer finden sie neben Bildbänden über Luxemburg auch eine Yogamatte und eine Playstation. Im Erdgeschoss gibt es ein Fitness-Studio. Dafür zahlen sie zwischen 159 bis 299 Euro pro Nacht. 

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