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Volkswagen elektrisiert sich
Wirtschaft 7 3 Min. 11.05.2019

Volkswagen elektrisiert sich

Weltpremiere in Berlin: der ID. von Volkswagen.

Volkswagen elektrisiert sich

Weltpremiere in Berlin: der ID. von Volkswagen.
Foto: Marco Meng
Wirtschaft 7 3 Min. 11.05.2019

Volkswagen elektrisiert sich

Marco MENG
Marco MENG
Ende des Jahres beginnt die ID.-Produktion in Zwickau, der Verkaufsstart ist für das zweite Quartal des nächsten Jahres geplant. Volkswagen läutet mit seiner neuen Elektro-Autoserie „ID.“ eine neue Ära ein.

Noch vor seiner offiziellen Weltpremiere auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt im September hat Volkswagen am Mittwoch in Berlin das erste Modell der „ID.“- Familie präsentiert.

Der „ID.3“, der unverkennbare Ähnlichkeit mit dem VW-Flagschiff Golf hat. Erstmals ist ein Volkswagen vorbestellbar. Ob das bedeutet, dass der Autokonzern sich seiner Elektrostrategie nicht ganz sicher ist? Ab Sommer 2020 sollen die ersten ID.-Autos ausgeliefert werden.

Anvisiert sind 100 000 ID.-Verkäufe pro Jahr, als Hauptmärkte sieht der Konzern neben Deutschland auch Norwegen und die Niederlande.

Premiere: Jürgen Stackmann von Volkswagen stellt den VW-ID. vor.
Premiere: Jürgen Stackmann von Volkswagen stellt den VW-ID. vor.
Foto: Marco Meng

Warum fängt VW mit der Nummer „3“ an? Darauf hat der Konzern eine Erklärung: Nach dem Käfer und dem Golf ist die Elektrofamilie ID. „das dritte große Kapitel von strategischer Bedeutung in der Geschichte der Marke Volkswagen“, sagt Jürgen Stackmann, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen, zur Vorstellung des Elektromodells in Berlin.

Das kompakte Strom-Auto ist laut VW mit drei verschiedenen Reichweiten erhältlich: 330, 420 und 550 Kilometer; der Startpreis soll unter 30 000 Euro liegen, staatliche Elektroprämien nicht eingerechnet.

Damit will VW seinen CO2-Fußabdruck schnellstmöglich reduzieren. Und klar ist auch: Volkswagen will sich nicht von Tesla das Wasser abgraben lassen. Mit dem Konzept „ID.“ will der Volkswagen-Konzern aber eigenen Angaben nach einen tief greifenden Systemwechsel einleiten.

Man kann zumindest nicht sagen, Volkswagen mache halbe Sachen. Die neue Strategie sagt klar: bis 2025 will Volkswagen die globale Nummer 1 mit mehr als 20 rein elektrisch angetriebenen Modellen und jährlich einer Million verkaufter reinen E-Autos werden.

Rund 100 Pressevertreter aus der ganzen Welt verfolgten die Präsentation.
Rund 100 Pressevertreter aus der ganzen Welt verfolgten die Präsentation.
Foto: Marco Meng

„Jetzt wird die Zukunft der Elektromobilität bei Volkswagen für unsere Kunden konkret“, so Stackmann.

Investitionen in Lade-Infrastruktur

Noch scheinen die Argumente eher auf der Seite herkömmlicher Motoren zu liegen: 400 Kilometer Reichweite – gegenüber 900 mit einem Diesel. Eine halbe Stunde Aufladezeit – gegenüber fünf Minuten tanken.

Dennoch: die Vorbestellungen sollen bereits die Erwartungen bei weitem übertroffen haben. Auf die Frage, wie realistisch die Zahl von einer Millionen E-Autos pro Jahr ist, meint Stackmann, Volkswagen habe Gewicht in der Autoindustrie.

„Wenn wir etwas anstoßen, bewegen wir etwas.“


Nun ist es eines, ein gutes Elektroauto zu bieten, etwas anders ist die Lade-Infrastruktur. Als Partner und Teilhaber von Ionity arbeite Volkswagen „mit Hochdruck am Aufbau einer europaweiten Schnellladeinfrastruktur an den Hauptachsen der Autobahnen“, so Stackmann.

Die Zukunft der Elektromobilität wird konkret.

Ionity ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Automobilhersteller BMW Group, Daimler AG, Ford Motor Company sowie des Volkswagen-Konzerns, das Ladestationen für Elektroautos baut und betreibt. Bis Ende 2020 sollen in Deutschland alle 120 Kilometer 400 Stationen entstanden sein, mit jeweils durchschnittlich sechs Ladesäulen.

Auch die 3 000 Händler in Europa sollen zu E-Tankstellen für die Volkswagen-Elektroflotte werden. „Wir setzen konsequent auf den batterie-elektrischen Antrieb“, sagt Stackmann.

Er sei heute die effizienteste und für die Industrie die in der Breite am schnellsten umsetzbare Technologie, um CO2 einzusparen und die anspruchsvollen Ziele zur CO2-Reduzierung zu erfüllen.


24.11. Creos / Pres Borne Electrique Chargy / vlnr Alex Michels,Etienne Schneider,Francois Bausch Foto:Guy Jallay
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Von 2019 bis 2023 wird darum allein die Marke Volkswagen rund neun Milliarden Euro ausschließlich in die E-Mobilität investieren. Die enormen Kosten will Volkswagen unter anderem durch seinen Modularen Elektrifizierungsbaukausten (MEB) kompensieren, den andere Hersteller für Ihre E-Autos nutzen können.

„Mit dem MEB werden wir die Möglichkeiten des Elektroantriebs kompromisslos ausschöpfen und das E-Auto vom Nischenprodukt zum Massenphänomen machen“, so der Konzern. Das Werk Zwickau, das zur leistungsstärksten E-Autofabrik Europas ausgebaut wird, hat eine Produktionskapazität von 300 000 Fahrzeugen im Jahr.

Diese Kapazität wolle man so schnell wie möglich mit dem ID.3 und anderen Modellen der ID.-Modellreihe ausfüllen.

Kurz nach der ID.-Produktion in Zwickau will VW auch die ID.-Produktion in China für den dortigen Markt starten, die USA sollen dann folgen.

Batterie ist der Motor der Zukunft

Angesprochen auf den sich bereits abzeichnenden Engpass bei der Verfügbarkeit von Kobalt für die Produktion der Elektrobatterien erklärte Stackmann, Volkswagen habe sich die Lieferung für die nächsten Jahre gesichert.

„Da die chemische Zusammensetzung in unseren Batterien sich ändern wird, werden wir immer weniger abhängig von Kobalt werden.“ Kobalt werde weniger wichtig in den Batterien.

Waren Autobauer wie Volkswagen samt der elf Tochtermarken von Audi bis Scania bislang vor allem kompetent im Motorenbau, ist mit der Elektromobilität die Batterietechnologie ausschlaggebend. Die Batterie sei der Motor der Zukunft, gab denn auch Stackmann zu. Hier muss freilich Volkswagen genau wie andere Autohersteller noch Kompetenzen aufbauen.


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