Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Verstoß gegen Flugzeitvorschriften
Wirtschaft 3 Min. 29.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Bei Cargolux Italia

Verstoß gegen Flugzeitvorschriften

Bei der luxemburgischen Luftfrachtgesellschaft ist seit Monaten dicke Luft.
Bei Cargolux Italia

Verstoß gegen Flugzeitvorschriften

Bei der luxemburgischen Luftfrachtgesellschaft ist seit Monaten dicke Luft.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 29.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Bei Cargolux Italia

Verstoß gegen Flugzeitvorschriften

Bei der luxemburgischen Luftfrachtgesellschaft ist seit Monaten dicke Luft. Jetzt flog auf: Bei der italienischen Tochtergesellschaft der Airline wurden 2011 in mehreren Fällen die Dienstzeiten von Piloten überschritten.

Von Laurence Bervard

Viele Mitarbeiter der Cargolux sind verunsichert. Heute will die Luftfrachtgesellschaft ihre Geschäftszahlen für 2014 veröffentlichen. Fette Gewinne sind nicht zu erwarten. Vielmehr dürfte das Management erneut das Sparpotenzial bei seinen Angestellten hervorstreichen, um die Profitabilität der Firma zu erhöhen. Für reichlich Unbehagen bei der Belegschaft sorgt zudem die Entlassung von vier Piloten sowie der Verdacht, dass Mitarbeiter von Privatdetektiven ausspioniert werden. Angeblich hätten sie sich nicht an die erlaubten Ausgangszeiten im Krankheitsfall gehalten. Nun gerät die Gesellschaft selbst ins Fadenkreuz der Behörden, weil sie sich nicht immer an die Spielregeln hält.

Es ist amtlich: Die italienische Tochtergesellschaft hat gegen die Flugregeln verstoßen. Dies geht aus einem Schreiben der „Direction de l’aviation civile“ (DAC) hervor, das der Redaktion des „Luxemburger Wort“ unterbreitet wurde. Demnach hat Cargolux Italia 2011 in mindestens sieben Fällen gegen die maximal erlaubte Flug- und Dienstzeit seiner Piloten verstoßen. Damals wurde eine unabhängige Prüfung der Vergehen in Italien angeordnet. Darüber erhielt die luxemburgische Flugaufsichtsbehörde aber erst im Dezember 2014 Kenntnis. Die damalige Direktorin, Christiane Weidenhaupt, sah sich in der Pflicht, die Airline in einem Brief auf Bedenken der Behörde hinzuweisen.

Aus dem Dokument geht hervor, dass der zuständige Vizepräsident des Flugbetriebs für diese Pflichtverletzungen verantwortlich war. Persönliche Konsequenzen hatte dies bis jetzt nicht. Im Gegenteil, der Mitarbeiter ist sogar für eine Beförderung in den Exekutivausschuss des Unternehmens im Gespräch. Das könnte heute Thema der Generalversammlung der Cargolux sein.

Keine Kündigung, 
keine Konsequenzen

Dem Schreiben der DAC nach waren bei Cargolux Italia auf bestimmten Flugrouten 2011 nicht genügend qualifizierte Piloten an Bord. Die Regeln für Flugsicherheit sehen unter anderem vor, dass jeder Flug von mindestens zwei qualifizierten Piloten begleitet werden muss, und dass ein Dritter hinzukommt, wenn die gesamte Dienstzeit 13 Stunden überschreitet. Das soll der Ermüdung vorbeugen, da sich die Piloten ablösen können. Gegen diese Regeln hat Cargolux Italia verstoßen. Der verantwortliche Flugbetriebsleiter kündigte vor vier Jahren daraufhin „freiwillig“. Die italienische Behörde hatte Druck gemacht, personelle Konsequenzen zu ziehen.

„(Der Pilot) hat uns über seine Kündigung in Kenntnis gesetzt. Aus diesem Grund haben wir kein offizielles Verfahren gegen ihn eingeleitet“, heißt es in dem Schreiben der italienischen Flugsicherheitsbehörde ENAC an ihr luxemburgisches Pendant. In Luxemburg wurden die Verstöße nicht als besorgniserregend eingestuft, da der Pilot kurze Zeit später zur Muttergesellschaft zurückkehrte und zwei Jahre später erneut in die Flugbetriebsabteilung befördert wurde. Bis heute ist er bei Cargolux einer der drei höchsten Mitarbeiter der Flugsicherheit.

Sicherheitsbedenken 
bei der Landung

Dass das Schreiben und die Bedenken der DAC auch 2015 noch keine personellen Konsequenzen für den Verantwortlichen haben, scheint umso überraschender, da der Vizepräsident des Flugbetriebs nur drei Monate zuvor bereits wegen des „Wing Wave“ Schlagzeilen gemacht hatte. Bei diesem gefährlichen Manöver beim Abflug aus Seattle hatte er als verantwortlicher Flugsicherheitsbeauftragter im Cockpit gesessen. Seinen Fehler hat er übrigens in einem Brief an seine Kollegen selbst eingeräumt.

Und auch das ist nicht das einzige Sicherheitsbedenken bei der Cargolux. So hat die Airline beispielsweise 2013 den Transport des Solar-Impulse-Flugzeugs aus der Schweiz in die USA durchgeführt, obwohl andere Fluggesellschaften, aufgrund der sehr kurzen Start- und Landebahn im schweizerischen Payerne, den Auftrag abgelehnt und Basel oder Zürich als Flughafen vorgeschlagen hatten. Cargolux erhielt den Zuschlag. Dass die Sicherheitsbedenken der anderen Airlines berechtigt waren, zeigen im Internet aufgetauchte Fotos der viel beachteten Landung. Bedenklich war, ob die richtige Landehöhe eingehalten wurde. Im Cockpit saß erneut der für den Flugbetrieb verantwortliche Vizepräsident.

Cargolux-CEO Dirk Reich erklärte auf Anfrage, dass Sicherheit eine absolute Priorität für die 
Airline darstelle und wann immer sie gefährdet sei, würde eine Analyse durch die interne Flugsicherheitsabteilung erfolgen. Vom Schreiben der DAC hatte er bis gestern keine Kenntnis: „Den Brief habe ich nie bekommen“, sagte er.



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Verstoß gegen Flugvorschriften
Cargolux-CEO Dirk Reich bestreitet die Vorwürfe, dass seine Firma 2011 in Italien gegen die erlaubten Flugdienstzeiten verstoßen hat. Er bezeichnet die damaligen Flugregeln in Italien eher als Grauzone.
Cargolux-CEO Dirk Reich bestreitet die Vorwürfe.
Die luxemburgische Luftfrachtgesellschaft Cargolux hat am Mittwoch ihre Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Der Gewinn sank im Vergleich zum Vorjahr.
Cargolux legte am Mittwoch seine Geschäftszahlen vor.
Gewerkschaften sind besorgt
Nach monatelanger Ungewissheit dürfte heute die Entscheidung über den Ausbau der italienischen Tochtergesellschaft im Verwaltungsrat der Cargolux fallen.
Richard Forson, CFO von Cargolux, zeigte sich bei der Pressekonferenz am Freitag besorgt. Nur ein Ausbau der Tochtergesellschaft könne die Wettbewerbsfähigkeit der Frachtgesellschaft steigern.
Drei weitere Flugzeuge der Cargolux könnten bald von Luxemburg nach Italien ausgelagert werden, und dies obwohl die Produktivität in Luxemburg nicht ausgeschöpft und die Kosteneinsparung gering sei, beteuert die luxemburgische Pilotenvereigung.
Der Transfer von Fliegern nach Italien ermögliche es, die Bilanz der italienischen Airline aufzupolieren, so Dirk Becker der ALPL.
Mehr Flieger für Cargolux Italia
Die luxemburgische Luftfrachtgesellschaft sieht den Transfer von bis zu drei Maschinen an ihre italienische Tochtergesellschaft vor. Danach sollen sie mitsamt italienischer Crew nach Luxemburg geleast werden.
Neben dem Ausbau von Cargolux Italia, sorgt auch das geplante Joint Venture mit HNCA bei den Gewerkschaften für Unruhe.