Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Versand aus Polen läuft auf Hochtouren
Wirtschaft 2 Min. 15.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Amazon-Streik in Deutschland

Versand aus Polen läuft auf Hochtouren

Auf Streiks ist Amazon vorbereitet und kann im Fall der Fälle auf andere Logistikzentren in Europa ausweichen.
Amazon-Streik in Deutschland

Versand aus Polen läuft auf Hochtouren

Auf Streiks ist Amazon vorbereitet und kann im Fall der Fälle auf andere Logistikzentren in Europa ausweichen.
AP
Wirtschaft 2 Min. 15.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Amazon-Streik in Deutschland

Versand aus Polen läuft auf Hochtouren

Durchschnittlich gut drei Euro verdienen Amazon-Lagermitarbeiter in Polen pro Stunde. Als Internethändler ist das Unternehmen in dem Land nicht aktiv – zur Erleichterung des dortigen Handels.

(dpa) - Polnische Zeitungskommentare klingen süffisant: „Die Polen arbeiten, die Deutschen streiken.“ Die Rede ist von den Beschäftigten der drei polnischen Amazon-Zentren. Die 4500 ständigen und die 7500 für die Weihnachtssaison eingestellten Mitarbeiter haben reichlich zu tun – auch mit dem Versand der Weihnachtsbestellungen aus dem Nachbarland.

Am Montag begann an fünf deutschen Amazon-Standorten ein dreitägiger Streik. Die Gewerkschaft Verdi versucht seit mehr als einem Jahr, den Versandhändler zu Tarifgesprächen zu Bedingungen des Einzelhandels zu überreden. Amazon lehnt das strikt ab und sieht sich selbst als Logistiker. Deswegen kommt es seit Mai 2013 immer wieder zu Streiks.

Kunden aus ganz Europa werden beliefert

Ende September wurde das erste Paket aus einem der polnischen Amazon-Zentren nach Deutschland verschickt. Einige Wochen lang hatten die Mitarbeiter in den beiden Zentren im niederschlesischen Wroclaw und in dem dritten in Poznan geübt, bis die Arbeitsabläufe klappten.

„Aus Polen werden Kunden in ganz Europa beliefert“, kündigte Tim Collins, Logistikchef von Amazon Europe, bei der Eröffnung an. Die zentrale Lage Polens in Europa sei entscheidend bei der Standortauswahl gewesen. Dank des europaweiten Netzwerks mit insgesamt 28 Logistikzentren, darunter auch in Polen und der Tschechischen Republik, werde trotz Arbeitsniederlegungen in Deutschland pünktlich geliefert, betont der Online-Versandhändler regelmäßig.

Auch die im Vergleich zum Westen deutlich niedrigeren polnischen Löhne dürften eine Rolle für die Standortentscheidung gespielt haben. Durchschnittlich gut drei Euro verdienen die Lagermitarbeiter pro Stunde.

"Arbeitsplätze von geringer Qualität"

Für polnische Verhältnisse ist der Stundenlohn für niedrig qualifizierte oder ungelernte Arbeitskräfte überdurchschnittlich. Uneingeschränkte Zufriedenheit herrscht aber auch in den polnischen Amazon-Zentren nicht. In Medienberichten ist von Klagen unter anderem über langen Wege in den Lagerhallen die Rede. „Das ist nicht durchzuhalten“, beschwerte sich ein Amazon-Mitarbeiter in einer E-Mail an das Nachrichtenportal „Wirtualna Polksa“.

Für das Weihnachtsgeschäft wurden zusätzliche Saisonkräfte eingestellt. Einige von ihnen können, je nach Auslastung, auch mit einer längeren Beschäftigung rechnen. In den polnischen Zentren gilt für die Arbeiter eine Vier-Tage-Woche, allerdings mit einer Arbeitszeit von zehn Stunden.

Der Warschauer Wirtschaftswissenschaftler Grzegorz Gorzelak beurteilt den Nutzen Amazons für den polnischen Arbeitsmarkt allerdings gering: „Das sind Arbeitsplätze von geringer Qualität, die wenig Vorteile für die Region schaffen“, meint der Experte für Regionalentwicklung. Er zieht Vergleiche zu den großen Supermarktketten: „Es werden Billigjobs geschaffen, aber aufgrund der Preise gehen kleine Läden kaputt.“

In Polen selbst ist Amazon als Internethändler nicht aktiv – zur Erleichterung sowohl der traditionellen als auch der Online-Händler. Rafal Brzoska von Versanddienstleister InPost warnte vor einigen Monaten auf einer Konferenz vor den Folgen für den Handel, sollte Amazon auch in Polen Waren versenden: „Die polnischen Onlinehändler drohen Bankrott zu gehen, mit Margen wie bei Amazon können sie nicht konkurrieren."


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Neue Geschäftsidee Amazon Go
Der Onlinehändler Amazon testet in Seattle den ersten Supermarkt, in dem es keine Kassen mehr geben soll - und keine Wartezeiten. Das Konzept nennt sich "Amazon Go".
Amazon employees are pictured outside the Amazon Go brick-and-mortar grocery store without lines or checkout counters, in Seattle Washington, U.S. December 5, 2016. REUTERS/Jason Redmond
Kampf gegen Amazon: Rund 50 internationale Gewerkschafter haben am Freitag zu einem Protest vor dem EU-Sitz des Konzerns in Luxemburg aufgerufen.
30.9. Amazon Luxembourg / Piquet de Protestation Syndicats Europeens Foto:Guy Jallay
Amazon feiert Jubiläum
Vor 20 Jahren hat Amazon sein erstes Buch verkauft. Heute versucht der Online-Gigant, sich im Alltag der Kunden auszubreiten, damit sie in jeder Lebenslage reibungslos bei ihm einkaufen. Die Erfolgsgeschichte hat aber auch Schattenseiten.
Der Hauptsitz des Unternehmens Amazon befindet sich in Seattle im US-Bundesstaat Washington, 
die Europazentrale ist in Luxemburg.