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Vollbremsung für Garagen und Autohäuser
Wirtschaft 4 Min. 25.03.2020

Vollbremsung für Garagen und Autohäuser

So sieht es momentan nicht mehr aus: Der Automarkt in Luxemburg ist durch die Corona-Krise zum Erliegen gekommen.

Vollbremsung für Garagen und Autohäuser

So sieht es momentan nicht mehr aus: Der Automarkt in Luxemburg ist durch die Corona-Krise zum Erliegen gekommen.
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 4 Min. 25.03.2020

Vollbremsung für Garagen und Autohäuser

Marco MENG
Marco MENG
Luxemburgs Automarkt ist im Ausnahmezustand – Autoreparaturen und technische Kontrollen gibt es nur noch im Notbetrieb.

Einen neuen Rekord an Fahrzeugzulassungen wird es dieses Jahr nicht geben. Schlimmer noch: Die gesamten Umsatzzahlen des Autosektors brechen im März wegen der virusbedingten Schließungen ein – und ein Ende ist nicht abzusehen. Dadurch, dass das öffentliche und geschäftliche Leben im Land heruntergefahren ist, macht es für Garagen und Autohäuser derzeit wenig Sinn, das Geschäft offen zu lassen, ganz abgesehen davon, dass physische Kontakte so weit es geht unterbunden werden sollen, damit sich das Covid-19-Virus nicht weiter ausbreitet. 

Die Nachfrage nach Autos oder Autoreparaturen ist derzeit so gering wie sonst nie: Selten war so wenig Verkehr in Luxemburg wie jetzt. Viele Berufspendler arbeiten von zu Hause aus; andere befinden sich bereits in „chômage partiel“. 

Werkstätten im Notfall-Modus 

Die Autohäuser wie die Werkstätten sind geschlossen und bieten allenfalls noch einen Notdienst an. „Pannen-, Reparatur- und Wartungsarbeiten, die aus Sicherheitsgründen erforderlich sind, können noch durchgeführt werden“, erklärt der Branchenverband „House of Automobile“ (HOA). Ansonsten läuft in der Branche nicht mehr viel. 

Im Fall eines dringenden Bedarfs werden die Kunden gebeten, ihre Anfrage telefonisch, über die Website des Händlers oder per E-Mail zu stellen. „Im Notfall raten wir den Kunden an, zuerst ihre Garage zu kontaktieren. Ansonsten ist es immer möglich, sich an die Mobilitätshilfe, das Leasingunternehmen oder den Automobilclub zu wenden“, erklärt Frank Lentz vom Handwerksverband. „Die Lage ist kritisch für jeden Händler und jede Werkstatt“, sagt Philippe Mersch, Vorsitzender des Werkstätte- und Autohändlerverbands Fedamo („Fédération de la distribution automobile et de la mobilité“). „Die Gesundheit geht aber vor.“ 


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Auch die SNCT („Société nationale de contrôle technique“) arbeitet genauso wie die Kontrollstation der Dekra in Bartringen und die im Mai letzten Jahres eröffnete neue Kontrollstation „Luerenzweiler Kontrollstatioun“ in Lorentzweiler derzeit nur im „Notbetrieb“, das heißt, gemäß der behördlichen Anordnung vom 17. März sind lediglich solche Autos zur Prüfung zuglassen, deren Kontrollzertifikat weniger als 14 Tage gültig oder abgelaufen ist. Das gilt „ohne Ausnahme“, wie die Prüfstellen betonen, also auch zuvor bereits vereinbarte Termine sind davon betroffen. 

Die Maßnahme gilt bis zum 31. März. Damit sollen Kontakte verringert und Inspektoren wie Kunden vor einer möglichen Ansteckung geschützt werden. Ob es dann ab April wieder normal weitergeht, ist für die Kontrollstationen genauso unsicher wie für Autohändler und Werkstätten.

Für manche, die sich beim Autofestival Anfang des Jahres einen Wagen bestellten, verzögert das Covid-19-Virus die Auslieferung: Die knapp 230 europäischen Autofabriken und Montagewerke stehen weitgehend still, sogar bis zu vier Wochen. Das und der vorangefallene Produktionsausfall in China bedeutet, dass die Lieferketten derzeit nicht so wie üblich funktionieren. Für die Luxemburger Automobilbranche mit ihren rund 180 Betrieben und mehr als 5 000 Mitarbeitern werden beim Autofestival rund 30 bis 40 Prozent der gesamten Jahresverkäufe abgewickelt.

Im Februar, noch bevor das Corona-Virus Europa traf, ist der Autoabsatz in Europa laut EU-Branchenverband Acea bereits um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen; in Luxemburg um minus 4,9 Prozent 

Weitere Stützungsmaßnahmen 

Die meisten Betriebe, die nun geschlossen haben, greifen auf Kurzarbeit zurück, wie es mit Inkrafttreten des Regierungsbeschlusses ermöglicht wird. Um die Bearbeitung von Anträgen auf Arbeitslosengeld zu beschleunigen, stellt die Adem für Personen, die in Luxemburg wohnen und kurzfristig im Zuge der Covid-19-Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben, auf ihrer Webseite ein Online-Formular bereit; ein persönliches Erscheinen zur Beantragung von Arbeitslosengeld ist nicht erforderlich. 

Für die Beantragung von Kurzarbeit wurde den Unternehmen eine Hotline unter der Nummer 8002-9191 eingerichtet. Unternehmen wie Selbstständige, die aufgrund der Corona-Pandemie in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind, können einen einfachen Antrag auf Aufhebung der Steuervorschüsse für die ersten beiden Quartale des Jahres 2020 stellen. Diese Maßnahme gilt für die Einkommenssteuer und die kommunale Gewerbesteuer. Zu den Maßnahmen, die der Staat zur Stützung von Unternehmen entschieden hat, meint der Fedamo-Vorsitzende Mersch: „Die werden wir alle nützen. Es wird aber nicht reichen. Wir brauchen verstärkte Hilfen, um die Krise zu überstehen.“


(FILES) In this file photo taken on March 16, 2019 Nissan cars are pictured, parked in a lot at its' Sunderland plant in north east England on March 16, 2019. - Car giant Nissan announced a halt in production on March 17, 2020 at its Sunderland factory because of falling demand amid the coronavirus outbreak. (Photo by ANDY BUCHANAN / AFP)
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Was die wirtschaftlichen Auswirkungen des Stillstands für die einzelnen Betriebe bedeutet, so ist sich der Verband sicher, dass es Probleme gibt, sollte das „Atemanhalten“ über die jetzt anberaumten zwei Wochen hinausgehen. Denn niemand war darauf vorbereitet, dass von einem Tag zum anderen das Geschäft eingestellt werden muss. So erhoffen sich die Unternehmen Hilfe vom Staat, und das möglichst schnell. Die Fédération des Artisans ist dazu im Gespräch mit der Regierung. 

Wenn Virologen sagen, es könne sein, dass wir ein halbes Jahr oder länger die aktuellen Kontakteinschränkungen beibehalten sollten, so bleibt dahingestellt, wie praktikabel das ist. „Es ist nicht an uns zu spekulieren wie lange es dauern wird“, meint Mersch. „Wir werden uns anpassen müssen an die Situation, wie auch immer sie sein wird.“ Ein halbes Jahr werde die Branche allerdings nicht ohne Hilfen überstehen. Händler und Werkstätten hoffen, dass Hersteller und Zulieferer so heil wie möglich durch die Krise kommen, „damit die Gesundheitskrise nicht noch von einer noch dramatischeren Wirtschaftskrise gefolgt wird“, so Mersch. 

Allein durch die fehlenden Autoverkäufe bis Ende März büßen die Händler – legt man die Durchschnittswerte von März 2019 zugrunde – Einnahmen in hoher zweistelliger Millionensumme ein.

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